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Schnelles Internet: Stadtbewohner klagen mehr als Landbewohner

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Von: Andree Wächter

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Weg mit dem Vorurteil, schnelles Internet gibts nur in der Stadt. Der ländliche Raum hat aufgeholt. Allgemein nimmt die Qualität laut Umfrage ab.

Hannover - Netflix, YouTube, Homeoffice, Online-Games oder die Pizza bestellen – und dies auch noch alles zeitgleich. Frust kommt auf, wenn das Bild im Stream oder der Videokonferenz hängt. Ohne schnelles Internet geht heute fast nichts mehr. Spätestens seit Corona wissen nicht nur Menschen im Homeoffice, wie wichtig stabiles und schnelles Internet ist. Eine Yougov-Umfrage hat herausgefunden: Mehr als ein Drittel der Menschen in Deutschland fühlt sich fast täglich durch Internetprobleme ausgebremst. In der Stadt wird mehr geklagt als auf dem Land.

Fiber To The Building/Home (FTTB/H) Hamburg71 Prozent der Haushalte
Schleswig-Holstein26,3 Prozent
Niedersachsen10,9 Prozent
Saarland2,6 Prozent (Stand 2019 / Quelle: BMVI)

In den vergangenen Jahren hat die Politik erkannt, dass schnelles Internet eine Voraussetzung für eine moderne Arbeitswelt ist. Mit diversen Förderprogrammen soll der Rückstand – gerade im ländlichen Bereich – aufgeholt werden. Daher wird fast überall in Niedersachsen gebuddelt und Leerrohre verlegt. In sie wird dann die Glasfaser eingeblasen. Die Glasfaser kann deutlich schneller Daten übertragen als die alten Kupferleitungen, die teilweise 80 Jahre alt sind.

Trotz der Anstrengungen kämpfen 38 Prozent der Verbraucher in der Bundesrepublik mehrmals pro Woche oder sogar täglich mit spürbaren Verzögerungen bei der Internetnutzung. Nur acht Prozent der Befragten gaben an, nie Beeinträchtigungen beim Internetzugang zu erleben. Das ist das zentrale Ergebnis einer repräsentativen Meinungsumfrage von Yougov, die vom Frankfurter Internetknoten DE-CIX in Auftrag gegeben wurde.

Schnelles Internet: Probleme im Homeoffice

Als Leidtragende der technischen Probleme sehen sich vor allem junge Erwachsene sowie Berufstätige im Homeoffice. Aber auch mehr als ein Drittel (34 Prozent) der Altersgruppe über 55 Jahren berichtete in der Umfrage von häufig stockenden Internetverbindungen. Überraschend klagen Menschen im urbanen Raum (Städte mit mehr als 100.000 Einwohnern) häufiger von Geschwindigkeitseinschränkungen als die Bevölkerung auf dem Land (Wohnorte mit weniger als 20.000 Einwohnern).

In der Umfrage machen die Betroffenen für die schlechte Netzqualität vor allem äußere Ursachen verantwortlich. 41 Prozent nennen eine Netzüberlastung als Grund für die erlebten Verzögerungen, 32 Prozent einen schlechten lokalen Netzausbau und 19 Prozent sagen, dass ihr Internetprovider nicht genügend Bandbreite anbietet. 12 Prozent vermuten den Grund für die Probleme bei langsamen Servern von Content-Anbietern wie Netflix. Nur 10 Prozent der Befragten sehen die Ursachen im eigenen Haushalt, etwa den Einsatz von veralteten Laptops, WLAN-Routern oder Smartphones.

Leerrohre für Glasfaser werden in vielen Regionen verlegt.
Leerrohre für Glasfaser werden in vielen Regionen verlegt. Sie sind eine Voraussetzung für schnelles Internet.  © Andree Wächter

Am häufigsten stellen die Befragten die Probleme am Feierabend fest, wenn das Video- oder Musik-Streaming mit Netflix, Spotify, YouTube oder anderen Diensten ruckelt (35 Prozent). Gut ein Fünftel (21 Prozent) erlebt Geschwindigkeitsproblemen bei der Arbeit im Homeoffice, zum Beispiel bei Videokonferenzen, Webinaren oder der Nutzung von Cloud-Anwendungen (21 Prozent). Aber auch Anwendungen, die eigentlich keine große Bandbreite erfordern, sind manchmal gestört. Dazu gehören Transaktionen wie zum Beispiel beim Online-Banking sowie beim Online-Shopping. Hier klagen 18 Prozent der Befragten über eine schlechte Internetverbindung.

Im zweiten Jahr der Corona-Pandemie hat die Internetqualität nach Einschätzung der Befragten etwas abgenommen. Bei einer vergleichbaren Umfrage im vergangenen Jahr hatten nur 33,5 Prozent der Befragten Probleme gemeldet, knapp fünf Prozentpunkte weniger als der aktuelle Wert.

„Weißer Fleck“: Schnelles Internet erst ab 30 Mbit/s

Laut dem Breitbandzentrum Niedersachsen-Bremen (BZNB) hätten 86 Prozent aller Gebäude einen Anschluss von mindestens 30 Mbit/s. Darunter gilt man als „weißer Fleck“. Im Prinzip seien heute 60 Prozent der Haushalte gigabitfähig, sagte BZNB-Chef Peer Beyersdorff im Dezember. Für sie könnten also Geschwindigkeiten von bis zu 1000 Mbit/s erzielt werden. 73 Prozent der Gebäude im Bundesland hätten eine Versorgung von 100 Mbit. „Das ist ein riesen Fortschritt im Vergleich zu den vorangegangenen Jahren“, sagte Beyersdorff.

Laut dem Verbraucherportal Glasfaser-Internet können momentan (Anfang 2022) rund 5,1 Millionen Haushalte in Deutschland auf echtes Glasfaserinternet zugreifen. Echt bedeutet dabei die Ausbauweise, wo die Leitungen direkt bis zum Haus führen (FTTH/B). In Prozentpunkten ausgedrückt bedeutet dies eine Abdeckung von 10 bis 12 Prozent. Zum Vergleich: VDSL (FTTC) ist schon für rund 82 Prozent der Haushalte verfügbar.

Schnelles Internet: DE-CIX betreibt Knotenpunkte

DE-CIX betreibt in Frankfurt am Main einen der weltgrößten Internetknoten. Außerdem ist das hessische Unternehmen an 31 weiteren Standorten in Europa, Nordamerika, dem Nahen Osten und Asien aktiv. Dabei verbindet DE-CIX knapp 2500 Netzbetreiber, Internet Service Provider, Content-Anbieter und Firmennetze aus mehr als 100 Ländern miteinander.

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