Schneeflocken beschäftigen Forschung

Winter in Norddeutschland: Warum Schnee ein Wunder ist

Eiskristalle umhüllen die Zweige eines Strauches auf dem Brocken.
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Die Natur schafft im Winter ein filigranes Wunderwerk von künstlerischer Schönheit: Auch in Norddeutschland.

Der Norden im Winter: Kinder, die Deiche mit ihren Schlitten hinunterfahren, Schneeballschlachten und lange Spaziergänge durch die norddeutsche Winterlandschaft. Die Natur holt die Norddeutschen aus ihren Häusern. Hinter der winterlich weißen Landschaft verbirgt sich ein komplexes Wunderwerk, mit dem sich auch Forscher beschäftigen.

Niedersachsen - Schlitten fahren, in schneebedeckter Winterlandschaft spazieren gehen und Knirschen unter den Schuhen. In Norddeutschland erfreuen sich die Menschen an der weißen Winterlandschaft. Die Natur schafft im Winter ein filigranes Wunderwerk von künstlerischer Schönheit: Schnee und Eiskristalle sind hochkomplex, keine einzige Schneeflocke auf der Welt ist identisch mit einer anderen.

Den Schnee verstehen, damit beschäftigt sich Henning Löwe, der das Team „Schneephysik“ am WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF in Davos leitet.

Der Bremer Bürgerpark im winterlich weißen Gewand.
Wie entsteht Schnee?
Es fängt mit kleinen, unterkühlten Wassertropfen an, die in den Wolken zu Eiskristallen gefrieren. Daran lagert sich Wasserdampf ab und die Kristalle beginnen zu wachsen. Schneekristalle können unter dem Mikroskop wie Sterne oder Nadeln aussehen, aber sie haben immer eine hexagonale, also sechseckige Kristallstruktur. Wenn Eiskristalle in Kontakt kommen, verbinden sie sich. Das heißt „sintern“.
Wie groß ist ein einziger Eiskristall, eine Schneeflocke?
Ein durchschnittlicher kleiner Kristall ist so winzig, dass er mit dem bloßen Auge kaum zu sehen ist. Er hat aber im Durchschnitt schon eine Trillion Wassermoleküle (eine 1 mit 18 Nullen). Jeder Kristall wächst je nach Feuchtigkeit und Temperatur unterschiedlich und ist ein Unikat. Aus mehreren Kristallen entstehen Schneeflocken. Eine Eiskristallkugel mit einem Millimeter Durchmesser wiegt im Schnitt vier Milligramm.
Wie schwer ist Schnee?
Ein Kubikmeter frischer Schnee wiegt etwa 100 Kilogramm. „Neuschnee besteht zu 90 Prozent aus Luft“, sagt Physiker Henning Löwe vom Schweizer Institut für Schnee und Lawinenforschung (SLF) in Davos. Zum Vergleich: Ein Kubikmeter Wasser wiegt zehn mal so viel. „Am Ende der Saison kann ein Kubikmeter Schnee 400 bis 500 Kilogramm wiegen, auf der Piste oder in einer Lawinenablagerung sogar 600 Kilogramm.“
Was passiert in einem Schneehaufen?
Die Flocken haben eine komplexe Form. Wenn sie aufeinander fallen, verdichten sie sich nicht sofort. Das passiert erst mit der Zeit. In einer Schneedecke nehmen einige Kristalle Wasserdampf auf, andere geben ihn ab. Die Flocken und die Eiskristalle wachsen zusammen. Es entsteht eine poröse Struktur, ähnlich wie ein Schwamm, der im Laufe der Zeit zusammengedrückt wird.
Warum ist Schnee weiß?
Die einzelnen Flocken im Schnee streuen an ihren Oberflächen das einfallende Licht wie zig winzige, in verschiedene Richtungen stehende Spiegel. Die entstehende Überlagerung aller von der Sonne eingestrahlten Farben nimmt das Auge als Weiß wahr. Auch im Schaumbad greift dieser Effekt millionenfacher Lichtbrechung. Keine natürliche Oberfläche reflektiert mehr sichtbares Licht als frisch gefallener Schnee, so das SLF-Institut. „Wenn man von einem reinen, durchsichtigen Eiswürfel etwas abraspelt, erscheint das auch in weißer Farbe“, sagt Löwe. Älterer Schnee erscheint dunkler. Das liegt zum einen an Staub und anderen Ablagerungen. Aber wenn die Eiskristalle zusammenwachsen und größer werden, wird auch das Licht darin anders gebrochen.
Warum herrscht in einer frisch beschneiten Landschaft solche Stille?
Weil Neuschnee zu 90 Prozent aus Luft besteht, die seinen labyrinthartigen Porenraum füllt. „Das ist ein guter Schallabsorber, es unterdrückt Umgebungsgeräusche“, sagt Löwe. Dass der Schnee unter den Füßen knirscht, liegt daran, dass die Eiskristalle brechen.
Wie unterscheidet sich Kunstschnee von natürlichem Schnee?
Schneekanonen blasen kleine Wassertropfen in die kalte Luft, die idealerweise auf dem Weg zum Boden gefrieren. Natürliche Schneeflocken entstehen aber aus Wasserdampf. Der Schneekristall im Kunstschnee hat die Form eines Wassertropfens oder eines Bruchstücks davon. Der Luftanteil in dem gefallenen Schnee ist sehr viel kleiner als bei echtem Schnee aus Wasserdampf.
Kann man auch echten Schnee künstlich erzeugen?
Ja, mit einer großen Schneemaschine im Labor, das ist aber sehr aufwendig.
Wie wird der Schnee im Labor erforscht?
Der Schnee kommt in einen Schneebrüter, eine Art große Büchse, die oben und unten verschiedene Temperaturen hat. In einem Computertomografen beobachten die Wissenschaftler dann mit Röntgenlicht, wie sich die Schneekristalle darin verändern. Aus den Erkenntnissen werden Computersimulationen für Vorhersagen über Veränderungen in der Schneedecke entwickelt. Interessant sei das etwa für die Schneemengen-Bestimmung, so Löwe. Bislang könne ein Satellit nur feststellen, wie groß die schneebedeckte Fläche auf der Erde ist. Wie viel Masse an Schnee global vorhanden ist, könnten Mikrowellen-, Radar- oder Emissionsmessungen von Satelliten aus zuverlässiger erfassen, wenn die Mikrostruktur von Schnee besser erforscht sei.

Schneeprognosen: Ein Experte erklärt die entscheidenden Fehler

Schneevorhersagen und Schneeprognosen sind gefragt. Fällt dann kein Schnee, gibt es traurige Gesichter. Ob es zu Schnee kommt, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab. Schnee ist Wasser, das in einem festen Aggregatzustand aus den Wolken vom Himmel zur Erde fällt. Ohne Niederschlag kein Schnee. Warum die Vorhersage von Schnee knifflig ist, erklärt Dr. Guido Wolz vom Deutschen Wetterdienst (DWD).

Schnee löst eine große Faszination bei Menschen aus. Von der weißen Pracht gibt es verschiedene Arten.

Die unterschiedlichen Schneearten

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Neuschnee 

Wintersportler bekommen bei dem Wort „Neuschnee“ ein Funkeln in den Augen. Etwas nüchterner ist die Definition der DWD-Meteorologen: „Als Neuschnee wird frisch gefallener Schnee bezeichnet, der nicht länger als drei Tage liegt.“  

Pulverschnee

Wenn es schneit, gehört zumindest bei Wintersportlerinnen der „Pulverschnee“ zu den beliebtesten Schneearten. Pulverschnee ist trockener Schnee, der noch nicht verfestigt oder verdichtet ist und auch unter Druck nicht zusammenklebt, so definiert es das DWD-Wetterlexikon. Pulverschnee fällt demnach meist bei Temperaturen zwischen minus zwei und minus 10 Grad Celsius und bei windschwachem Wetter. Besonders beliebt ist Pulverschnee bei Wintersportlerinnen, da er nicht unter dem Ski oder der Kufe hängen bleibt. Bei Pulverschnee gleitet es sich besser die Abfahrt herunter.

Pappschnee

Bei Kinder ist besonders der Pappschnee beliebt. Der Schnee ist feucht und durchnässt und lässt sich gut zu Schneebällen formen oder dazu verwenden, einen Schneemann zu bauen. Diese Schneeart fällt meist bei Temperaturen um den Gefrierpunkt (0 Grad Celsius).

Martina Lippl mit Material von dpa

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