Fairtrade, Auto-Verbot, plastikarme Unterkünfte

So setzen sich die Nordsee-Inseln für den Umweltschutz ein

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Luftaufnahme eines Borkumer Strandes

Borkum/Sylt - Autoverkehr und Flugbetrieb sind an der Küste spürbar, im Watt werden Schadstoffe aus der Landwirtschaft sichtbar, und an den Stränden sammeln sich tonnenweise Plastikmüll und Abfälle von Schifffahrt und Fischerei. So schön die ost- und nordfriesischen Inseln auch sind: Die Umweltprobleme vom Festland und von der Nordsee kommen auch in den Urlaubsparadiesen mit ihren kilometerlangen Sandstränden an.

Für Umwelt- und Naturschützer bedeutet der wachsende Tourismus auch zunehmende Störungen, etwa die Ausweisung von Gebieten für Kite-Surfer im Nationalpark Wattenmeer. Hinzu kommen Probleme durch Autoverkehr und Flugbetrieb, bei Versorgung und der Entsorgung von Müll. Die Inseln versuchen mit eigenen Initiativen, die Balance zwischen Ökonomie und Ökologie zu halten. 

Borkum

Die westlichste und größte ostfriesische Insel Borkum kann beim Tourismus mit dem Label „allergikerfreundlich“ werben. Die Kleinbahn vom Hafen zur Stadt läuft zwar im Dieselbetrieb, neuerdings ist aber ein Elektrobus im Einsatz. Die Polizei geht mit dem ersten Elektro-Motorrad auf Streife, auch städtische Fahrzeuge werden auf E-Antrieb umgestellt. Beim Autoverkehr gibt es starke Einschränkungen im Ortskern. Als erste deutsche Fähre pendelt ein Schiff mit dem umweltfreundlichen Flüssiggasantrieb (LNG) von Emden nach Borkum. Zu schaffen macht der Insel allerdings der Bau eines umstrittenen Kohlekraftwerks auf der niederländischen Emsseite. 

Juist

Als autofreie Klimainsel hat sich Juist einen Namen gemacht und gerade wieder einen Bundespreis für nachhaltigen Tourismus in der Kategorie "Klimaschutz, Ressourcen- & Energieeffizienz" gewonnen. Juist ist auch als Pferdeinsel bekannt, denn der gesamte Transport an Waren, Gütern und Menschen erfolgt mit rund 100 Pferden und 30 Kutschen. Vor vier Jahren hatte sich eine Mehrheit von Gästen und Insulanern gegen eine Umstellung auf Elektrokarren ausgesprochen. Bis 2030 will Juist klimaneutral werden. Dabei hat jedoch der Plan, mit Pferdemist eine Biogasanlage zu betreiben, nicht geklappt, dafür reichte die Menge nicht aus. 

Norderney

Thalasso-Therapien mit Meerwasser, Meeresluft, Sonne, Algen, Schlick und Sand sollen auf Norderney die erfolgreiche Behandlung von Krankheiten fördern. Mit diesem Konzept und vielen Wellness-Angeboten hat sich die zweitgrößte ostfriesische Insel vom Ruf als beliebtes Ausflugsziel für Kegelclubs gelöst. Allerdings strömen Pfingsten alljährlich rund 50.000 Besucher zu den Beachvolleyball- und Surfwettbewerben auf die Insel mit 6000 Einwohnern. In den 50er Jahren wurden Autos zugelassen, seitdem nimmt der Verkehr in dem Staatsbad stetig zu. 

Baltrum

Eine Seilbahn vom Festland zur kleinsten ostfriesischen Insel - mit dieser ungewöhnlichen Idee provozierte kürzlich der Baltrumer Bürgermeister Insulaner und Gäste. Dabei hatte der Mann neben einer besseren Verkehrsanbindung auch den Umweltaspekt vor Augen: Umweltschützer sehen die Fährschifffahrt im Nationalpark Wattenmeer durchaus kritisch. Der Bürgermeister kann sich auch mehr Erholung für Touristen durch Handy-freie Zonen vorstellen, wenn etwa Mobilfunkmasten aus dem Ortsbild verschwinden. 

Langeoog

Mit Langeoog wurde 2012 erstmals eine Fairtrade-Insel in Deutschland ausgezeichnet. Als Teil der weltweiten Fairtrade-Bewegung fördert die Insel gezielt den fairen Handel mit Produkten wie Kaffee, der mit dem grün-blauen Siegel gekennzeichnet ist. Rund 40 Betriebe und Unterkünfte beteiligen sich an der Kampagne. Weitere Zukunftsprojekte sind ein energetisches Gesamtkonzept, die Elektrifizierung der Inselbahn und der Fähren sowie E-Tankstellen am Festland-Fährhafen Bensersiel. 

Spiekeroog

Spiekeroog hat die einzige deutsche Museumspferdebahn, die an die frühere Inselbahn vom Fähranleger zum Ort erinnert. Über die autofreie Insel ohne Flugplatz fahren noch zwei Kutschen und Elektrokarren der Spedition, dazu kommen Elektrokarren für Menschen mit eingeschränkter Mobilität und ein solarbetriebener Rollstuhl, der auch bis zum Strand rollen kann. Wie auf Borkum gibt es noch eine betagte Windkraftanlage, die aber hoch umstritten ist. Ein Pfandsystem für Kaffeebecher soll Müllprobleme reduzieren helfen. 

Wangerooge

Am Ende der ostfriesischen Inselkette können sich Urlauber auf Wangerooge in einem Schwimmbad abkühlen, das von einem Blockheizkraftwerk betrieben wird. Auf der Lagerhalle für die Strandkorbe sorgt eine Photovoltaikanlage für Energie. Die letzte von der Deutschen Bahn betriebene Schmalspurbahn wird von Dieselloks gezogen, die Transportkarren auf der autofreien Insel fahren elektrisch. Für einige Jahre drehte sich ein Windrad im Westen der Insel, nach seinem Abbau ist ein Nachfolger nicht erwünscht. 

Sylt

Sylt gilt als Insel der Schönen und Reichen, bietet aber auch genügend Angebot für "Normalos". Im Sommer stauen sich regelmäßig Urlauber-Autos vor den Verladestationen für den Autozug. Wohnraum ist sehr teuer. Ein Großteil der Menschen, die auf Sylt arbeiten, pendelt täglich vom Festland auf die Insel. Häufige Zugausfälle erschwerten eine Zeit lang allerdings das Pendeln. Durch seine exponierte Lage spielt Sylt eine wichtige Rolle für den Küstenschutz. Die Insel sichert auch das Festland vor Schäden durch Sturmfluten. Jährlich werden Hundertausende Kubikmeter Sand vorgespült, um die Insel vor Substanzverlusten zu schützen. 

Föhr

Die zweitgrößte nordfriesische Insel wirbt mit dem Slogan "Plastikfrei wird Trend" für eine bewussteren Umgang mit Plastik, sogar als plastikarm zertifizierte Unterkünfte sind buchbar. Ganz plastikfrei wird aber auch Föhr nicht werden. Zu erreichen ist die Insel mit der Fähre von Dagebüll aus. Hauptverkehrsmittel auf der Insel ist neben dem Auto das Fahrrad. Viele gut ausgebaute Radwege verbinden die Inseldörfer. Zudem gibt es mehrere Buslinien, die regelmäßig fahren. 

Amrum

Auf Amrum ist neben dem Auto das Fahrrad das Hauptverkehrsmittel für Touristen. Eine Reederei "schenkt" Urlaubern, die ihr Auto auf dem Festland am dortigen Inselparkplatz lassen, sogar die Parkgebühr für bis zu 30 Tage. Wie auf Föhr ist das Radwegenetz gut ausgebaut, wer kein Fahrrad hat, kann sich bei einem der zahlreichen Verleiher eins mieten. Zudem verbindet eine regelmäßige Buslinie die Inseldörfer. Amrum und Föhr arbeiten in vielen Bereichen eng zusammen, so wurde etwa ein gemeinsames Klimaschutzkonzept erarbeitet. 

Pellworm

Pellworm steht im Schatten ihrer großen Schwestern. Die grüne Nordsee-Insel im Wattenmeer bietet keine Sandstrand, aber viel Ruhe. Massentourismus sucht man hier vergebens. Zu erreichen ist die Insel mit der Fähre von Nordstrand, die mehrmals täglich übersetzt. Öffentlich ist der Anleger im Gegensatz zu dem in Dagebüll, von dem die Fähren nach Amrum und Föhr ablegen, allerdings nicht sehr gut zu erreichen. Nordseeinsel Pellworm ist zudem Modellregion für die Energiewende. 2013 wurde auf hier das erste intelligente Stromnetz in Norddeutschland in Betrieb genommen.

dpa

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