Spenden-finanzierter Verein

„Schnüffelhelden“ aus dem Saarland: Hund hilft Hund

Für Hundebesitzer das größte Schreckensszenario: Von einem Moment auf den anderen verschwindet ihr geliebter Hund. Zum Glück gibt es die „Schnüffelhelden“.

Heusweiler – Wie die „HAZ“ im vergangenen Jahr berichtete, sind rund 456.000 Hunde in Niedersachsen gemeldet. Im Vergleich: 2017 waren es nur 306.000 Tiere, die das niedersächsische Hunderegister erfasste. Was den Hundebestand betrifft, hat Niedersachsen laut einer Studie aus dem Jahre 2018 längst einen Platz unter den Top-Fünf-Bundesländern eingenommen. Auch wenn die Auswertungen auf älteren Zahlen beruhen, legen sie dennoch den Verdacht nahe, der sich auch auf das Jahr 2021 projizieren lässt: Hunde fühlen sich in Niedersachsen besonders wohl.

Bundesland:Saarland
Fläche:2.570 km²
Bevölkerung:990.509 (2019)
Hauptstadt:Saarbrücken

Umso schlimmer ist es für das Herrchen, wenn sein vierbeiniger Freund, den er ins Herz geschlossen hat, auf einmal nicht mehr da ist. Das Haustierregister „Tasso“ vermeldete im ersten Halbjahr 2021 bereits rund 4500 vermisste Tiere. Damit sind zunächst nur die Bundesländer Saarland und Rheinland-Pfalz erfasst. Die Dunkelziffer der vermissten Hunde ist bundesweit hoch. Australian-Shepherd-Rüde Toni und seine vierbeinigen Freunde der „Schnüffelhelden“ könnten Hundehaltern nun Hoffnung spenden.

„Schnüffelhelden“: Saarländischer Verein bildet Hunde aus

Dass Hunde zur Personensuche oder zur Aufklärung von Kriminalfällen zurate gezogen werden, ist nichts Ungewöhnliches. Die vierbeinigen Freunde verfügen über einen gut ausgebildeten Geruchssinn, der es ihnen ermöglicht, selbst in den ausweglosesten Fällen an ihr Ziel zu gelangen. Auf diesem Wege spürten Hunde in Niedersachsen erst kürzlich Schweinepest-Opfer auf.

Auch „Schnüffelheld“ Toni konnte bereits Erfolge verbuchen. Doch seine Mission unterscheidet sich von den gewohnten Herausforderungen seiner Artgenossen. Seine Aufgabe besteht darin, vermisste Haustiere aufzuspüren. Seit 2018 sind die „Schnüffelhelden“ rund um Toni im Saarland und Rheinland-Pfalz in Alarmbereitschaft.

Rund 30 Mitglieder des saarländischen Vereins bilden ihn und die weiteren vierbeinigen Helfer zwei Jahre lang aus. Wie auch bei der Hundedolmetscherin aus dem niedersächsischen Stapel basiert die Ausbildung auf großes Vertrauen. Ähnlich wie das Hundetraining in Wildeshausen, das 700 Euro für Hochwasseropfer einbrachte, verfolgen die „Schnüffelhelden“ dabei einen gemeinnützigen Zweck: Sie wollen Hund und Mensch wieder zusammenbringen. Damit das gelingt, trifft sich der Verein, der ausschließlich durch Spenden finanziert wird, mitsamt seinen tierischen Helfern mindesten zweimal in der Woche.

Hund-Suche: „Schnüffeld“ Toni braucht nur eine Geruchsprobe

Auch an diesem Mittwoch besuchte stellvertretende Vereinsvorsitzende Corinna Speicher die „Schnüffehelden“. Nachdem die Hundebesitzerin Toni eine Geruchsprobe ihrer Hündin Juna gegeben hat, sucht sie nach einem guten Versteck für Juna. Die beiden lassen sich Zeit. Erst nach zehn Minuten beginnt Tonis Aufgabe.

Entschlossen macht er sich auf den Weg und läuft an sämtlichen Spaziergängern vorbei. Als er auf einmal Wald sieht, wusste er, dass das Ziel nicht mehr weit ist. Wenig später rast er auf einen Schuppen zu, wo bereits die Hundebesitzerin und Juna mit großer Vorfreude auf Toni warten. Die Generalprobe ist geglückt. Dass die Hunde-Rettung jedoch auch im Ernstfall klappt, berichtete kürzlich „Schnüffelhunde“-Presssprecher Giuseppe Alexandro Calabró.

„Schnüffelhelden“: Hund spüren vermisste Hunde auf.

„Schnüffelhelden“: Zwischen Happy End und Tragödie

Seine Besitzerin befand sich gerade im Krankenhaus, als ihr Pudel seine Pflegestelle verließ. „Die Dame war 80, und der Hund war alles, was sie noch hatte“, schildert Calabró. „Ihr die Botschaft zu überbringen, dass ihr Hund weg sei, wäre schlimm gewesen.“ Zum Glück gibt es die „Schnüffelhelden“: Noch am selben Tag war der Pudel in der Pflegestelle zurück.

Doch leider enden nicht alle Suchaktionen mit einem Happy End. In Lebach an der Prims konnten die helfenden Hunde nur noch Tod eines Chihuahuas feststellen. Der kleine Hund verirrte sich wenige Tage zuvor und erfror. Sein Besitzer brach in Tränen aus. „Wenn man das so sieht - das hat mich persönlich viel beschäftigt“, sagte Corinna Speicher.

„Schnüffelhelden“ versuchen vermissten Hund innerhalb von 48 Stunden zu finden

Wie Corinna Speicher der Deutschen Presse-Agentur erklärt, gibt es viele Gründe, warum Hunde weglaufen. Häufig hänge es jedoch damit zusammen, dass sich die Tiere erschrecken oder in unvorhersehbaren Momenten panisch werden. Für Hundebesitzer bricht eine Welt zusammen, wenn ihr geliebter Hund plötzlich fehlt.

Doch die Zeit rennt. Zufolge der stellvertretenden Vereinsvorsitzenden sei es wichtig, dass der vermisste Hund innerhalb von 48 Stunden seinen Weg zum Besitzer wiederfindet. „Oft versorgen sie sich dann irgendwie selbst, werden sehr scheu und erkennen danach nicht mal mehr ihre Besitzer“.

Saarlands Umweltministerium bedankt sich bei den „Schnüffelhelden“

Von 229 Hunden, die das Saarland im ersten Halbjahr 2021 als vermisst meldete, konnten 220 aufgespürt werden. Einen großen Anteil an dieser erfreulichen Quote haben nicht zuletzt die „Schnüffelhunde“. Wie emotional das Wiedersehen zwischen dem Haustier und Herrchen ist, zeigte vor Kurzem erst ein philippinischer Hundebesitzer, der überglücklich war seinen monatelang vermissten Hund wiedersehen zu können*.

Auch das saarländische Umweltministerium weiß um die Verdienste der vierbeinigen Helfer: „Als Hundebesitzer kann ich nur ahnen, wie schlimm es sein muss, den vierbeinigen Begleiter zu verlieren, nicht zu wissen, wo er ist, ob es ihm gut geht“, sagte Staatssekretär Sebastian Thul (SPD). Das treffende Fazit des SPD-Politikers: „Ohne die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer wäre es um den Tierschutz im Saarland schlecht bestellt“. *kreiszeitung.de und tz.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Oliver Dietze/dpa

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