17-Jähriger aus Niedersachsen

Schüler erhält für Obdachlosen-Projekt ein 500.000-Dollar-Stipendium

Mit eigenem Schaukasten im „Cato“: Diler Salim.
+
Mit eigenem Schaukasten im „Cato“: Diler Salim.

Für sein soziales Projekt, mit dem Obdachlose in die Gesellschaft zurückfinden sollen, hat ein 17-Jähriger aus Niedersachsen ein „Stipendium fürs ganze Leben“ erhalten.

Update vom 12. Dezember um 8:30 Uhr: Achim – Auch mal tolle Nachrichten in Zeiten der Corona-Hiobsbotschaften und möglicherweise bald 2G für Jugendliche. Während Niedersachsen mit der Corona-Krise zu kämpfen und, um dieser Herr zu werden, gerade erst eine neue Corona-Verordnung verabschiedet hat, können gute Nachrichten in Zeiten von Corona-Warnstufe 3 um die Weihnachtszeit gar nicht genug kommen. Denn als einer von weltweit 100 Jugendlichen hat Diler Salim aus Achim ein Stipendium aus den USA erhalten, das ihn sein Leben lang fördert.

17-Jähriger aus Niedersachsen erhält lebenslanges Rise-Stipendium – maximale Förderung bis 500.000 Dollar

Mit dem Geld – maximal 500 000 US-Dollar – möchte sich der 17-Jährige unter anderem für den Erhalt des Jesidentums einsetzen. Er ist selbst Jeside und floh im Alter von acht Jahren mit seiner Familie aus dem Irak nach Deutschland. Das Bewerbungsverfahren sei durchaus herausfordernd gewesen, sagte er der Deutschen Presse-Agentur: „Man muss Leidenschaft, Brillanz, aber auch Ehrfurcht und Respekt zeigen.“ Letztendlich habe er das Stipendium vor allem dank seines großen Ehrgeizes erhalten. Und das trotz Rätseln bei der Kontrolle von 2G im Einzelhandel oder dem verwirrenden Regelwerk in der Corona-Verordnung in Niedersachsen. Diler Salim geht weiter seinen Weg, während mit 2G im Einzelhandel nun Ungeimpfte außen vor sind.

Begehrtes Stipendium von Rise: 17-Jähriger aus Niedersachsen unter zehntausenden Bewerbern ausgewählt

Außen vor ist der 17-jährige Achimer keineswegs. Denn während Schulen und Kitas in Niedersachsen neue Corona-Regeln umsetzen müssen, wurde der niedersächsische Schüler Salim unter zehntausenden junge Menschen zwischen 15 und 17 Jahren aus mehr als 170 Ländern ausgewählt. Sie alle hatten sich für das Förderprogramm Rise beworben hatten, sagte ein Sprecher der Deutschlandstiftung Integration, die in Deutschland Rise vertritt. Das Programm wird durch eine private Stiftung des ehemaligen Google-Chefs Eric Schmidt und seiner Frau Wendy Schmidt sowie dem Rhodes Trust Stipendium der Universität Oxford finanziert. Salim gehört zum ersten Jahrgang.

Jeder der Stipendiaten könne auf eine Förderung im Wert von bis zu einer halben Million Dollar zurückgreifen, sagte ein Sprecher. Unterstützt werde etwa der Aufbau eines Unternehmens. Im Vordergrund stehe jedoch gesellschaftliches Engagement. Für den zweiten Rise-Jahrgang können sich Jugendliche zwischen 15 und 17 Jahren noch bis zum 22. Dezember bewerben.

Hütten aus Stahl: Achimer entwickelt „Lebensgrundlage“ für Obdachlose – 17-Jähriger erhält begehrtes Stipendium von Rise

Erstmeldung 9. November um 19:11 Uhr: Achim – Diler Salim macht weiter Furore. Der aus dem Irak stammende Schüler des Cato-Bontjes-van-Beek-Gymnasiums, der mit seiner sozialen Ader bereits 2019 ein Stipendium der Start-Stiftung erhalten hatte, zählt nun zu den hundert ersten weltweiten Gewinnerinnen und Gewinnern von Rise. Die globale Initiative fördert junge Engagierte ein Leben lang.

Mit seiner Projektidee „Home“ zur Reintegration von Obdachlosen habe Salim bewiesen, wie kreativ gesellschaftlichen Herausforderungen begegnet werden könne, heißt es in einer Pressemitteilung der Start-Stiftung.

„Ich bin aus über 50.000 Bewerbungen ausgewählt worden“, staunt der 17-jährige Achimer. Neben Salim gehört aus Deutschland lediglich noch eine junge Frau aus Baden-Württemberg zum Hunderter-Club, der mit hohem finanziellen Aufwand breit gefördert wird. Die übrigen 15- bis 17-Jährigen „des ersten Rise-Jahrgangs, der den Grundstein einer globalen Gemeinschaft von aufstrebenden Führungskräften legen soll“, kommen aus 41 weiteren Ländern.

„Home“-Idee als „existenzielle Lebensgrundlage“ für Obdachlose

Hinter der „Home“-Idee von Diler Salim verbirgt sich „eine Hütte aus Stahl, fünf bis sieben Quadratmeter groß, ausgestattet mit Bett, Regal und Wasserkanister als existenzielle Lebensgrundlage“ für Obdachlose. Sanitäre Anlagen stünden in einer Gemeinschaftseinrichtung zur Verfügung. „Individuelle Betreuer“ kümmerten sich um die Hüttendorfbewohner. „Das alles könnte über soziale Start-ups und Spenden finanziert werden“, sagt der Gymnasiast, der am „Cato“ die elfte Klasse besucht.

Fast im selben Atemzug nimmt Salim aber von seiner Idee auch schon wieder Abstand. Unter dem Titel „Little Home“ habe ein Aktivist aus Köln schon Ähnliches probiert. Die dort und anderswo selbstgebauten Holzhütten seien allerdings beschädigt, angesprayt und zum Teil sogar abgefackelt worden. Der Initiator habe unter diesem Vandalismus, aber auch unter persönlichen Anfeindungen zu leiden gehabt.

Darüber hinaus führt Salim eigene negative Erfahrungen in Sachen „Home“ ins Feld. Einen geeigneten Platz auf öffentlichem oder privaten Grund für die Hütten zu finden, nennt er als „Hauptproblem“. Ein entsprechender Vorstoß bei der Stadt Achim sei dort „wenig begeistert aufgenommen“ worden.

Viel Aufwand für Projektidee: „Habe nächtelang daran gearbeitet“

Dabei hatte sich Diler Salim für seine Projektidee mächtig ins Zeug gelegt und „sehr viel Energie und Zeit“ reingesteckt. „Ich habe nächtelang daran gearbeitet.“ Er sei froh darüber und dankbar dafür, dass ihm mehrere Personen bei dem Vorhaben unter die Arme gegriffen hätten. „Mein Freund Takudzwa Samuriwo hat mich am meisten unterstützt.“ Aber auch Mehmet Ates, Sozialarbeiter im Bürgerzentrum an der Magdeburger Straße, sei „sehr hilfreich“ gewesen. Das Gleiche gelte für „Cato“-Leiter Dr. Stefan Krolle, der ein Referenzschreiben für ihn an Rise geschickt habe „und mir Tipps für die Rhetorik gegeben hat“. Denn Salim musste sich natürlich für das Förderprogramm bewerben. „Mein leidenschaftlicher Vortrag ist dabei wohl auch honoriert worden.“

Doch sein Ansinnen, mit Hilfe von Stahlhütten in Achim und andernorts Wohnungslosen ein Dach über dem Kopf zu geben, wird er wohl nicht in die Tat umsetzen. Diler Salim, der mit seinen Eltern und sechs Geschwistern seit 2012 in Achim lebt, schwebt nun vor, Glaubensbrüdern in seiner alten Heimat Gutes zu tun. „Ich will jetzt eher verfolgte jesidische Gemeinschaften im Nordirak unterstützen“, erzählt er. In welcher Form, sei noch offen. „Aber wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.“

Förderpaket umfasst Mentoring, Karriereförderung und globales Netzwerk

Trotz dieses „Umswitchens“ hofft Salim, dass er das „Rise-Stipendium fürs ganze Leben“ behalten darf. Eine halbe Million Euro stelle die Initiative für jeden Ausgewählten bereit, „und für vier Jahre werden auch die Studiengebühren an jeder Uni der Welt erlassen“. Zum Förderpaket zählten unter anderem Mentoring, Karriereförderung und ein globales Netzwerk, weiß der Oberstufenschüler, der gerade ein zweiwöchiges Praktikum bei einem Rechtsanwalt absolviert und nach dem Abitur Jura mit dem Schwerpunkt Pharmazie studieren möchte.

Das Wichtigste aus dem Landkreis Verden: Immer samstags um 7:30 Uhr in Ihr Mail-Postfach – jetzt kostenlos anmelden.

Seine Möglichkeiten schon jetzt gewinnbringend für die Allgemeinheit einzusetzen, sei ihm wichtig. „Die Förderung durch Rise ist eine große Verantwortung für mich, die ich sehr zu schätzen weiß, und mit der ich gerne einiges in Gang setzen möchte“, betont Diler Salim, der natürlich auch stolz darauf ist, zu einem weltweit kleinen Kreis zu zählen, der es in die Top 100 geschafft hat. „Es ist unglaublich zu wissen, dass ich dazu gehöre.“ * kreiszeitung.de ist Angebote von IPPEN.MEDIA.

++ Dieser Artikel wurde am 12. Dezember 2021 um 9:05 Uhr aktualisiert ++

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Meistgelesene Artikel

Leben auf dem Kreuzfahrtschiff MV Narrative statt im Penthouse

Leben auf dem Kreuzfahrtschiff MV Narrative statt im Penthouse

Leben auf dem Kreuzfahrtschiff MV Narrative statt im Penthouse
Günstig tanken: Polen lockt seit Januar 2022 mit 1,25 Euro pro Liter

Günstig tanken: Polen lockt seit Januar 2022 mit 1,25 Euro pro Liter

Günstig tanken: Polen lockt seit Januar 2022 mit 1,25 Euro pro Liter
Corona-Verordnung in Niedersachsen: Neue Corona-Regeln ab Februar durchgesickert

Corona-Verordnung in Niedersachsen: Neue Corona-Regeln ab Februar durchgesickert

Corona-Verordnung in Niedersachsen: Neue Corona-Regeln ab Februar durchgesickert
Wetterdienst warnt vor Sturmflut: Hier bläst Orkan Nadia am stärksten

Wetterdienst warnt vor Sturmflut: Hier bläst Orkan Nadia am stärksten

Wetterdienst warnt vor Sturmflut: Hier bläst Orkan Nadia am stärksten

Kommentare