Belästigung seit 2016 unter Strafe

Mehr Anzeigen wegen Sexualdelikten in Niedersachsen und Bremen

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Seit 2016 steht sexuelle Belästigung unter Strafe. Das ist wohl ein Grund, warum mehr Sexualdelikte in Niedersachsen angezeigt werden.

Die Zahl der Anzeigen wegen Sexualdelikten in Niedersachsen ist gestiegen. Ein Grund könnte die Verschärfung des Sexualstrafrechts sein. Gibt es noch weitere Gründe?

Hannover - In Niedersachsen sind im vergangenen Jahr mehr Sexualdelikte angezeigt worden als 2017. Die Zahl der Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung stieg um 16 Prozent: 6669 Delikte wurden erfasst, 2017 waren es 5749 Fälle gewesen, wie das Landeskriminalamt (LKA) in Hannover mitteilte. 

Ein Grund für den Anstieg könnte die Verschärfung des Sexualstrafrechts sein. Seit 2016 steht sexuelle Belästigung unter Strafe. Vom LKA hieß es, es könne sein, dass seither Fälle als sexuelle Belästigung angezeigt würden, die davor eher als sexistische Beleidigung erfasst worden seien. 

Hilfesuchende wenden sich vermehrt an Weißen Ring

Wie es vom Opferverband Weißer Ring hieß, suchten seit der Reform des Sexualstrafrechts 2016 mehr Opfer wegen Sexualstraftaten Unterstützung bei dem Verein als vorher. 

Es gebe bis zu zehn Prozent mehr Anfragen wegen Sexualdelikten, sagte der Bundesvorsitzende des Vereins, der ehemalige BKA-Chef Jörg Ziercke, der Deutschen Presse-Agentur in Mainz. „Bei einigen liegen die Taten schon Jahre zurück.“ 

Anstieg der Anzeigen in vielen Regionen Niedersachsens

In Niedersachsen stieg die Zahl der Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung in den Kreisen Göttingen, Hameln-Pyrmont, Hildesheim, Holzminden, Nienburg, Northeim und Schaumburg um 11,9 Prozent. 

Wie die Polizei Göttingen mitteilte, wurden 2018 genau 1019 Taten erfasst, 2017 waren es erst 911 gewesen. Auch im Bereiche der Polizeidirektion Braunschweig lag die Zahl der Sexualdelikte mit 905 Fällen im Jahr 2018 über dem Niveau des Vorjahres von 2017, wo es 804 Fälle gab. 

Auch in Bremen werden mehr Sexualdelikte angezeigt

In Bremen führte die Staatsanwaltschaft nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr 389 Verfahren, in denen es um Vergewaltigung, sexuelle Belästigung und sexuelle Nötigung ging. 2017 waren es nur 271 Verfahren gewesen. 

Ob sich die „MeToo“-Debatte in den Zahlen niederschlage, lasse sich nicht klar sagen, hieß es von den Ermittlern. Eine erhöhte Sensibilität in der Bevölkerung sei zwar denkbar. Ob diese letztlich der Grund für eine Anzeige sei, werde aber nicht abgefragt. Berichte über sexuelle Übergriffe des US-Filmproduzenten Harvey Weinstein hatten unter dem Schlagwort „MeToo“ eine Debatte über Missbrauch und Sexismus ausgelöst, die sich weltweit ausbreitete.

dpa

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