Kampfmittelbeseitigungsdienst wird 70

Die tickende Gefahr im Boden

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Vechta: Zwei fünf Zentner schwere US-Blindgänger liegen nach ihrer Entschärfung fest verschnürt in einer Transportvorrichtung.

Mehr als sieben Jahrzehnte nach Ende des Zweiten Weltkriegs werden noch immer gefährliche Überreste gefunden. In Niedersachsen feiert der Kampfmittelbeseitigungsdienst seinen 70. Geburtstag. Die Experten haben noch viel zu tun, nicht nur an Land.

Die Hinterlassenschaften des Zweiten Weltkriegs werden niedersächsische Kampfmittelräumer noch Generationen beschäftigen. Das sagte Thomas Bleicher, Leiter des Kampfmittelbeseitigungsdienstes Niedersachsen (KBD) mit Blick auf den am Montag in Hannover gefeierten 70. Gründungstag. In Niedersachsen wurden im vergangenen Jahr bei mehr als 700 Einsätzen rund 130 Tonnen Kampfmittel aus den beiden Weltkriegen geborgen und entsorgt. Das waren fast 40 Tonnen mehr als im Jahr zuvor. Dabei gab es keinen einzigen Unfall, wie das Innenministerium kürzlich mitteilte.

"Wir haben als Hauptaufgabe die Beseitigung sämtlicher Weltkriegsmunition", erklärte Bleicher. "Wir werden uns mit neuester Technik dem zunehmendem Gefährdungspotenzial der dahinrostenden Kampfmittel stellen", kündigte er an. "Diese Aufgabe wird die Kampfmittelräumdienste der Länder noch über Generationen beschäftigen." Allein im ersten Quartal waren es bereits 154 Einsätze, einer mehr als im Vorjahreszeitraum. Der KBD hat 44 Mitarbeiter, 22 davon im operativen Einsatz, darunter sieben Sprengmeister.

Der Leiter des Kampfmittelbeseitigung in Niedersachsen, Thomas Bleicher

Auch mehr als sieben Jahrzehnte nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs werden in Niedersachsen immer wieder Bombenblindgänger und Munitionsreste entdeckt. Das geschieht entweder zufällig, etwa bei Bauarbeiten, oder durch die Auswertung von alten Luftbildern. Zuletzt ist dabei auch die Nordsee in den Fokus gerückt. "Die Küstenländer bereiten sich dabei auch auf die Bergung von Munition aus dem Meer vor, das wird dort das Thema der Zukunft", sagte dazu Bleicher der Deutschen Presse-Agentur. Beim Bau von Offshore-Windparks und dem Ausbau von Kabeltrassen wurden 2017 rund zwei Tonnen Munition entdeckt, darunter Torpedoköpfe, Brandbomben und Sprenggranaten. Alterungsprozesse und Korrosion lassen die Gefahr einer plötzlichen Explosion steigen.

Der am 11. März 1948 zunächst als Bombenräumkommando ins Leben gerufene KBD wurde in seiner Geschichte mehrfach umorganisiert. Bis zur Auflösung der Bezirksregierungen war er als Dezernat der Bezirksregierung Hannover zugeordnet. Mit der Umorganisation der Polizei im Jahr 2004 wurde er in die Zentrale Polizeidirektion eingegliedert. Auch weil Funde der Auswertung von Luftbildern zu verdanken sind, wurde der KBD zum 1. Januar 2012 an das Landesamt für Geoinformation und Landesvermessung Niedersachsen (LGLN) angegliedert, um vorhandene Kompetenzen zu nutzen und zu bündeln.

Beim schwersten Unfall in der Geschichte des KBD kamen am 1. Juni 2010 in Göttingen drei Mitarbeiter ums Leben, als eine Weltkriegsbombe vor der geplanten Entschärfung explodierte.

dpa

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