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Schröders Friedensmission „ein Trauerspiel“: Ukraine-Botschafter rechnet ab

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Von: Marius Epp

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Altkanzler Gerhard Schröder reiste als diplomatischer Vermittler im Ukraine-Krieg nach Moskau. Besonders viel erwirkt hat er scheinbar nicht.

Moskau - Die Hoffnungen ruhen auf Gerhard Schröder - das wäre zu viel gesagt. Experten räumten dem diplomatischen Alleingang des Altkanzlers nicht viele Chancen auf Erfolge ein. Der ukrainische Botschafter in Deutschland erklärte die Mission nun für gescheitert.

„Die Sache ist für uns endgültig erledigt“, sagte Andrij Melnyk der Deutschen Presse-Agentur. „Für die Ukraine machen weitere Gespräche Schröders gar keinen Sinn. Die Ergebnisse waren absolut nutzlos. Es wurde nichts berichtet, was wir nicht schon aus unseren eigenen Gesprächen mit der russischen Seite gewusst hätten“, stellte er klar.

Gerhard Schröder sprach mit Putin - Ukraine-Botschafter spricht von „Trauerspiel“

Schröder hatte offenbar einen ukrainischen Mittelsmann über den Verlauf der Gespräche informiert. Melnyk bezeichnete es als „sehr schade, dass diese Chance vergeudet wurde“ und sprach von einem „Trauerspiel“. Schröder war eigenmächtig nach Moskau gereist, um mit Wladimir Putin zu sprechen. Aufgrund seines engen Drahtes zum russischen Präsidenten gab es laut Melnyk „eine gewisse Hoffnung“, er könne etwas bewirken. „Sonst hätte ihm keiner in der Ukraine Gehör geschenkt.“

Gerhard Schröder (r.) und Wladimir Putin pflegen ein vertrauensvolles Verhältnis. Auf dem Bild ein Treffen aus dem Jahr 2018.
Gerhard Schröder (r.) und Wladimir Putin pflegen ein vertrauensvolles Verhältnis. Auf dem Bild ein Treffen aus dem Jahr 2018. © Alexei Druzhinin/dpa

Nach wie vor hat sich der Altkanzler nicht vom Kremlchef und dessen Angriffskrieg gegen die Ukraine distanziert. Auch seine Ämter als Lobbyist in den russischen Staatskonzernen hat er bislang nicht abgegeben - und denkt wohl auch nicht daran. Am Dienstag erklärte er in einem Schreiben, seine Ehrenbürgerwürde der Stadt Hannover unwiderruflich zurückzugeben. Damit kam er dem drohenden Entzug zuvor.

Ukraine-Krieg: Gerhard Schröder versucht sich als Vermittler

Ob und wann sich Schröder noch selbst zu seinem Gespräch mit Putin äußert, ist offen. SPD-Chef Lars Klingbeil sagte am Dienstag bei „ntv“ zur Reise des Altkanzlers: „Ich persönlich, und soweit ich das sehe auch das Bundeskanzleramt, wir haben keine Informationen, was bei diesem Besuch rausgekommen ist. Er wird sich sicherlich erklären, weil es natürlich auch ein Interesse in der deutschen Öffentlichkeit gibt, was der Altkanzler dort macht.“

Zuletzt sorgte der 77-Jährige mit skurrilen Auftritten an der Seite seiner Ehefrau So-yeon Schröder-Kim in den sozialen Medien für Aufsehen. Auf dem Instagram-Account seiner Gattin meldet er sich regelmäßig mit privaten Bildern und Videos. (epp)* kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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