Letztmalig vor zehn Jahren

Mogelpackung weiße Weihnachten: Hier ist die Wahrscheinlichkeit auf Schnee am größten

Schneeflocken, Eisblumen an den Fenstern, Schneeballwerfen vor der Bescherung und ein Schneespaziergang an den Feiertagen: Viele Niedersachsen träumen von weißer Weihnacht. Doch die stellt sich gar nicht so oft ein.

  • Sonne, Schnee und Regen - so wird das Wetter an Weihnachten in Niedersachsen.
  • Weiße Weihnachten sind dieses Jahr im Harz möglich.
  • Klimaerwärmung könnten die Wahrscheinlichkeiten für Weiße Weihnachten weiter senken.

Update vom 23. Dezember, 14.40 Uhr: Zum Weihnachtsfest dürfen sich in Niedersachsen wohl nur die Menschen im Harz auf ein paar Flocken freuen. Oberhalb von 300 Metern kann es an Heiligabend etwas Schnee geben, wie ein Sprecher des Deutschen Wetterdienstes (DWD) am Mittwoch sagte. Viel mehr als eine etwas „angezuckerte“ Landschaft werde es aber kaum geben. „Der warme Boden wird die geringen Mengen schnell schmelzen lassen“, sagte der DWD-Sprecher.

Für den ersten Weihnachtsfeiertag rechnet der Wetterdienst für Niedersachsen und Bremen mit einem eher freundlicheren Tag mit etwas Sonne und maximal drei Grad. In der Nacht zum Samstag könnte es glatt werden, warnen die Meteorologen. Am zweiten Weihnachtsfeiertag wird sich die Sonne laut DWD-Prognose wohl gar nicht zeigen. Der Tag werde geprägt sein von einer Wetterumstellung auf ein Sturmtief. Das soll ab Sonntag Sturmböen über weite Teile des Landes bringen.

Update vom 23. Dezember, 9.20 Uhr: Die kommenden Tage werden trüb und regnerisch. Am Mittwoch bleibt es meist bewölkt, teilte der Deutsche Wetterdienst (DWD) mit. An Elbe und der Nordsee könne es immer wieder regnen. Die Tageshöchstwerte liegen bei sechs Grad. Der Heiligabend startet laut der Vorhersage stark bewölkt und regnerisch. Im Laufe des Tages lockert es auf. An den Küsten könne es zu Graupel- und Schneeschauern kommen. Die Höchsttemperaturen liegen bei sechs Grad.

Am ersten Weihnachtsfeiertag wechseln sich Sonne und Wolken immer wieder ab. Es bleibe meist trocken. Die Höchstwerte liegen zwischen drei und fünf Grad. Im Harz soll das Thermometer ab dem 25. Dezember Temperaturen im Minusbereich anzeigen.

Update vom 22. Dezember: Von weißer Weihnacht immer noch keine Spur. Dafür kommen die Herbststürme jetzt in den Harz. Der Deutsche Wetterdienst warnt vor orkanartigen Böen im Harz. Bis Dienstag 16 Uhr gilt die Warnung. Es könnten im Kreis Harz Bäume entwurzelt und Dächer beschädigt werden, teilte der Wetterdienst am Montagabend mit. Einwohner wurden gebeten, auf herabstürzende Äste, Dachziegel oder Gegenstände zu achten. „Schließen Sie alle Fenster und Türen“, hieß es. Menschen sollten Abstand von Gebäuden, Bäumen, Gerüsten und Hochspannungsleitungen halten, oder noch besser: „Vermeiden Sie möglichst den Aufenthalt im Freien.“

Meldung vom 21. Dezember: Dreaming of a white Christmas? Weiße Weihnacht wird alle Jahre wieder zum Thema von Fragen und Spekulationen. Besungen in Weihnachtsliedern, ob nun der Klassiker „White Christmas“ oder Traditionslieder wie „Leise rieselt der Schnee“, inszeniert in Weihnachtsdekorationen der Schaufenster oder in Weihnachtsfilmen zum Fest: Schnee darf einfach nicht fehlen. Verschneite Waldlandschaften, Kinder, die auf Schlitten Hügel hinuntersausen, Schlittschuhläufer auf zugefrorenen Seen und als Kontrastprogramm ein gemütliches Zuhause mit viel Kerzenschein oder gar einem flackernden Kaminfeuer.

Landeshauptstadt NiedersachsenHannover
Bevölkerungsdichte168 Einwohner / Quadratkilometer
Websitewww.niedersachsen.de
LandtagspräsidentinGabriele Andretta

Und die Wirklichkeit? So richtig schneereiche Weihnachten sind für die Menschen in Deutschland eher keine jährlich wiederkehrende Selbstverständlichkeit, wenn sie nicht gerade hoch in den Alpen wohnen. Dabei ist zumindest die wissenschaftliche Definition von weißer Weihnacht etwas anspruchsloser als das weiß-funkelnde Traumbild des Wunschdenkens. „Wenn an einer Wetterstation am 24., 25. und 26. Dezember jeweils ein Zentimeter Schnee oder mehr gemessen wurden, ist das nach Definition des Deutschen Wetterdienstes (DWD) weiße Weihnacht“, sagt DWD-Sprecher Andreas Friedrich.

Ist ein Zentimeter Schnee regelmäßig zu schaffen, oder ist weiße Weihnacht nur ein Mythos? Nach DWD-Angaben gab es in den vergangenen rund 100 Jahren in Deutschland nur ganze sechsmal mehr oder weniger flächendeckend weiße Weihnachten über drei Tage hinweg: In den Jahren 1906, 1917, 1962, 1969, 1981 und 2010, zuletzt also vor genau zehn Jahren. Sprich: Eine ganze Generation von Grundschülern und Kindergartenkindern kann sich an vielen Orten in Deutschland nicht an weiße Weihnachten erinnern.

Schneefall in Niedersachsen: Dort kann es weiße Weihnachten geben

Für dieses Jahr macht der DWD etwas Hoffnung für Niedersachsen. Die Weihnachtswoche beginnt zwar wolkig, regnerisch und mild, für einige Niedersachsen gibt es zu Heiligabend aber Hoffnung auf Schnee. Am Montagnachmittag zieht bei Höchsttemperaturen zwischen sieben und neun Grad von Westen Regen ins Land, wie eine Sprecherin des Deutschen Wetterdienstes (DWD) am Sonntag mitteilte. Der Regen verteilt sich in der Nacht zum Dienstag und am Tage bis nach Südniedersachsen. Die Höchstwerte liegen am Dienstag zwischen neun Grad an der Nordseeküste und elf Grad in Göttingen.

Zu Donnerstag rechnet der DWD mit einem Wetterumschwung. Im Tagesverlauf bringt Wind aus nördlicher Richtung kältere Luft ins Land und senkt die Schneefallgrenze. In den Höhenlagen im Oberharz haben die Menschen gute Chancen auf weiße Weihnachten. Die Temperaturen sinken auf fünf bis sechs an der Elbe in Hamburg und acht Grad im Göttinger Raum. In der Nacht zum Freitag kühlt es weiter ab, sodass es verbreitet zu Frost kommen kann.

Kinder rodeln einen Hang hinab. An den Feiertagen ist es vermutlich nur im Harz möglich.

Allerdings gibt es deutliche regionale Unterschiede, so DWD-Sprecher Andreas Friedrich. So spielt die Höhenlage eine Rolle, in einigen Regionen auch der Abstand zum Meer. „Auf Helgoland liegt die Wahrscheinlichkeit für ein Fest mit einer Schneedecke nur bei zwei Prozent“, sagt Andreas Friedrich. „In Berlin und Brandenburg gibt es eher weiße Weihnachten als in Niedersachsen.“

Immerhin, wer bei weißer Weihnacht nicht auf der meteorologischen Definition von drei Tagen beharrt, sondern auch einen verschneiten Heiligabend alleine als weiße Weihnacht zählt, kann in der DWD-Statistik mehr Treffer verbuchen.

Schneegarantie nur auf der Zugspitze

Einen Überblick über die gesamte Fläche Deutschlands gibt es für den 24. Dezember zwar nicht, aber für einzelne Städte hat der DWD ab den 1960er-Jahren Aufzeichnungen dazu: So gab es in Berlin an Heiligabend seit 1963 immerhin zehnmal Schnee, davon dreimal zehn und mehr Zentimeter. Zehn verschneite Weihnachtsabende hatte Hamburg seit 1961, im Jahr 2010 sogar mit knapp 20 Zentimetern Schnee.

Gleich 19 Mal kam München seit 1961 an Heiligabend in den Genuss von Schneefall - wobei im Jahr 1962 die weiße Bescherung mit 28 Zentimeter Schneehöhe besonders reichlich ausfiel. In Mainz hingegen gab es seit 1961 neunmal Schnee an Heiligabend. Hier stach das Jahr 1981 mit 15 Zentimetern Schnee besonders hervor.

Schneegarantie zum Fest gibt es in Deutschland nur auf der Zugspitze. Dort hat es seit Beginn der dortigen Wetteraufzeichnung 1880 immer weiße Weihnachten gegeben. Allerdings: Mit jedem Höhenmeter darunter sinkt die Wahrscheinlichkeit.

Etwa sechsmal nahezu flächendeckende weiße Weihnachten in einem Jahrhundert - das zeigt schon, dass der Traum vom verschneiten Fest sehr oft ein Traum bleibt und das Ereignis eher selten ist. Da habe die Klimaerwärmung bisher noch nichts Wesentliches verändert, sagt Andreas Friedrich angesichts der langen Abstände, die es bisher zwischen den weißen Weihnachten nach DWD-Definition gab. Für die Zukunft kann der Experte aber wenig Hoffnung machen: „Sollte die Klimaerwärmung weiter wie aktuell fortschreiten, könnten die Wahrscheinlichkeiten für Weiße Weihnachten in vielen Teilen Deutschlands in den nächsten Jahrzehnten noch deutlich geringer werden.“

Wie sehr sich Wetter und Klima in der Zukunft ändern könnten, dürfte auch die Auswertung der Daten der vor wenigen Monaten beendeten Mosaic-Forschungsexpedition in der Arktis zeigen. Das internationale Wissenschaftlerteam verbrachte den vergangenen Winter dort, wo Schnee und Eis nicht nur an Weihnachten selbstverständlich sind. Die Arktis gilt als die „Wetterküche“ für Mitteleuropa, betont Expeditionsleiter Markus Rex. Doch die Veränderungen seit der historischen Expedition von Fridtjof Nansen seien dramatisch, so der Atmosphärenphysiker vom Alfred-Wegener-Institut. „Wir haben durchgehend fünf bis zehn Grad höhere Temperaturen gemessen als bei der Nansen-Expedition vor 130 Jahren - und das Eis ist nur noch halb so dick.“ dpa

Rubriklistenbild: © Matthias Bein / dpa

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