Folgen Hamburg und Bremen?

Schluss mit „Schwarzfahren“: Üstra streicht Begriff – weil diskrimierend

Die hannoverschen Verkehrsbetriebe Üstra wollen künftig auf den Begriff „Schwarzfahren“ verzichten. Folgen andere Städte im Norden wie Hamburg oder Bremen?

Hannover – „Schwarzfahren“ gibt es bei der Üstra in Hannover künftig nicht mehr – zumindest nicht als Begriff. Die Formulierung wird nun ausgetauscht.

UnternehmenÜstra
Gründung1892
HauptsitzHannover
Beschäftigte1.886

„Wir tragen damit der Tatsache Rechnung, dass die Sensibilität für Rassismus stärker geworden ist und das begrüßen wir sehr“, sagte Üstra-Sprecher Udo Iwannek der Deutschen Presse-Agentur am Samstag. Stattdessen wolle man die Formulierung „Personen ohne gültigen Fahrschein verwenden“.

ÖPNV-Anbieter in München, Nürnberg und Berlin verzichten seit Jahren auf Begriff

Aus Angst vor Rassismus-Vorwürfen streichen auch die Städte München, Nürnberg und Berlin das Wort „schwarzfahren“ – im öffentlichen Nahverkehrs wird nun darauf verzichtet. Dies sei seit Jahren so, hieß es von den Verkehrsbetrieben der beiden größten bayerischen Städte. Die Üstra hatte den Begriff „Schwarzfahrer“ nach eigenen Angaben zuletzt zu Jahresbeginn in einer Pressemitteilung verwendet. Sollte der Begriff in Fahrgastinformationen oder Aushängen noch auftauchen, wolle man dies gegebenenfalls ändern.

Die hannoverschen Verkehrsbetriebe Üstra wollen künftig auf den Begriff „Schwarzfahren“ verzichten.

„Begriff hat für schwarze Menschen einen negativen Anklang“

Eine Sprecherin der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) sagte, der Begriff werde – mit Ausnahme einer satirischen Werbekampagne vor einigen Jahren – auch in der Hauptstadt nicht verwendet. Die BVG ist für ihre humorvollen und außergewöhnlichen Werbekampagnen bekannt. Auch hier heiße es stattdessen „Fahren ohne gültigen Fahrausweis“ oder eben, dass man einen gültigen Fahrausweis brauche. Berlin hatte auch im September 2020 ein „Diversity-Landesprogramm“ vorgestellt, in dem die Verwaltung grundsätzlich aufgefordert wird, sensibel mit Sprache umzugehen. Darin sind laut Sprecher aber keine Vorgaben enthalten

Die Initiative Schwarzer Menschen in Deutschland (ISD) befürwortete den Verzicht bei der Üstra in Hannover laut der HAZ. „Es ist begrüßenswert, denn der Begriff hat für schwarze Menschen einen negativen Anklang“, sagte ISD-Sprecher Tahir Della der Zeitung. Auch wenn der Begriff nicht rassistisch angelegt sei, habe es trotzdem die Wirkung bei Betroffenen, dass Schwarz für etwas Negatives stehe. Ähnlich ist es mit dem Begriff „Mohr“, eine Initiative fordert daher, dass alle „Mohren-Apotheken“ umbenannt werden.

BSAG und HVV behalten Formulierung „Schwarzfahren“ vorerst bei

Die ÖPNV-Betriebe der Hansestädte Bremen und Hamburg haben sich bislang nicht dazu geäußert, wie sie in Zukunft mit dem Begriff „Schwarzfahren“ umgehen. „Schwarzfahren“ wird aktuell noch von den städtischen Behörden verwendet und auch teilweise auf den Webseiten der BSAG und HVV benutzt. Erstmal ist davon auszugehen, dass Bremen und Hamburg dem Ansatz von Hannover nicht folgen werden und die Formulierung nicht austauschen. In Hamburg sind dafür kostenlose HVV-Tickets für Hartz-IV-Empfänger* im Gespräch. * kreiszeitung.de und 24hamburg.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Mit Material der dpa

Rubriklistenbild: © Swen Pförtner/dpa

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