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Schwimmende Hotels: Meyer-Werft erweitert Geschäftsfeld um Immobilien

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Von: Johannes Nuß

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Traditioneller Schiffbau bleibt, aber es kommen schwimmende Immobilien. Mit seinem finnischen Partner will die Meyer-Werft aus Papenburg ein neues Geschäftsfeld erobern.

Papenburg – Während die MV Werften so gut wie Geschichte sind, bäumt sich in der coronabedingten Krise im Kreuzfahrtschiffbau die Meyer-Werft in Papenburg (Landkreis Emsland) in Niedersachsen auf. Ein neues Geschäftsfeld soll erschlossen werden, um in der Krise weiterzubestehen. Die Chancen stehen gut. Dazu will man auf schwimmende Immobilien setzen. Erst im September hatte man in Papenburg bekanntgegeben, dass die Meyer-Werft demnächst auch ins Segment der Mega-Luxusyachten einsteigen wird.

Denn, Floating Homes (zu Deutsch: schwimmende Wohnhäuser) werden seit einiger Zeit immer beliebter. Früher das klassische Hausboot, entwickeln sich die Objekte immer weiter. Nicht nur schwimmende Wohnhäuser entstehen inzwischen, jetzt sollen durch die Meyer-Werft ganze schwimmende Hotelanlagen und auch Villen gebaut werden. Erst vor knapp einem Monat war in Papenburg das Kreuzfahrtschiff „Disney Wish“ ausgedockt worden.

Meyer-Werft in Papenburg: Schwimmende Hotels und Villen ergänzen den Schiffbau in Niedersachsen

227 Jahre Meyer-Werft in Papenburg, die stehen für traditionellen Schiffbau. Dem will man in Niedersachsen zwar auch zukünftig treu bleiben, aber in Krisenzeiten wird man erfinderisch. Wer demnächst einen schwimmenden Hotelbau oder eine Villa über die Ems fahren sieht oder eine Feuerwehrwache auf Pontons über die Ostsee, der darf sich nicht wundern. Die Meyer-Werft erweitert ihr Portfolio und setzt auf „Floating Real Estate“, also schwimmende Immobilien.

„Es gibt dafür einen Markt, und es ist hoch spannend“, sagte Geschäftsführer und Seniorchef Bernard Meyer. „Wir reden nicht über Hausboote, sondern über richtig große Einheiten.“

Schwimmendes Boutique Hotel.
Ganz schwimmende Immobilien, wie dieses geplante schwimmende Boutique Hotel, sollen demnächst durch die Meyer-Werft in Papenburg in Zusammenarbeit mit einem finnischen Partner entstehen. © Meyer-Werft

Um das Projekt anzugehen, hat Meyer einen Partner gesucht und im finnischen Turku gefunden, wo Meyer selbst eine Werft hat. Zusammen mit dem Unternehmen Admares Marine (Turku) gründete die Meyer Gruppe ein Joint-Venture, das unter dem neuen Namen Meyer Floating Solutions firmiert. Die Papenburger halten die knappe Mehrheit an der Gesellschaft. Noch ist die Truppe mit einem Kernteam von 20 Mitarbeitern überschaubar.

Meyer-Werft in Papenburg: 227 Jahre Erfahrung im Bau komplexer und schlüsselfertiger Einheiten

Aber Meyer hat 7000 Mitarbeiter, darunter 1000 Ingenieure und viel Erfahrung im Bau komplexer, schlüsselfertiger und versorgungsautarker Einheiten. Nichts anderes ist ein Kreuzfahrtschiff. Und mit der Projektentwicklungsgruppe Admares Marine holte sich die Werft den nach eigenen Angaben Weltmarktführer im Segment „Floating Real Estate“ an Bord. Admares baute unter anderem in Dubai den künstlichen Strand für das Luxushotel Burj Al Arab.

Der auch für Forschung und Entwicklung zuständige Meyer-Geschäftsführer, Thomas Weigend, sieht das Potenzial vor allem in großen Städten am Wasser und im Ausland. Hotels in der Karibik, Wohn- oder Bürohäuser in New York oder Rio, eine schwimmende Feuerwache in Rotterdam, Krankenhäuser oder Rechenzentren. „Das Spektrum ist breit“, sagte er. Das bevorzugte Material auf der Werft sei Stahl, nicht Stein und Zement. Grüner, Co2-freier Stahl sei im Kommen. „Und die Umstellung bei Stahl dürfte leichter sein als bei Zement“, so Weigend.

Schwimmende Hotels: Meyer-Werft reagiert auf coronabedingte schwierige Lage im Kreuzfahrtschiffbau

Mit der Produkterweiterung reagiert die Meyer Werft auch auf die coronabedingt schwierige Lage im Kreuzfahrtschiffbau. Die Folgen der Pandemie stürzten den größten deutschen Schiffbaubetrieb in die schlimmste Krise seiner Geschichte – erst im Sommer war bekanntgeworden, dass rund 450 Stellen bei der Meyer-Werft abgebaut werden sollen. Die Werft an der Ems ist spezialisiert auf die Serienfertigung gigantischer Kreuzfahrtschiffe, nur brauchen die Reedereien derzeit kaum neue Schiffe. Kreuzfahrten kommen erst langsam wieder in Gang.

Der Schiffbau werde das Kerngeschäft bleiben und auch im Kreuzschifffahrtbau werde man mittelfristig wieder auf Erfolgskurs kommen, ist Weigend überzeugt. Aber ein neues Geschäftsfeld wie die neue Floating-Sparte könnte auf derzeit nicht genutzte Kapazitäten in den Meyer-Werftenstandorten in Papenburg, Rostock und Turku zurückgreifen.

„Alle drei Standorte sind dafür geeignet“, so Senior-Chef Meyer. Für die ersten Aufträge sei man im Gespräch. Auf dem Weltmarkt seien kleine Projekte und auch Mega-Projekte, die von einem Volumen von 60 Millionen bis vier Milliarden Dollar reichen * kreiszeitung.de und merkur.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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