Seit sexuellen Übergriffen

Körperkontakt in der Disco: Clubbetreiber spüren veränderte Stimmung

Hannover/Bremen - Seit den sexuellen Übergriffen in der Silvesternacht sind Discobesucher sensibler, wenn es um Körperkontakt auf der Tanzfläche geht. Die Clubbetreiber im Norden spüren die veränderte Stimmung.

Seit den sexuellen Übergriffen der Silvesternacht reagieren auch in Norddeutschland Frauen empfindlicher auf Zudringlichkeiten in Diskotheken. „Die Sensibilität der Gäste ist eine andere geworden, was diese Fragen angeht“, sagte am Montag der Geschäftsführer des Gaststättenverbandes Dehoga Niedersachsen, Rainer Balke. Frauen seien verunsichert. „Sie fragen sich: Kann ich da noch hingehen, ohne angegrapscht zu werden?“

Diskotheken in Bremen und Niedersachsen dürfen Flüchtlinge nicht generell als Gäste ablehnen, sonst droht ihnen ein Bußgeld. In Freiburg hatten Diskotheken nach Klagen von Frauen über sexuelle Belästigungen Flüchtlingen den Zutritt verweigert.

Dehoga-Geschäftsführer Balke sagte, Frauen sprächen Discobetreiber und Clubbesitzer seit Silvester öfter an, wenn sie sich auf der Tanzfläche belästigt fühlten. Seit dem 1. Januar gilt in Niedersachsen ebenso wie in Bremen ein verändertes Gaststättengesetz, das Bußgelder vorsieht, wenn Menschen wegen ihrer Hautfarbe oder ihrer Religion nicht in das Lokal dürfen. Damit seien generelle Zutrittsverbote nicht möglich, erklärte der Dehoga-Geschäftsführer.

Wer Menschen dennoch wegen ihrer Hautfarbe oder ihrer Religion nicht in einen Club lässt, muss mit Bußgeldern von bis zu 10.000 Euro rechnen. „Da ist man schlecht beraten, wenn man so etwas macht“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Bremer Dehoga, Thomas Schütte.

Clubbesitzer müssten aber auch auf die Sensibilität ihrer Gäste Rücksicht nehmen, sagte Balke. Sie müssten auch ihr Hausrecht ausüben können, um Gäste vor Straftaten zu schützen.

In Hannover sind am 11. Februar Gespräche zwischen Discobetreibern, der Stadt und dem Dehoga geplant, um über die Umsetzung des neuen Antidiskriminierungs-Gesetzes zu beraten. Dabei werde auch die veränderte Erwartungshaltung der Gäste nach den sexuellen Übergriffen der Silvesternacht zur Sprache kommen, sagte Balke. Das Gespräch in der Landeshauptstadt Hannover soll Pilotfunktion für die anderen Regionen Niedersachsens haben.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa-tmn

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