50 Prozent denken ans Aufgeben

Schweinebauern schlagen Alarm: Höfesterben in Niedersachsen befürchtet

Schweinehalter in Niedersachsen befürchten ein Höfesterben. Problem ist die wirtschaftliche Lage, hohe Auflagen und die Politik. Es plagen echte Zukunftsängste.

Damme – Die Schweinehalter in Niedersachsen und dem Rest von Deutschland bangen um die Zukunft ihrer Betriebe. Wie aus einer Umfrage der Interessengemeinschaft der Schweinehalter in Deutschland (ISN) hervorgeht, will rund die Hälfte der Betriebe in den kommenden zehn Jahren aussteigen und ihren Betrieb dauerhaft schließen oder verkaufen. Dies betrifft vor allen Dingen kleinere Betriebe. Von denen will sogar ein großer Teil kurzfristig aufgeben.

Bundesland in Deutschland:Niedersachsen
Fläche:47.614 km²
Einwohner:7,982 Millionen (2019)
Hauptstadt:Hannover

Wie es heißt, wurden im Zeitraum zwischen Juli und August dieses Jahres 1048 Sauenhalter und Mäster befragt. Die meisten Betriebe stammen dabei aus Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Aus Süddeutschland wurden lediglich rund 160 Schweinehalter befragt.

Höfesterben in Niedersachsen befürchtet: Rund 50 Prozent der Sauenhalter und -mäster denken ans Aufgeben

Wie aus der Umfrage hervorgeht, wollen rund 60 Prozent der Sauen- und Schweinehalter sowie etwa 40 Prozent der Mäster in den kommenden zehn Jahren ihre Jobs an den Nagel hängen. Aber: Bereits jeder sechste der befragten Betriebe hat entweder schon konkrete Pläne für den Ausstieg oder er stehe in den nächsten beiden Jahren bevor. In Süddeutschland sind die Zahlen noch krasser: Hier denken bereits 70 Prozent der Schweinehalter und 55 Prozent der Mäster daran, innerhalb der nächsten zehn Jahre aufzugeben.

Allerdings, und das verwundert, seien trotz der aktuell schwierigen wirtschaftlichen Lage nicht die niedrigen Erzeugerpreise für Schweinefleisch die häufigste Ursache für die Betriebsaufgabe. Wie Heinrich Dierkes, Vorsitzender der ISN, sagte, wollen viele Bauern aufgrund einer fehlenden Perspektive aussteigen. Auch ein fehlender Rückhalt aus der Politik sei ein wesentlicher Aspekt.

Aber auch Schnäppchenangebote für Schnitzel, Wurst oder Hack in Supermärkten sei ein Problem für die Landwirte. Für die Landwirte ist das Geschäft mit Schweinefleisch gerade schwer frustrierend.

Rund die Hälfte aller Betriebe der Sauenhalter und -mäster denken daran, in den kommenden zehn Jahren ihren Job an den Nagel zu hängen. (Symbolbild)

Auch Agrarökonom Josef Efken vom bundeseigenen Thünen-Institut in Braunschweig rechnet mit einem bereits im kommenden Jahr spürbaren Strukturwandel bei der Fleischerzeugung in Deutschland. „Alle Zeichen deuten darauf hin, dass es in den kommenden Jahren zu einem deutlichen Rückgang der Erzeugung kommt“, sagte Efken.

Höfesterben in Niedersachsen: Experten erwarten 2022 5 bis 8 Prozent weniger Schweinefleisch

Experten rechnen demzufolge schon 2022 mit einem Rückgang von 5 bis 8 Prozent bei der Erzeugung von Schweinefleisch, weil viele Betriebe aufgeben. Das habe Auswirkungen auf die Schlachthöfe: Kleinere Betriebe oder Betriebsteile dürften schließen. Große Betriebe, wie Tönnies im westfälischen Rheda-Wiedenbrück, stünden hingegen nicht auf der Kippe.

Andererseits könnte in der Krise auch eine Chance liegen, wenn nämlich die Landwirte mit der Erzeugung hochwertigerer Produkte künftig stärker auf Tierwohl setzen als es in der derzeitigen Massentierhaltung möglich sei. Andererseits bestehe aber auch die Möglichkeit, dass die Branche in dem jetzigen Kostenkorsett steckenbleibe und sich weiterhin dem internationalen Wettbewerb stellen müsse. „Es ist wirklich unklar, wohin die Richtung geht“, sagte Efken.

Folgen für die gesamte Wirtschaft überschaubar – Entwicklung laut Experten unvorhersehbar

Für die gesamte Wirtschaft seien die Folgen des Strukturwandels in der Landwirtschaft allerdings überschaubar, sagte Efken. In einer noch laufenden Studie untersucht das Thünen-Institut unter anderem die drei Landkreise Emsland, Cloppenburg und Vechta – diese Region gehört zu den Hochburgen der deutschen Tierhaltung.

Weil sich in der Region auch andere Wachstumsbranchen befinden, könnte der Arbeitsmarkt demnach auch im Falle eines deutlichen Rückgangs der Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe weiter wachsen. Das Wachstum würde jedoch geringer ausfallen, sagte Efken. (mit dpa-Material) * kreiszeitung.de und merkur.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Holger Hollemann/dpa

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