Diskothek „Twister“

„Ein Nein ist ein Nein“: Frau äußert sich nach Übergriff auf Tanzfläche in Sande

Discothek Twister Dance in Sande im Kreis Friesland.
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In der Discothek Twister Dance im friesländischen Sande sollen sich die sexuellen Übergriffe ereignet haben. Der Betreiber hat inzwischen reagiert.

In einer Disco im Kreis Friesland wurde eine Frau belästigt und geschlagen. Der Sicherheitsdienst wird aufgestockt. Auch der mutmaßliche Täter äußert sich.

Sande – Nach ersten Berichten in den Medien über sexuelle und gewaltvolle Übergriffe auf junge Frauen in der Discothek Twister im friesländischen Sande (Kries Friesland), haben die Betreiber reagiert und den Sicherheitsdienst aufgestockt. Nach Aussagen von Zeugen war es in der Nacht vom 14. auf den 15. August 2021 gegen 02:45 Uhr zu einem sexuellen Übergriff auf eine 28-Jährige aus Schortens gekommen, der für die junge Frau im Krankenhaus endete. Im Anschluss an die Berichterstattung hatten sich immer mehr junge Frauen gemeldet, denen Ähnliches widerfahren sein soll. Dabei geriet der Sicherheitsdienst der Discothek immer wieder in die Kritik. Der Vorwurf einer der jungen Frau wog besonders schwer, weil dieser durch die Security nicht geholfen worden sein soll.

Gemeinde in Niedersachsen:Sande
Fläche:44,87 Qudartkilometer
Einwohner:8714 (Stand: 31. Dezember 2020)
Vorwahl:04422
Bürgermeister:Stephan Eiklenborg (parteilos)

Sie wirft dem Sicherheitsdienst Versagen vor, da man die sexuellen Übergriffe und Schläge nicht ernst genommen habe. Gegenüber der in Oldenburg erscheinenden Nordwest-Zeitung (NWZ) sagte die junge Frau, dass sich ihr Vorfall bereits zwei Wochen vor dem am Wochenende bekanntgewordenen Fall ereignet habe. Die junge Frau berichtet, dass auch sie von einem jungen Mann mit Migrationshintergrund geschlagen worden, aber Anfang August „mit einem blauen Auge“ davongekommen sei.

Vorwurf der sexuellen Übergriffe im Twister Sande: Sicherheitsdienst soll sich geweigert haben, Krankenwagen zu rufen

Richtig heftig wirkt in diesem Zusammenhang der Vorwurf gegenüber dem Sicherheitsdienst der Discothek. Dieser soll nach Aussagen der jungen Frau sich geweigert haben, ihr zu helfen. Auch habe man den Täter nicht aus der Discothek hinauswerfen wollen, „da man mit dem schließlich befreundet“ sei. Ihr sei gesagt worden, dass sie die Polizei und einen Krankenwagen selber rufen solle.

Einer weiteren jungen Frau, die angegrapscht und verprügelt worden sein soll, ist laut einem Bericht der NWZ auf das Heftigste gedroht worden, falls sie sich an die Polizei wende. Inzwischen musste sie ihren Wohnsitz wechseln, so sehr soll sie eingeschüchtert worden sein.

Sarah Kelly Bootsmann aus Schortens wurde nach eigener Aussage in der Nacht vom 14. auf den 15. August in der Discothek Twister in Sande sexuell belästigt. Der Täter schlug ihr daraufhin mit der Faust ins Gesicht und brach ihr mehrere Knochen.

Aber auch gegenüber dem Betreiber der Discothek, Manfred Krüger, werden inzwischen Vorwürfe erhoben. Sarah Kelly Bootsmann, deren Fall am Wochenende durch die Medien ging, hat sich inzwischen gegenüber kreiszeitung.de geäußert. Sie wirft Krüger vor, erst auf Druck ihrerseits über die sozialen Medien ein Statement verfasst zu haben, bei ihr selber habe sich bis zum heutigen Tage niemand vonseiten der Geschäftsführung gemeldet. Sie hält dem Betreiber aber inzwischen zugute, dass dieser auf die Vorfälle regiert hat und den Sicherheitsdienst in der Discothek aufgestockt hat und nun die Besucher beim Einlass durchsucht sowie kontrolliert werden.

Auf Nachfrage von kreiszeitung.de hat sich am Donnerstagnachmittag, 2. September 2021, die Geschäftsführung des Twister geäußert. Aufgrund der laufenden Ermittlungen könne man nicht zu allen Einzelheiten Stellung nehmen, teilte Discotheken-Sprecher Simon Zielezinski schriftlich mit.

Discothek im Kreis Friesland unterstützt Polizei und setzt vermehr Sicherheitskräfte ein

„Wir unterstützen bereits die Polizei bei der Aufklärung des Vorfalls. Dieser wurde auf unserer Videoüberwachung aufgezeichnet und die Aufnahmen liegen dementsprechend auch bei der Polizei vor, mit der wir hier sehr stark kooperieren. Unsere Security haben wir nach dem Vorfall aufgestockt, obwohl wir ein hohes Aufkommen an Sicherheitspersonal bereits in der Diskothek haben“, schreibt Zielezinski. Schon vor dem Fall habe die Security regelmäßig in allen Areas patrouilliert, ab sofort sei aber mindesten ein Sicherheitsangestellter fest in den Areas abgestellt. „Wir möchten aber auch noch mal appellieren, dass man sich jederzeit bei unserer Security oder dem Thekenpersonal melden kann und auch sollte, wenn es Probleme gibt.“

„In zwei Wochen feiern wir das 23-jährige Bestehen unserer Disco. Wir als Betreiber machen seit über 40 Jahren Disco. So einen Fall hat es bisher bei uns noch nie gegeben und ist ein Einzelfall. Hätte man sich direkt bei der Security gemeldet, dies hat Frau Bootsmann ja nicht getan, wäre vielleicht die ganze Situation niemals so eskaliert. Wenn man Dinge selber regelt, können wir auch nicht eingreifen. Daher der dringende Appell an die Gäste: Wenn was ist, steht jeder von unserem Personal bereit zu helfen.“

Weiter teilt die Discothek mit, dass, als die Situation am 15. August 2021 eskalierte, bereits durch das Thekenpersonal die Security verständigt worden war. Diese hätten den Schläger sofort mitgenommen, die Personalien aufgenommen und ihn an die Polizei übergeben. „Auch für das Opfer haben wir sofort einen Rettungswagen gerufen. Weiteres müssen die Ermittlungen der Polizei ergeben. Ein lebenslanges Hausverbot des männlichen Gastes wurde bereits aufgrund der Verletzungen gegenüber Frau Bootsmann erteilt. Weitere Schritte behalten wir uns vor“, so die Discothek in ihrer Stellungnahme weiter.

Nach Berichten über sexuellen Übergriff auf der Tanzfläche: Mutmaßlicher Täter äußert sich via Instagram

Inzwischen hat sich der mutmaßliche Täter, ein 19-Jähriger aus Varrel, über die sozialen Medien zu Wort gemeldet und seine Version der Geschichte geschildert. In einer mehrseitigen Erklärung auf Instagram weist er die Vorwürfe, Sarah Kelly Bootsmann auf der Tanzfläche sexuell belästigt zu haben, entschieden von sich. „Sie und ich haben nicht wirklich getanzt, wir standen uns gegenüber und haben so einfach getanzt, aber mehr war da auch nicht. Ich habe niemanden an den Po, in den Schritt oder ähnliches gefasst“, schreibt der junge Mann mit Migrationshintergrund, der in Deutschland geboren und aufgewachsen ist.

Er habe schon vorher Sarah Kelly Bootsmann angesprochen und sie dazu aufgefordert, im Kreis vor Zuschauern zu tanzen. „Geh da doch rein, du kannst tanzen“, habe er ihr gesagt. Im nächsten Moment sei sie handgreiflich geworden und habe ihn nach hinten gedrückt. In diesem Augenblick habe er sie noch wegschubsen können. Dann sei er allerdings von ihr gewürgt worden und habe in dem Moment, als er keine Luft mehr bekommen habe, sich nicht anders zuhelfen gewusst, als mit einem Schlag.

„Ich will noch einmal klarstellen, dass ich sie nicht angefasst habe oder noch irgendwelche sexuell belästigende Dinge getan habe“, so der Varreler weiter. Der Schlag sei aus seiner Sicht reine Notwehr gewesen. Weiter kritisiert er in dem Post eine Spendenaktion, die inzwischen für Sarah Kelly Bootsmann ins Leben gerufen worden sein. „Ihr geht es offensichtlich nur um das Geld. Eine Schande für alle Frauen, die wirklich sexuell belästigt wurden.“

Sexuelle Übergriffe auf der Tanzfläche: Mutmaßliches Opfer berichtet von Anfeindungen aus Täter-Freundeskreis

Dies weist Sarah Kelly Bootsmann allerdings entschieden zurück. Unterhalten haben sie sich ganz gewiss nicht mit ihm. Was sie eingesteht ist, dass sie den jungen Mann am Kragen gepackt habe und ihn gefragt habe, was nicht mit ihm stimme. Auch weist sie den Vorwurf zurück, dass der Spendenaufruf Geldmacherei sei. „Ich finde diese Kritik unmöglich. Ich bin Freiberuflerin und war noch nie krank. Ich bin auf die Einnahmen angewiesen“, so Bootsmann. Weiter berichtet sie von Anfeindungen aufgrund der Spendenaktion aus dem Freundeskreis des 19-Jährigen.

Auch wies sie im Gespräch mit kreiszeitung.de noch einmal daraufhin, dass sie gegenüber dem mutmaßlichen Grapscher klargemacht habe, dass sie dies nicht wünsche. „Ein Nein ist ein Nein, das sollte doch eigentlich jeder verstehen können“, so die 28-Jährige.

Nach Vorwurf sexueller Übergriffe im Twister Sande: Polizei ermittelt wegen des Verdacht der Körperverletzung und sexueller Belästigung

Auch die Polizei hat inzwischen zu dem Fall Stellung genommen, was in einem Fall der sexuellen Belästigung beziehungsweise bei einem Sexualdelikt aus Gründen des Opferschutzes eher nicht das normale Vorgehen der Behörden ist. „Die Polizei hat Ermittlungen wegen des Verdachts der Körperverletzung und des Verdachts der sexuellen Belästigung aufgenommen“, erklärte Janina Schäfer, Sprecherin der zuständigen Polizeiinspektion in Wilhelmshaven/Friesland, gegenüber kreiszeitung.de.

„Im Rahmen der Ermittlungen folgen nun weitere Maßnahmen: Unter anderem Vernehmungen der Beteiligten und die Auswertung des Videomaterials, das von dem Betreiber zur Verfügung gestellt wurde“, so Schäfer. Nach Abschluss der Ermittlungen werde das Verfahren an die Staatsanwaltschaft Oldenburg abgegeben. * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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