Unheilvolle Stimmung

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Im andgericht Verden wurden die Ereignisse rekonstruiert.

Kirchweyhe - Der Schlägerei am Bahnhof Kirchweyhe (Landkreis Diepholz) am 10. März ging eine Auseinandersetzung mit mehreren Beteiligten voraus. Die Rekonstruktion der Ereignisse des Gerichts:

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Ein Motiv nennt das Gericht nicht: Schlichter mutiert zum Gewalttäter

Verteidigung geht in Revision

Etwa 30 junge Erwachsene fahren mit einem Bus in eine Discothek in Wildeshausen. Der Angeklagte Cihan A. (20) und seine beiden Begleiter Enis K. (21) und Coskun A. (24) stoßen erst kurzfristig zu der Gruppe. Die Drei kennen den Rest der Gruppe nur flüchtig.

Auf dem Rückweg provoziert Enis K. im hinteren Teil des Busses einen stark angetrunkenen Mitfahrenden. Auch Coskun A. mischt sich ein. Es kommt zu Handgreiflichkeiten zwischen den Parteien. Cihan A. ist an dieser Auseinandersetzung nicht beteiligt, im Gegenteil: Er gehört zu den Schlichtern des Konflikts.

Nach dem Streit sitzen Cihan A. und seine Begleiter vorne im Bus. Aus dem hinteren Teil hören sie zum Teil rassistische Beleidigungen. Aber auch sie pöbeln zurück. Es entwickelt sich eine unheilvolle Stimmung. In dieser angespannten Situation rufen beide Gruppen per Telefon Verstärkung zum Kirchweyher Bahnhof – offenbar in Erwartung einer Schlägerei. Cihan A. ruft zwei Brüder zur Hilfe: Tahir (24) und Shahid A. (22) – letzteren beschuldigt er später vor Gericht, Daniel S. die tödliche Verletzung zugefügt zu haben.

Am Bahnhof Kirchweyhe angekommen, steigt Cihan A. als einer der ersten aus. Er geht schnellen Schrittes zum Bahnhofsgebäude, legt seine Jacke ab und läuft zurück. „Komm her! Komm her, du Hund!“, schreit er über den Platz.

Daniel S. verlässt den Bus und geht in Richtung Heck. Auf Höhe des Radkastens kommt es zur Attacke. Mit einem Kung-Fu-Tritt trifft Cihan A. sein Opfer im Rücken. Daniel S. knallt mit dem Kopf gegen den Bus und fällt rücklings zu Boden. Dort tritt der verurteilte 21-Jährige mindestens ein weiteres Mal zu – zusammen mit mehreren anderen, bislang nicht bekannten Tätern. Die Ermittlungen gegen die Brüder A. stellte die Staatsanwaltschaft frühzeitig ein. guf

Urteil im Kirchweyhe-Prozess: Bilder aus dem Gericht

Nach einem fast sechsmonatigen Indizienprozess hat das Landgericht Verden einen 21-Jährigen wegen des gewaltsamen Todes eines jungen Mannes in Kirchweyhe zu fünf Jahren und neun Monaten Gefängnis verurteilt. Die Jugendstrafkammer sah es am Mittwoch als erwiesen an, dass der damals 20-Jährige sein Opfer nach der Rückkehr von einer Disco in dem Ort bei Bremen so heftig trat, dass der 25-Jährige wenige Tage später an einer Gehirnblutung starb. © Mediengruppe Kreiszeitung / Husmann
Nach einem fast sechsmonatigen Indizienprozess hat das Landgericht Verden einen 21-Jährigen wegen des gewaltsamen Todes eines jungen Mannes in Kirchweyhe zu fünf Jahren und neun Monaten Gefängnis verurteilt. Die Jugendstrafkammer sah es am Mittwoch als erwiesen an, dass der damals 20-Jährige sein Opfer nach der Rückkehr von einer Disco in dem Ort bei Bremen so heftig trat, dass der 25-Jährige wenige Tage später an einer Gehirnblutung starb. © Mediengruppe Kreiszeitung / Husmann
Nach einem fast sechsmonatigen Indizienprozess hat das Landgericht Verden einen 21-Jährigen wegen des gewaltsamen Todes eines jungen Mannes in Kirchweyhe zu fünf Jahren und neun Monaten Gefängnis verurteilt. Die Jugendstrafkammer sah es am Mittwoch als erwiesen an, dass der damals 20-Jährige sein Opfer nach der Rückkehr von einer Disco in dem Ort bei Bremen so heftig trat, dass der 25-Jährige wenige Tage später an einer Gehirnblutung starb. © Mediengruppe Kreiszeitung / Husmann
Nach einem fast sechsmonatigen Indizienprozess hat das Landgericht Verden einen 21-Jährigen wegen des gewaltsamen Todes eines jungen Mannes in Kirchweyhe zu fünf Jahren und neun Monaten Gefängnis verurteilt. Die Jugendstrafkammer sah es am Mittwoch als erwiesen an, dass der damals 20-Jährige sein Opfer nach der Rückkehr von einer Disco in dem Ort bei Bremen so heftig trat, dass der 25-Jährige wenige Tage später an einer Gehirnblutung starb. © Mediengruppe Kreiszeitung / Husmann
Nach einem fast sechsmonatigen Indizienprozess hat das Landgericht Verden einen 21-Jährigen wegen des gewaltsamen Todes eines jungen Mannes in Kirchweyhe zu fünf Jahren und neun Monaten Gefängnis verurteilt. Die Jugendstrafkammer sah es am Mittwoch als erwiesen an, dass der damals 20-Jährige sein Opfer nach der Rückkehr von einer Disco in dem Ort bei Bremen so heftig trat, dass der 25-Jährige wenige Tage später an einer Gehirnblutung starb. © Mediengruppe Kreiszeitung / Husmann
Nach einem fast sechsmonatigen Indizienprozess hat das Landgericht Verden einen 21-Jährigen wegen des gewaltsamen Todes eines jungen Mannes in Kirchweyhe zu fünf Jahren und neun Monaten Gefängnis verurteilt. Die Jugendstrafkammer sah es am Mittwoch als erwiesen an, dass der damals 20-Jährige sein Opfer nach der Rückkehr von einer Disco in dem Ort bei Bremen so heftig trat, dass der 25-Jährige wenige Tage später an einer Gehirnblutung starb. © Mediengruppe Kreiszeitung / Husmann
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Der Weg zum Richterspruch

Der Fall Kirchweyhe mit dem Tod von Daniel S. im März 2013 erschütterte die Region und sorgte bundesweit für Schlagzeilen. Die wichtigsten Daten:

• 10. März: Die Tat

Der damals 25-jährige Daniel S. wird am Bahnhof in Kirchweyhe (Landkreis Diepholz) durch Tritte lebensgefährlich verletzt. Zuvor war er mit einer Gruppe junger Leute in einem gemieteten Bus aus einer Diskothek zurückgekommen.

• 11. März: Haftbefehl

Ein Tatverdächtiger kommt in Haft. Die Polizei lässt fünf weitere wieder frei.

• 14. März: Daniel S. stirbt

Die Ärzte können nichts mehr tun. Daniel S. stirbt an den Folgen einer Verletzung im Halswirbelbereich. Das erklärt später Gerichtsmedizinerin Ute Lockemann. Als Todesursache stellt sie eine Einblutung ins Gehirns fest.

• 16. März: Demonstrationen

Tausende Menschen versammeln sich an mehreren Tagen in Kirchweyhe zu Kundgebungen. Sie unterbinden damit gleichzeitig Kundgebungen der rechten Szene, die die Tat für ausländerfeindliche Zwecke instrumentalisieren will.

• 10. September: Prozessbeginn

Die Staatsanwaltschaft erklärt am Landgericht Verden, bei der Tat handele es sich um Mord. Mit „menschenverachtender Vernichtungsbereitschaft“ habe Cihan A. sein Opfer attackiert. In den folgenden Wochen und Monaten sagen mehr als 60 Zeugen aus.

• 29. Januar: Wendepunkt

Der Vorsitzende Richter am Landgericht Verden, Joachim Grebe, gibt bekannt, dass der Mordvorwurf aus Sicht der Kammer nicht haltbar ist. Auch Totschlag schließt sie aus. Dem Angeklagten könne keine Tötungsabsicht nachgewiesen werden.

• 6. Februar: Anklage für Jugendstrafe

Die Staatsanwaltschaft fordert nach mehr als 30 Verhandlungstagen in ihrem Plädoyer sechs Jahre Jugendstrafe wegen Körperverletzung mit Todesfolge gegen den Angeklagten. Eine Tötungsabsicht sei nicht nachzuweisen. Wegen einer Entwicklungsverzögerung solle er nach Jugendstrafrecht verurteilt werden.

• 19. Februar: Anwälte fordern Freispruch

Die Verteidigung beantragt Freispruch. Ihrem Mandanten könnte keine Tathandlungen zugeordnet werden.

• 26. Februar: Das Urteil

Die Kammer verurteilt Cihan A. zu fünf Jahren und neun Monaten Jugendstrafe wegen Körperverletzung mit Todesfolge. Die Verteidigung legt Revision ein.

guf/dpa

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