Gewaltbereitschaft nimmt zu

Seehofer warnt vor Radikalisierung von „Querdenkern“ – „Gruppe immer brutaler“

Nach dem tödlichen Vorfall in Idar-Oberstein erheben sich zunehmend besorgte Stimmen zu der Querdenker-Bewegung. Seehofer warnt nun vor Radikalisierung.

Idar-Oberstein – Am Samstag vergangener Woche ist ein 20-jähriger Student in einer Tankstelle in Idar-Oberstein hinter der Kasse von einem sogenannten „Querdenker“ erschossen worden*. Angaben der Ermittler zufolge hatte der junge Mann den 49-jährigen Tatverdächtigen zuvor auf die Einhaltung der Maskenpflicht hingewiesen. Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) warnt jetzt vor einer Radikalisierung der „Querdenker“-Bewegung in Deutschland.

Bundesminister des Innern, für Bau und Heimat der Bundesrepublik Deutschland:Horst Seehofer
Geboren:4. Juli 1949 (Alter: 72 Jahre) in Ingolstadt
Ehepartnerin:Karin Seehofer (verh. 1985)
Partei:Christlich-Soziale Union in Bayern

Der schreckliche Vorfall in Idar-Oberstein hat deutschlandweit für Aufruhr gesorgt. Der Angeklagte befindet sich in Untersuchungshaft, als Motiv habe er laut zuständigem Oberstaatsanwalt angegeben, dass ihn die Situation rund um die Pandemie stark belaste und er die Corona-Maßnahmen* ablehne.

Der 49-jährige Deutsche habe sich in die Ecke gedrängt gefühlt und „keinen anderen Ausweg gesehen“, als ein Zeichen zu setzen. Außerdem schien ihm das junge Opfer „verantwortlich für die Gesamtsituation, da es die Regeln durchgesetzt habe“, berichtet die Frankfurter Allgemeine Zeitung.

Seehofer warnt vor Radikalisierung von Querdenkern und Corona-Leugnern

Nun beobachten Politiker wie Horst Seehofer und Sicherheitsbehörden mehrerer Bundesländer die zunehmende Radikalisierung und Gewaltbereitschaft der sogenannten Querdenker*-Bewegung mit Sorge. „Die politisch motivierte Gewalt in Deutschland durch Querdenker ist gefährlich für unser Land“, äußert Innenminister Seehofer gegenüber der Bild am Sonntag.

„Die Gruppe der Querdenker wird zwar immer kleiner, aber leider auch immer radikaler und brutaler. Sie können unser Land zersetzen, wenn der Rechtsstaat sie nicht mit allen Mitteln bekämpft“, fährt der bayrische Politiker fort. Aus dem Grund fordert Seehofer für Täter und auch deren Unterstützer harte Strafen.

Seehofer warnt vor einer zunehmenden Radikalisierung von „Querdenkern“. (Symbolbild)

Auf sozialen Netzwerken wie Telegram wurde Tankstellen-Tat in Idar-Oberstein begeistert kommentiert

Denn auf sozialen Netzwerken wie Twitter oder Telegram wurde der mutmaßliche Mord bereits begeistert kommentiert. In einem Telegram-Kanal mit über 16.000 Followern hieß es: „Jetzt geht es los !!!“. Die Plattform arbeitet nicht mit Ermittlungsbehörden zusammen, aus dem Grund werden derartige Kommentare nicht eingeordnet oder gekennzeichnet. Das soziale Netzwerk „Facebook“ hingegen hat diesen September 150 Gruppen und Konten von Querdenkern gelöscht*.

In anderen Kanälen von Telegram wurde schon die Verschwörungstheorie aufgebaut, dass die Bundesregierung hinter dem Angriff stecke, um Stimmung gegen Kritiker der Corona-Maßnahmen zu machen, berichtet die Frankfurter Allgemeine Zeitung. In einem Zug bei Bad Kreuznach soll eine Maskenverweigerin eine Mitfahrerin in Anspielung auf den Vorfall in Idar-Oberstein sogar bereits bedroht* haben, so RP Online.

Innenministerien der Bundesländer sorgen sich vor Radikalisierung von Querdenkern

Sicherheitsbehörden mehrerer Bundesländer beäugen die Geschehnisse und das Gefahrenpotenzial, das von „Querdenkern“ und Corona-Leugnern ausgeht, besorgt: Eine Anfrage der Funke Mediengruppe an alle 16 Innenministerien hat ergeben, dass Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen vor einer Radikalisierung der Anti-Corona-Proteste warnen. Nena hat aus Protest gegen die Corona-Maßnahmen übrigens ihre Tour 2022* abgesagt.

Niedersachsen berichtet laut Umfrage sogar von „Forderungen nach einem Regierungssturz“ in der Szene. Einzelne Innenbehörden wie Brandenburg und Rheinland-Pfalz sehen eine wachsende Gewaltbereitschaft unter den Corona-Leugnern. Nordrhein-Westfalen mutmaßt, dass sich die Bewegung ein „neues Vehikel“ suchen werde, da diese wegen der fortschreitenden Impfkampagne und der sich langsam entspannenden Corona-Situation an Zuspruch verliere.

Radikalisierung von Querdenkern und Corona-Leugnern: „Wir erleben eine Verrohung“

Das zeichnet sich bereits seit der Flutkatastrophe im Juli ab, als Querdenker und Rechtsextremisten sich als fürsorgliche Helfer ausgaben*. Laut Vorabbericht der Funke Mediengruppe stellten die Innenministerien jedoch klar, dass sich in den Versammlungen gegen Corona-Auflagen auch nicht-radikale Menschen befinden.

Mehrere Oberbürgermeister warnen ebenso vor einer zunehmenden Radikalisierung in der Gesellschaft: „Wir erleben eine Verrohung, wie wir sie bisher nicht kannten“, so der Oberbürgermeister von Leipzig, Burkhard Jung (SPD), gegenüber dem Tagesspiegel. Dies habe bereits 2015 mit der Flüchtlingsdebatte begonnen und sich in der Pandemie fortgesetzt – von Reichsbürgern bis hin zu Corona-Leugnern.

Verfassungsschutzpräsident hat eine Woche vor Tankstellen-Tat Warnung ausgesprochen

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Verfassungsschutzpräsident Thomas Haldenwang hatte etwa eine Woche vor der Tat in Idar-Oberstein bereits eine Warnung ausgesprochen, berichtet die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Im Fernsehen sprach er von einer gestiegenen Radikalität in der „Querdenker“-Szene.

Als Beispiel nannte er dabei Gewalt gegen Journalisten und schloss an: „Wenn sich die Gewaltspirale weiter so dreht, würde ich nicht ausschließen, dass solche Gewalt irgendwann tödlich endet.“ * 24hamburg.de, kreiszeitung.de, fr.de und Merkur.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Christophe Gateau/dpa

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