Schwimmende Ritterburg bald ohne Ketten

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Die schwimmende Ritterburg darf bald ihre Leinen vom Hafen lösen.

Wilhelmshaven - Der gefangene Ritter ist bald frei: Die seit Juni an der Kette liegende „schwimmende Ritterburg“ darf Wilhelmshaven endlich wieder in Richtung Niederlanden verlassen.

Die Wasserschutzpolizei hatte das Museumsschiff „Vlotburg“ mit seiner skurrilen Mittelalter-Ausstellung und einer gruseligen Folterkammer festgesetzt. Gründe waren schwere Mängel bei der Sicherheitsausrüstung und wegen fehlende Schiffspapiere. Doch jetzt scheint einer Heimfahrt des niederländischen Besitzers Lenny Vries nach Delfzijl nicht mehr viel entgegen zu stehen - vorausgesetzt, das Wetter ist milde und letzte Auflagen sind erfüllt.

Es fehlen noch ein paar Kleinigkeiten, dann darf er fahren“, sagt Erk Krüger vom Referat Recht bei der Seeberufsgenossenschaft (SBG) in Hamburg. Gültige Seekarten, ein Satellitennavigationsgerät und Blenden gegen Wellenschlag vor den Fenstern - das alles sei notwendig für eine sichere Rückfahrt über die Nordsee. Auch muss ein richtiger Kapitän an Bord sein. „Und der Wetterbericht darf nicht mehr als drei Windstärken und mäßigen Wellengang ankündigen“, fügt Krüger hinzu. Lenny Vries versteht das Verhalten der deutschen Behörden nicht. Wenn er richtig in Fahrt gerät, spricht er von „Willkür und Schikane“: „In Holland und auch auf dem Rhein in Deutschland bin ich immer gut klar gekommen.“

Lenny Vries  mit seinen beiden Pferden auf der Ritterburg.

Doch die Rechtslage ist verworren: Als Hafenstaat wollen die deutschen Behörden alle Auflagen erfüllt sehen, damit es nicht auf See zu einem Unglück kommt. Daher wurde die „Vlotburg“ festgesetzt, musste einen Stabilitätstest erfüllen und bei der Sicherheit nachrüsten. Allerdings darf das 50 Meter lange ehemalige Frachtschiff nur auf Binnengewässern und nahe der niederländischen Küste fahren. Erschwerend kommt hinzu: Das Schiff ist als private Jacht zugelassen, wurde aber gewerblich genutzt, weil Lenny Vries von seinen Museumsbesuchern Eintritt kassiert. Für eine kommerzielle Nutzung auf See fehlten Nachweise über Sicherheitseinrichtungen wie eine Rettungsinsel und die Funkanlage.

„Eigentlich hätte der Besitzer Dokumente für ein Berufsschiff benötigt“, sagt SBG-Experte Krüger. Für eine Ausnahmegenehmigung zur Rückfahrt seien niederländische Papiere nötig. Die dortigen Behörden hätten sich aber nicht sehr hilfreich verhalten, sagt er. „Obwohl auch die Botschaft und das Bundesverkehrsministerium eingeschaltet war.“ Krüger: „Es ist, als ob jemand mit einem Auto ohne Papiere aus Afrika kommt und hier fahren will.“ Nun wird das juristische Problem gelöst, indem die Festsetzung kurzerhand aufgehoben wird - bei gutem Wetter.

Noch ungelöst ist die Frage, was mit den beiden Pferden auf dem Schiff passiert. Oben auf dem Deck vertreten sich der 700 Kilogramm schwere Friesenwallach „Wotan“ und das Minipferd „Herkules“ die Beine. Tierschützer möchten sie nicht an Bord sehen, wenn das Museumsschiff bei Wellen zu Schaukeln beginnt.

Seit 2006 ist die „Vlotburg“ unterwegs und besucht Hafenstädte. Die Besucher staunen über Foltergeräte wie Streckbank und Nagelstuhl, Rüstungen, Kostüme, Schwerter, ausgestopfte Vögel und Ratten. Die meisten Gegenstände hat Vries selbst gebaut. „Ich habe mir damit einen Jugendtraum erfüllt. Ich bin ein Rebell, ein Ritter.“ Die deutschen Behörden möchten ihn jedoch so schnell nicht wiedersehen - zumindest nicht, wenn er auf dem Seeweg kommt.

Von Hans-Christian Wöste, dpa

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