Ringen um Schimpanse Robby:

Zirkusaffe soll in Freiheit kommen

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Das Hauptzelt des Zirkus Belly ist in Wunstorf in der Region Hannover aufgebaut. Der Zirkus "Belly" muss den 39 Jahre alten Schimpansen Robby  an eine für die Resozialisierung von Schimpansen spezialisierte Einrichtung abgeben. 

Celle - Wie ein Familienmitglied gehört Schimpanse Robby seit Jahren zur Truppe von Zirkus „Belly“. Nun aber hat die Veterinärbehörde die Genehmigung zur Zirkushaltung nicht mehr verlängert. Robby soll wieder unter Affen leben. Wo aber ist er glücklicher?

Seit bald vier Jahrzehnten geht Schimpanse Robby mit „Circus Belly“ auf Tournee, doch nach dem Willen des Kreisveterinärs in Celle soll der letzte Menschenaffe in einem deutschen Zirkus bald in Ruhestand. Bis Ende des Jahres müsse der Zirkus Robby an eine für die Resozialisierung von Schimpansen spezialisierte Einrichtung abgeben, hat Veterinär Heiko Wessel bestimmt. Der Zirkus dürfe Robby nicht weiter halten und nicht mehr zur Schau stellen - eine entsprechende Genehmigung wurde nicht verlängert. Die Nachricht ist für Zirkusdirektor Klaus Köhler eine Katastrophe. Seitdem Robby drei ist, gehört er wie ein Familienmitglied zur Zirkustruppe.

„Wir lassen nicht zu, dass das Tier woanders eingesperrt wird und da dann verendet“, empörte sich Köhler am Montag. Zuletzt noch hätten Amtstierärzte bei einer Zirkusvisite bescheinigt, dass es Robby gut gehe. Außerdem habe ein Gutachten ergeben, dass Robby zu alt für eine Resozialisierung sei. Vor dem Verwaltungsgericht in Lüneburg klagt Köhler daher, dass Robby beim Zirkus bleiben kann. Der Veterinär habe die Genehmigung nur deshalb nicht mehr verlängert, weil er von ständigen Protesten von Tierschützern genervt sei, mutmaßte Köhler.

Dabei hatte die Behörde zuletzt „eine ganz besondere Einzelfallprüfung“ vorgenommen und berücksichtigt, dass Robby „wie ein Kind“ in enger Bindung zur Zirkus-Familie lebt - und damit seinen Verbleib bei der letzten Prüfung noch gerechtfertigt. Heute jedoch werde eine Haltungsgenehmigung für vergleichbare Fälle nicht mehr erteilt, hieß es - ohne weitere Affen in der Umgebung sei die Haltung ohne jeden Zweifel nicht artgerecht.

Erfreut reagierte denn auch die Tierschutzorganisation Peta, die für eine Freilassung des Schimpansen mobilisiert hatte. „Natürlich begrüßen wir die Entscheidung, sie kommt aber Jahre zu spät“, sagte Peta-Mitarbeiter Peter Höffken. Die Veterinärbehörde habe jahrelang träge reagiert. Zu befürchten sei, dass der Zirkus gegen den Entscheid Widerspruch einlege. Deswegen habe Peta die Veterinärbehörde der Region Hannover aufgefordert, Robby beim nächsten Gastspiel von „Circus Belly“ in Wunstorf zu beschlagnahmen.

Aber einen Schimpansen resozialisieren, wie soll das eigentlich funktionieren? Bei der niederländischen Stiftung „Aap“, die sich bereits zur Aufnahme von Robby bereit erklärt hat, ist man genau darauf spezialisiert. „Schritt für Schritt muss das Tier lernen, in einer Gruppe Schimpansen zu leben“, sagte David van Gennep von der Stiftung. Dafür werde geschaut, zu welchem der anderen Schimpansen der Affe passen könne. Manchmal dauere die Wiedereingliederung lange, manchmal gehe dies aber überraschend schnell. „Ich will nicht sagen, dass der Zirkus schlecht für den Affen sorgt.“ Glücklich aber sei der Affe nicht, sondern ohne Artgenossen sehr einsam.

Um das Halten von wilden Tieren in Zirkussen gibt es immer wieder Diskussionen. Den Ruf nach einem Verbot, Elefanten im Zirkus zu halten, hatte es zuletzt im Sommer gegeben, nachdem ein aus einem Zirkus ausgebrochener Elefant im Odenwald einen Spaziergänger getötet hatte. In den Niederlanden wurde das Auftreten von wilden Tieren in Zirkussen im letzten Monat verboten.

dpa

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