Stimmrecorder ausgewertet

Schiff rammt Brücke: Was besprachen Kapitän und Lotse?

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Die bei einer Kollision beschädigte Friesenbrücke ist am 8. Dezember 2015 bei Weener im Morgengrauen zu sehen.

Weener/Aurich - Ein Frachter außer Kontrolle prallt gegen eine der größten deutschen Eisenbahnklappbrücken und setzt sie außer Betrieb. Ein Stimmrecorder soll bei der Aufklärung des Unfalls helfen - der Gesprächsinhalt ist aber noch geheim.

Nach der Kollision eines Frachters auf der Ems mit der Eisenbahnbrücke bei Weener in Ostfriesland sind die Ermittlungen vorangekommen. Ein Sprachrecorder mit den Stimmen auf der Schiffsbrücke zur Zeit des Unfalls sei tontechnisch ausgewertet worden, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Aurich. Die Behörde ermittelt gegen einen Lotsen und den russischen Kapitän des Frachters „Emsmoon“. Beide Männer sollten Gelegenheit zur Stellungnahme erhalten.

Das 100 Meter lange Schiff hatte Anfang Dezember den geschlossenen Klappteil der „Friesenbrücke“ gerammt und einen Millionenschaden angerichtet. Damit ist eine der längsten deutschen Eisenbahnklappbrücken außer Funktion und der Zugverkehr von Leer ins niederländische Groningen seitdem unterbrochen.

Der Sprachrecorder hatte zunächst große Schwierigkeiten bereitet: Auf den Tonspuren waren verschiedene Sprachen zu hören, die von Geräuschen überlagert wurden. Spezialisten der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) konnten die Aufzeichnung so weit überarbeiten, dass sie für die Rekonstruktion des Unfallhergangs brauchbar wurden. Über den Inhalt der Gespräche machte die Staatsanwaltschaft allerdings aus ermittlungstaktischen Gründen keine Angaben.

Wie es mit der „Friesenbrücke“ weitergeht, ist derzeit offen. Die Niederlande dringen auf einen schnellen Wiederaufbau, damit der Bahnverkehr von Groningen nach Leer zügig in Fahrt kommt. Die Bahn prüft Möglichkeiten für einen Wiederaufbau. Die Kosten dafür fallen voraussichtlich günstiger aus als ein Neubau, der zudem mit Planung und Genehmigungsverfahren mindestens fünf Jahre dauern würde.

Während für die zerstörte Bahnstrecke ein Busersatzverkehr eingerichtet wurde, müssen Anwohner auf beiden Seiten des Flusses auf unbestimmte Zeit große Umwege in Kauf nehmen: Der kleine Fuß- und Radweg auf einer Brückenseite ist ohne den zerstörten Abschnitt nicht mehr benutzbar. Für die Überführung des neuen Kreuzfahrtschiffes „Ovation of the Seas“ der Papenburger Meyer Werft musste zudem das große Mittelteil der Brücke ausgebaut werden. Es soll bis zu einer Entscheidung über Reparatur oder Neubau eingelagert bleiben.

dpa

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