Staatsanwaltschaft in Oldenburg will nicht anklagen

Sexueller Missbrauch: Teenagerin hofft auf Prozess

Schutzlos fühlen sich viele Frauen bei sexuellen Übergriffen. - Foto: dpa

Vechta - Von Matthias Niehues. Eine mögliche Lücke im Sexualstrafrecht könnte für eine junge Lohnerin zum Verhängnis werden. Das zumindest glaubt der Rechtsbeistand des Mädchens.

Dezember 2013: Drei junge Freundinnen haben sich in einer Wohnung in Lohne getroffen. Im Laufe des Abends kommen junge Männer dazu, die reichlich Alkohol ausschenken. Auch eine der Freundinnen, eine 16-Jährige, trinkt. Später wird sie nach Angaben ihres Anwaltes Stefan Wilke berichten, dass sie davon völlig „fertig“ war und „nicht mehr wusste, wo vorne und hinten ist“.

Gegen 4 Uhr morgens hätten ihre zwei Freundinnen bemerkt, dass sich einer der Männer im Schlafzimmer mit der 16-Jährigen eingeschlossen habe, so Wilke. Als der Mann nicht öffnete, habe eine der Freundinnen die Tür eingetreten. „Sie hat ihn in flagranti erwischt. Die Situation war eindeutig“, sagt der Rechtsanwalt. Wie ihm geschildert worden sei, habe der Tatverdächtige in dem Moment versucht, in das Opfer einzudringen. Als sich die Tür öffnete, habe er überrascht die Hose wieder hochgezogen. Das habe die Zeugin gesehen.

Der Anwalt stellte Strafanzeige wegen sexuellen Missbrauchs „und aller in Betracht kommenden Delikte“, wie er erklärt. Die ermittelnden Polizeibeamten seien eindeutig zu dem Ergebnis gekommen, dass sich die Vorwürfe gegenüber dem Beschuldigten bestätigt hätten. Erst als die Kripo Spermaspuren von ihm sichern konnte, soll er den sexuellen Kontakt eingeräumt haben, so der Anwalt. Doch alles sei freiwillig geschehen, sei seine Aussage gewesen. „Wie jemand mit einem minderjährigen alkoholisierten Mädchen, das hilflos ins Bett gebracht wurde, weil es körperlich am Ende war, einvernehmlichen Sex haben kann, erschließt sich mir nicht“, sagt Wilke. Der Jurist ist vom Straftatbestand der versuchten Vergewaltigung, mindestens aber von sexuellem Missbrauch überzeugt.

Allerdings ist das Geschehen vom 14. Dezember 2013 bis heute nicht zur Anklage gekommen. Die Staatsanwaltschaft Oldenburg lehnt dies ab. Das Verfahren wurde eingestellt. „Die Aussicht, dass es zu einem Urteil kommt, ist zu gering“, begründet Sprecher Torben Tölle die Entscheidung. Dieser Auffassung habe sich auch die Generalstaatsanwaltschaft angeschlossen, bei der Beschwerde eingelegt wurde.

Wilke befürchtet, dass die Entscheidung der Staatsanwaltschaft politisch motiviert sein könnte, weil der Tatverdächtige Syrer sei. Er wartet jetzt auf eine Entscheidung, die er beim Oberlandesgericht beantragt hat. „Wenn nicht in diesem eindeutigen Fall gerichtlich verhandelt wird – warum sollte eine vergewaltigte Frau überhaupt noch eine Strafanzeige stellen?“, fragt er.

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