Skandalschiff der Marine

Segelschiff Gorch Fock erleidet Maschinenschaden auf Probefahrt

Pleiten, Pech und Pannen überschatteten sechs Jahre lang die Sanierung des Segelschulschiffs Gorch Fock. Nun folgt noch ein Maschinenschaden auf der Probefahrt.

Update vom 1. September 2021 um 14:30 Uhr: Gerade erst in See gestochen und schon liegen die Nerven auf der Gorch Fock bereits wieder blank. Denn auf der ersten Probefahrt nach sechs Jahren streiken die Maschinen des Dreimasters und Segelschulschiffs der deutschen Marine.

Schiff:Gorch Fock
Heimathafen:Kiel
Länge89,32 m
Breite12 m

Eigentlich sollte es Leinen los heißen, doch bereits kurz nach dem Ablegen bei der Bremer Lürssen Werft am Mittwoch kam es zu Problemen. Die Diagnose: Maschinenschaden. Daraufhin mussten zwei zivile Schlepper zum Einsatz kommen, die das Großsegelschiff durch die Weser in Richtung Nordsee unterstützten.

Maschinenschaden bei der Gorch Fock: Marineschlepper zieht Segelschiff in die Nordsee

Bereits kurz vor Brake übernahm dann der Marineschlepper „Scharhörn“ um kurz vor 12:00 Uhr bei Brake die Aufgabe.

Dieser zog die manövrierunfähige Gorch Fock den Rest des Weges in die Nordsee.

Ventil als Ursache für Maschinenschaden beim Segelschiff Gorch Fock

„Unsere Techniker haben ein defektes Regelventil an der Maschinenanlage als Ursache entdeckt. Das Ventil wird jetzt ausgetauscht. Danach soll die Probefahrt fortgesetzt werden“, sagte Oliver Grün, Sprecher der Lürssen Werft gegenüber den Kieler Nachrichten.

Die Lürssen Werft hatte die Überholung des Segelschulschiffes von der insolventen Elsflether Schiffswerft 2019 übernommen und somit auch den Auftrag der Sanierung, die bereits 2015 begonnen hatte.

Gorch Fock: Besatzung sieht Maschinenschaden gelassen ins Auge

Ein Rückschlag, dem die Besatzung der Gorch Fock mit beinahe schon stoischer Ruhe und Gelassenheit ins Auge sah. „Nach einer so langen Zeit in der Werft kann so etwas bei einem Motor immer passieren“, sagte auch ein Sprecher der Marine den „Kieler Nachrichten“.

Der Marineschlepper „Scharhörn“ hatte eigentlich den Auftrag das Wohnschiff „Knurrhahn“ zusammen mit dem Marineschlepper „Knechtsand“ von der Lürssen Werft nach Wilhelmshaven zu ziehen.

Maschinenschaden der Gorch Fock: „Unser Ziel ist es, die Probefahrt nach der Reparatur aber auf jeden Fall fortzusetzen“

Wie lange die Reparaturarbeiten und der Austausch des Ventils an dem Deutz-Diesel der Gorch Fock in Anspruch nehmen, war am Mittwochnachmittag noch nicht bekannt.

„Unser Ziel ist es, die Probefahrt nach der Reparatur aber auf jeden Fall fortzusetzen“, so Werft-Sprecher Grün zu den Kieler Nachrichten. Von einer neuerlichen Verspätung bei der Übergabe des Dreimasters an die Marine am 30. September sei bisher aber nicht die Rede.

Gorch Fock läuft nach sechs Jahren Sanierung und diversen Skandalen zur ersten Probefahrt aus

Erstmeldung vom 1. September um 13:30 Uhr: Großsegler legt endlich ab: Die „Gorch Fock“ setzt endlich die Segel. Nach massiven Verzögerungen. Sechs Jahre lang war das Segelschulschiff, das Aushängeschild der Deutschen Marine, von Pleiten, Pech und Pannen begleitet. Nun hieß es heute Morgen nach endlosen Skandalen endlich Leinen los. Die Sanierung des Schiffs ist nach sechs Jahren abgeschlossen.

Auch, wenn dies bis heute Morgen noch keinesfalls gesichert war. Wie die Bild berichtet, bedurfte es einer Krisensitzung am Abend des 31. August, um sicherzustellen, dass der Großsegler unter den Augen von Schaulustigen auch tatsächlich aus der Werft in Lemwerder auslaufen konnte.

Auf den ersten Kilometern auf der Weser wurde die „Gorch Fock“ noch eng von zwei Schleppern begleitet.

Nach einer zweitägigen Probefahrt auf der Weser und der Nordsee wird die „Gorch Fock“ am Donnerstag in Wilhelmshaven erwartet. Am dortigen Marinearsenal soll die Endausrüstung des Dreimasters erfolgen, bevor die Bundeswehr ihn am 30. September offiziell wieder zurückerhält.

„Wir sind unglaublich stolz darauf, dieses besondere Schiff nun auf die Zielgerade gebracht zu haben und in wenigen Wochen unserem Kunden zu übergeben“, sagte Lürssen-Geschäftsführer Tim Wagner gegenüber „Buten un Binnen“. Auf den ersten Kilometern auf der Weser wurde die „Gorch Fock“ noch eng von zwei Schleppern begleitet.

Gorch Fock legt aus Bremen ab: Segelschulschiff und Dreimaster will Ära einleiten und Skandale hinter sich lassen

Am Ufer verfolgten Schaulustige die erste Fahrt des 63 Jahre alten Schiffes. „Wir freuen uns auf die erste Seefahrt im Rahmen der Werftprobefahrt und die ersten richtigen Eindrücke auf dem ‚neuen‘ Schiff“, sagte Kapitän Nils Brandt.

Sechs Jahre lang war die Gorch Fork unter anderem in Bremerhaven und Bremen wieder auf Vordermann gebracht worden. Dabei landete das Ausbildungsschiff der Deutschen Marine aufgrund von diversen Skandalen immer wieder in den Schlagzeilen. Verspätungen, Querelen und die immensen Kosten, die sich für den Steuerzahler auf 135 Millionen Euro beliefen, standen dabei vor allem im Rampenlicht.

Nils Brandt, der Kapitän der „Gorch Fock“, hofft nun auf eine positive Wende: „Das verdämmert jetzt so langsam hinten raus und wir gucken nach vorne“, so Brandt, hinter die schwierige Zeit solle ein Haken gesetzt werden, auch für die Mannschaft der „Gorch Fock“.

Das traditionsreiche Segelschulschiff wurde vor 63 Jahren bei Blohm und Voss in Hamburg erbaut. 80 Prozent der Außenhaut des Schiffes wurde ausgetauscht. Die Gesamtkosten der Sanierung liegen bei 135 Millionen Euro und haben sich damit mehr als verzehnfacht. Insgesamt kommt die Sanierung des Schiffes einem Neubau gleich.

Gorch Fock: Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Osnabrück laufen nach wie vor

Die Lürssen-Werft hatte seit Herbst 2019 als zweite Werft an der „Gorch Fock“ gebaut. Der vorherige Auftragnehmer, die Elsflether Werft, hatte Insolvenz anmelden müssen *. In ihre Regie fielen die enormen Kostensprünge, die den Preis für die Generalüberholung von geplant 10 Millionen Euro auf 135 Millionen Euro hochgetrieben haben.

Die Staatsanwaltschaft Osnabrück ermittelt nach wie vor, wo die Millionenbeträge geblieben sind. Im Fokus sind Beteiligte des damaligen Generalunternehmers Elsflether Werft. Die Bremerhavener Bredo-Werft arbeitete als Subunternehmer und versuchte noch, von der Marine 10,5 Millionen Euro für Arbeit und Material zurückzubekommen. Das Landgericht Bremen wies die Klage ab. Im Herbst 2019 hatte die Lürssen-Werft die insolvente Elsflether Werft übernommen und dann auch die Sanierung des Schiffes.

Klage von Umweltschützern: Wurde illegales Tropenholz für die Sanierung der Gorch Fock verwendet?

Doch es gibt nach wie vor negative Stimmen: Aktuell klagen Umweltschützer:innen, weil bei der Sanierung angeblich illegal geschlagenes und eingeführtes Tropenholz * verwendet wurde.

Das Kostendebakel bei der „Gorch Fock“ ist für viele zu einem Sinnbild für leichtfertigen Umgang mit Steuergeldern geworden. Das will die Marine jetzt überwinden. In Feierstimmung ist sie allerdings offenbar noch nicht. Man wolle erst mal abwarten, so ein Sprecher, bis das Schiff am 30. September offiziell übergeben ist.

Die Marine bildet auf der „Gorch Fock“ ihren Offiziersnachwuchs in seemännischem Handwerk aus. Die Sanierung hatte im Dezember 2015 begonnen. Nach fast sechs Jahren soll das Schiff am 4. Oktober in seinen Heimathafen Kiel zurückkehren. (mit Material der dpa) * Kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Jörn Hüneke

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