Geschlechter-Ungerechtigkeit

So diskriminierend sind öffentliche Toiletten in Deutschland

Diskriminierend oder sinnvoll? Vielerorts dürfen Männer kostenlos auf die Toilette gehen, Frauen hingegen nicht. Das sorgt für Kritik.

Braunschweig – Wie diskriminierend können Toiletten sein? Viele Großstädte in Deutschland haben Wildpinklern den Kampf angesagt. Dafür hagelt es Kritik. Denn Frauen zahlen deshalb in vielen Städten wie Berlin, Hamburg und Köln für den Toiletten-Gang in der Öffentlichkeit, Männer hingegen nicht. So zum Beispiel auch in Braunschweig. Dort kostet es 20 Cent ein Mal die Toilette zu benutzen, vorausgesetzt man ist eine Frau. Männer dürfen kostenlos gehen.

StadtBraunschweig
Bevölkerung248.292
Fläche192,1 km²
Höhe75 m

Marion Lenz, die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Braunschweig sagte gegenüber dem Stern: „Wenn wir die Männer bezahlen lassen, dann rechnen wir damit, dass wir das Problem mit den Wildpinklern nicht in den Griff bekommen.“ Die 20 Cent als Gebühr für Frauen benötige es als Zugangskontrolle: „Wenn wir kein Geld verlangen würden und die rund um die Uhr offen wären, hätten wir das Problem, dass wir ganz viel Vandalismus haben.“ Durch eine Gebühr sei es Frauen also gewährleistet, auf eine saubere Toilette zu gehen.

Diskriminierende Klos: Das sind die Alternativen

Kritikerinnen und Kritiker sehen dennoch eine Ungerechtigkeit im Geschlechterunterschied bei öffentlichen Toiletten, denn wenn Frauen kein Geld dabei haben, bringt ihnen die sauberste Toilette nichts. Welche Möglichkeiten gäbe es stattdessen? Das Problem ist kein Neues. Bereits 2015 hatte die Stadt Köln das ungleiche Bezahlungssystem eingeführt - mit einer kleinen Ausnahme: Wenn Männer sich setzen wollten, wurden 50 Cent fällig. Im Stehen war es für Männer hingegen weiterhin kostenlos, für Frauen wurde diese Gebühr bei jedem Toiletten-Gang fällig.

Öffentliche Toiletten sorgen in vielen Städten für eine ungleiche Behandlung von Mann und Frau.

Dieser Lösungsansatz nähert sich zwar einer gerechteren Lösung, doch von Gleichheit kann hier wohl immer noch nicht die Rede sein. Ein weiterer Lösungsansatz: Uni-Sex Toiletten. Damit wäre nicht nur das Problem der Toiletten-Gebühren gelöst, sondern auch ein weiteres Problem, für das Städte und Kommunen immer wieder kritisiert werden. Denn Intergeschlechtliche Personen müssen in vielen Fällen entscheiden, auf welches Klo sie gehen. Eine gendergerechte Lösung ist noch lange nicht Alltag an öffentlichen Toiletten.

Getrennte Toiletten für Männer und Frauen als gesellschaftliches Phänomen

Dabei sei das geschlechtliche Trennen von Toilette auf rein gesellschaftliche Gründe zurückzuführen. Eine biologische Erklärung gibt es nicht, sagt der kanadische Soziolohe Erving Goffman.

Toiletten für Männer und Frauen zu trennen sei laut Goffman erstmalig durch die viktorianischen Moralvorstellung geschehen. Sogar noch im antiken Rom seien Gemeinschaftstoiletten normal gewesen.

Geschlechtsneutrale Toiletten an Hochschulen in Niedersachsen und Bremen

In Niedersachsen und Bremen schreiten viele Hochschulen und Schulen voran und wollen der Diskriminierung ein Ende setzten. Dafür haben beispielsweise die Universität Bremen sowie die Hochschule Hildesheim-Göttingen-Holzmünden (HAWK) geschlechtsneutrale Toiletten eingeführt. Die Rückmeldungen dazu seien bisher positiv, sagte Sprecher der HAWK, Romas Bielke.

Die Universität Oldenburg könnte schon bald nachziehen: „Das Thema wird universitätsintern derzeit diskutiert, um in einem sorgfältigen Abwägungsprozess zu einem guten Ergebnis zu kommen“, sagte Uni-Sprecherin Corinna Dahm-Brey. Die Hamburger Reeperbahn hat bereits seit 2018 genderneutrale Toiletten, die Universität Bremen sogar schon seit dem Jahr 2000 im Rahmen eines Kunstprojektes. * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © dpa/Sebastian Willnow

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