Die Masche mit der Gutgläubigkeit

Scamming: Der Betrug mit vorgetäuschter Liebe und anderen Wünschen

Eine 60-jährige Frau hat mehrere Tausend Euro an einen Betrüger verloren. Der Täter hat sich dem Phänomen des „Love-Scammings“ bedient, um an sein Ziel zu kommen. Eine moderne Form des Heiratsschwindels.

Gnarrenburg - Über ein Internetportal hat die 60-jährige Frau aus der Gemeinde Gnarrenburg den Mann kennengelernt. Erst später stellte sich heraus, dass der Kontakt von Beginn an auf einen Betrug ausgerichtet war. Mit gefälschten Profilen spielen Männer und Frauen ihren Opfern beim „Love-Scamming“ zunächst Verliebtheit vor, stellen eine Vertrauensbasis her. Ist das Vertrauen bei dieser modernen Form des Heiratsschwindels dann gegeben, folgt schnell die Bitte nach finanzieller Unterstützung. In Gnarrenburg folgte schließlich nach der ersten Überweisung schon die Forderung nach mehr Geld. Die betroffene Frau wurde jedoch skeptisch und wandte sich an die Polizei. Zu diesem Zeitpunkt war die 60-Jährige aber bereits auf den Liebesbetrüger reingefallen.

Das Kriminalitätsphänomen „Love-Scamming“ bezeichnet eine moderne Form des Heiratsschwindels.

Das „Love-Scamming“ ist allerdings nur eine Form. Der Begriff stammt vom englischen „to scam“, was ganz einfach „betrügen“ bedeutet. Ziel dieser Betrugsmasche ist immer, das Opfer dazu zu bringen, dem Täter Geld zukommen zu lassen. Um das zu erreichen, wird dem Opfer etwas versprochen. Im Fall des „Love-“ oder „Romance-Scammings“ ist das die große Liebe. Die Polizei informiert über diese Art des Betrugs und seine verschiedenen Formen unter anderem im Internet. Aktuell gibt es auch wieder Fälle, bei denen ein vermeintlicher Microsoft-Mitarbeiter anruft und dem Opfer erklärt, dessen Computer sei von einem Hackerangriff betroffen. Dann soll ein Programm heruntergeladen und dem Anrufer Fernzugriff gestattet werden.

Die Masche mit der großen Liebe: Das Love- oder Romance-Scamming

Soziale Netzwerke und Online-Partnerbörsen werden genutzt, um mögliche Opfer für das Love- oder Romance-Scamming zu finden. Diese werden dann angeschrieben und wer reagiert, wird mit Aufmerksamkeit und Liebesbekundungen „belohnt“. Der Täter versucht Vertrauen aufzubauen und das über einen längeren Zeitraum. Sie kreieren das falsche Bild einer Beziehung und schaffen eine Form der emotionaler Abhängigkeit. Ist die Beziehung von Opfer und Täter soweit fortgeschritten, wird der eigentliche Betrug eingeleitet.

Die Täter geben falsche Berufe an, nutzen entweder gestohlene Fotos oder solche, die speziell für diese Betrugsmasche gemacht wurden, und machen sich unverzichtbar im Leben des Opfers durch romantische Nachrichten, lange Telefonate oder Chats. Die Polizeiberatung erklärt, dass bereits beim Aufbau der Beziehung Geschichten erzählt werden, die dann später genutzt werden können, um an Geld zu gelangen.

Soziale Netzwerke und Online-Partnerbörsen werden genutzt, um mögliche Opfer für das Love- oder Romance-Scamming zu finden.

Als Beispiel werden eine wichtige Operation für ein Kind oder Angehörige genannt. Oder der Täter ist vor einer Reise plötzlich in Geldnot geraten und bittet um Hilfe. „Oft täuschen Scammer vor, dass sie das Flugticket für das Treffen in Deutschland nicht bezahlen können. Auch werden Kosten für das Visum oder die Visumserteilung fällig“, heißt es auf der Scamming-Infoseite der Polizeiberatungsstelle. Durch das zuvor aufgebaute Vertrauensverhältnis wird das Opfer schließlich dazu gebracht, Geld zu überweisen.

Love-Scamming: Der Sonderfall der falschen Identität

Ein Sonderfall ist auch der „Betrug mit falscher Identität“. Oftmals geben sich Täter hierbei als Soldaten aus, die im Auslandseinsatz nicht an ihr eigenes Geld kommen. In der Region Grimmen (Vorpommern-Rügen) verlor eine Frau durch diese Methode rund 25.000 Euro, wie die Polizei im August vergangenen Jahres mitteilte. In den Wochen zuvor waren in der Region mehrere solcher Fälle aufgetreten. Die Frau hatte angegeben, Monate vorher über Facebook einen angeblich in Afghanistan stationierten General kennengelernt zu haben. Dieser habe ihr schließlich mitgeteilt, dass er einen „Freigabebefehl“ benötige, um das Land verlassen zu können.

Die Täter geben falsche Berufe an, nutzen entweder gestohlene Fotos oder solche, die speziell für diese Betrugsmasche gemacht wurden, und machen sich unverzichtbar im Leben des Opfers durch romantische Nachrichten, lange Telefonate oder Chats

Sie sollte eine Mail an die Vereinten Nationen (UN) verfassen und dort seine Freilassung erbitten. Das habe sie dann auch getan, dabei aber nicht geahnt, dass die genannte E-Mail-Adresse nicht zu den UN führte. Von dieser Adresse kamen schließlich bei Geldforderungen für Flüge, Bearbeitungsgebühren und eine Auslöse an. Die 49-Jährige leistete diese Zahlungen. Als die Forderungen aber kein Ende nahmen, sei die Frau stutzig geworden und habe bei der Polizei Anzeige erstattet. 

Betrug im Netz: Die Masche Geld zahlen zu müssen, um noch mehr Geld zu bekommen

Neben dem Versprechen von Liebe beim Love-Scamming, versuchen es Betrüger aber auch mit dem Versprechen anderer Dinge. So zum Beispiel die Masche, dem Opfer zu erzählen, es könne Geld erhalten, müsse zuvor aber erst welches investieren. Als Beispiel nennt die Polizeiberatung die Aussicht auf eine Erbschaft, die das Opfer per Mail erhält. Erbschaften können mit viel bürokratischem Aufwand verbunden sein und das nutzen die Betrüger. Sie fordern zuvor hohe Summen an Gebühren, beispielsweise für einen Notar oder auch Erbschafts-Steuer.

Manche Betrüger nutzen auch die Masche, dem Opfer eine Erbschaft anzukündigen. Um diese zu erhalten muss dann nur noch eine Gebühr gezahlt werden.

Betrug: Täter bieten privaten Verkäufern Schecks an

Sobald das Opfer diese Gebühren bezahlt hat, um im Gegenzug die Erbschaft zu erhalten, wird der Kontakt durch die Täter abgebrochen. Im Juli 2020 verlor eine Frau durch eine Kombination aus Love-Scamming und vorgetäuschter Erbschaft rund 22.000 Euro. Die 48-Jährige aus der Nähe von Ribnitz-Damgarten, ebenfalls Vorpommern-Rügen, habe über soziale Netzwerke einen Mann kennengelernt, der ihre eine Liebesbeziehung vorspielte. Schließlich habe der Mann ihr erzählt, er könne ein hohes Erbe antreten. Allerdings müsse er dafür auch Kosten tragen. Das Opfer habe ihm schließlich die 22.000 Euro ins Ausland überwiesen.

Falsche Schecks können ebenfalls zum Problem werden: Täter suchen dabei Verkaufsanzeigen und bieten den privaten Verkäufern einen Scheck an, der jedoch auf einen höheren Betrag ausgestellt ist. Das Opfer soll dann die Differenz mithilfe des Bargeldtransfers an den Täter überweisen. Umgekehrt ist der Betrug auch möglich. Käufer bezahlen für eine Ware, die es gar nicht gibt. Ein Beispiel dafür sind Konzerttickets. Die Polizeiberatung weist zudem darauf hin, dass auch in einer Bank nicht unbedingt ein falscher Scheck erkannt wird. Meist wird die Fälschung erst später festgestellt, so dass möglicherweise strafrechtliche Schritte gegen das eigentliche Opfer eingeleitet werden könnten.

Scamming im Internet: Das Versprechen der Traumwohnung oder des perfekten Jobs

Die Wohnungssuche. Ein Thema, das einen allein schon zur Verzweiflung bringen kann. Genau das nutzen manche Betrüger aus. Da findet man auf entsprechenden Portalen diese hübsche Wohnung mit optimaler Quadratmeterzahl. Die Bilder sehen aus wie aus dem Katalog und die Warmmiete ist zu schön, um wahr zu sein. Und genau das ist sie meist auch nicht. Die Polizeiberatung klärt auf, dass sich die Betrüger bei dieser Masche gern als Engländer oder Amerikaner ausgeben, die eine Wohnung geerbt haben und diese nun vermieten wollen. Es folgt die Vorauszahlung der Miete und üblicherweise die Kaution. Die Schlüssel für die Traumwohnung soll der Mieter per Post erhalten. Das Geld des Opfers ist weg und Schlüssel werden nicht im Briefkasten landen.

Die Stellenanzeige verspricht den Traumjob. Es muss nur noch das Geld für die Arbeitskleidung gezahlt werden.

Ähnlich wird die Suche nach dem Traumjob ausgenutzt. Die Stellenanzeige verspricht einen tolle Stelle mit super Bezahlung. Nach Zusendung der Bewerbungsunterlagen und einem Vorstellunggespräch per Telefon - insbesondere in Corona-Zeiten gar nicht so ungewöhnlich - muss nur noch eine Summe für die notwendige Arbeitskleidung oder Uniform gezahlt werden. Der aufmerksame Leser ahnt es schon: Sowohl das überwiesene Geld, als auch der potentielle Arbeitgeber sind dann plötzlich weg.

Scamming: Hinweise und Tipps der Polizei

Die Polizei rät, nicht auf Forderungen von Scammern einzugehen und grundsätzlich kein Geld an Menschen zu zahlen, die man nie persönlich getroffen hat. Spätestens wenn es eine solche Forderung gibt, sollte der Kontakt abgebrochen werden. Bereits ausgetauschte Mails und Chatnachrichten sollten gespeichert und auch Belege für vielleicht bereits getätigte Überweisungen sollten aufbewahrt werden. Mit diesen Materialien kann schließlich eine Anzeige bei der Polizei erstattet werden. Bevor es soweit kommt, kann auch bereits eine Suche im Internet nach dem Namen des Kontakts in Verbindung mit dem Begriff „Scammer“ wichtige Informationen liefern.

Rubriklistenbild: © Sebastian Gollnow / picture alliance / dpa

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