Trotz Neuregelung

Amazon zerstört weiterhin Neuwaren in Niedersachsen

Onlinehändler Amazon vernichtet Retouren und neuwertige Produkte – in Massen. Auch externe Anbieter sind betroffen. Das ist gesetzlich verboten – eigentlich.

Winsen (Luhe) – Entsorgt der Internetriese Amazon in Winsen (Luhe, Niedersachsen) zurückgeschickte Neuware, obwohl diese eigentlich noch verkauft oder gespendet werden könnte? Aufnahmen des NDR-Magazins „Panorama“ und der „Zeit“ legen diese Vermutungen zumindest nahe. Unter den vernichteten Neuwaren sollen sich unter anderem Kleidung, Spielzeug, T-Shirts, Bücher und Elektro-Artikel befinden.

Unternehmen:Amazon.com Inc.
Gründung:1994
Hauptsitz:Seattle/Washington
Leitung:Jeffrey P. Bezos
Umsatz:386 Milliarden US-Dollar
Mitarbeiter:1.298.000

Neu sind die Vorwürfe gegen Amazon nicht, doch lassen sie aufhorchen. Denn eigentlich hatte Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) im vergangenen Jahr eine Neuregelung per Gesetz erlassen, die solch ein Vorgehen verhindern sollte. Und zwar in Form des Paragrafen 23 des neuen „Kreislaufwirtschaftsgesetzes“. Darin wird die sogenannte Obhutspflicht als Begriff erstmalig eingeführt und nimmt die Verkäufer für die von ihnen im Geschäft oder im Netz verkauften Artikel in die Verantwortung.

Amazon vernichtet Neuwaren: Gängige Praxis trotz neuem Gesetz nicht geändert

Im Prinzip müssen die Unternehmen künftig dafür sorgen, dass ihre Produkte im Fall einer Rücksendung nicht zu Abfall werden, sondern gespendet oder als B-Ware weiterverkauft werden. Doch augenscheinlich mangelt es an einer Verordnung zur Umsetzung, jedenfalls scheint sich an der Praxis in den betreffenden Unternehmen nicht viel geändert zu haben.

Bei Amazon in Winsen (Luhe) soll laut einem Medienbericht gezielt Neuware vernichtet werden. (kreiszeitung.de-Montage)

Ans Licht gekommen ist das neuerliche Vorgehen des Versandhändlers jetzt, da die Umweltschutzorganisation Greenpeace einen Mitarbeiter im Unternehmen in Winsen eingeschleust hatte, der die Fälle dokumentierte und öffentlich gemacht hat. Aufnahmen belegen, dass im Winsener Amazon-Zentrum feste Produktionsabläufe zur Entsorgung von Neuware integriert sind.

Amazon vernichtet Neuwaren: Entsorgte Ware wird verbrannt oder zu Putzlappen verarbeitet

So holen Mitarbeiter Ware an sogenannten „Destroy-Stationen“ aus der Originalverpackung, um diese einer Müllentsorgung zuzuführen. Wie „Panorama“ berichtet, werden zu diesem Zwecke in Winsen monatlich mehrfach neuwertige Waren abgeholt. Die Ware soll schließlich von einem Entsorgungsunternehmen entweder verbrannt oder zu Putzlappen verarbeitet werden.

Von der Vernichtung betroffen sollen vor allen Dingen Neuwaren von Verkäufern sein, die Amazon als Verkaufsplattform nutzen. Also häufig Ware, die Amazon nicht selber vertreibt. Das geschieht immer dann, wenn Waren, die bei Amazon gelagert werden, über einen gewissen Zeitraum nicht an den Mann gebracht werden konnten.

Amazon zerstört Neuwaren: Wird die Ware nicht vernichtet, drohen hohe Langzeitlagergebühren

Wird die Ware nicht vernichtet, drohen horrende Langzeitlagergebühren, wie ein Amazon-Händler gegenüber dem NDR bestätigt.

Eine öffentlich zugängliche Preisliste von Amazon für Dritthändler, „gültig ab April 2021“, belegt das. Darin heißt es: „Die Langzeitlagergebühr wird nicht berechnet, wenn vor der Erhebung der Gebühr eine Entfernung oder Entsorgung der Einheiten angefordert wurde.“ Für die Entsorgung bittet Amazon seine Händler natürlich ebenfalls zur Kasse.

Vernichtete Neuwaren: Amazon nimmt Stellung

„Wir arbeiten daran, möglichst gar keine Produkte zu deponieren. Unser Ansatz ist der Aufbau eines umfassenden Kreislaufwirtschaftsprogramms mit dem Ziel, Retouren zu reduzieren, Produkte wiederzuverwenden und weiterzuverkaufen und so wenig wie möglich davon zu entsorgen“, erklärt dazu ein Amazon-Sprecher gegenüber kreiszeitung.de.

Nur wenn man keine andere Möglichkeit mehr habe, gebe Amazon Artikel zum Recycling oder zur Energierückgewinnung – oder als allerletzte Option – zur Deponierung. Dieser Weg sei für das Unternehmen die letzte und am wenigsten attraktive Option – ökologisch und ökonomisch. „Tatsächlich liegt die Zahl der von Amazon verkauften und versandten Produkte, die entsorgt werden müssen, im Promillebereich – und wir geben alles, diese Zahl weiter zu reduzieren. Amazon hält seine Obhutspflichten hinsichtlich der vertriebenen Waren ein. Wir haben Maßnahmen implementiert, um die Warenvernichtung so weit wie möglich zu vermeiden“, unterstreicht der Sprecher.

Es ist nicht das erste Mal, dass Amazon mit seinem Logistikzentrum in Winsen (Luhe) in die Schlagzeilen gerät. Erst Ende April war – ebenfalls durch das NDR-Magazin „Panorama“ – bekannt geworden, dass der Internetriese seinen Mitarbeitern im Verteilzentrum nahe Hamburg verbietet, FFP2-Masken zum Schutz vor einer Infektion mit dem Coronavirus* zu tragen. * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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