Preise steigen

Resthof: Nur noch was für Millionäre?

Hausverkäufer haben gute Karten. Noch bessere Karten haben Verkäufer von Resthöfen. Hier werden teils Summen rund um eine Million Euro aufgerufen. Vor Jahren hätte man sie „für einen Apfel und ein Ei“ bekommen.

Resthöfe sind aktuell ein Renner auf dem Häusermarkt. Für ein Objekt bei Verden wurden kürzlich 1,1 Millionen Euro aufgerufen. „Es gibt Interessenten“, beschreibt der Achimer Vermarkter Christian Busch die Lage, „es gibt ernsthaftere Interessenten, und wir bewegen uns so langsam in Richtung des gewünschten Verkaufspreises.“

Die Tendenz ist schon länger zu beobachten. „Am besten laufen gut restaurierte oder völlig unverbaute Hofstellen,“ sagte schon 2014 Gerd Ruzyzka-Schwob vom Gutachterausschuss Sulingen-Verden, der den Immobilienmarkt in vier Landkreisen analysiert. An dieser Aussage hat sich in den vergangenen Jahren wenig geändert.

Für diesen Resthof in Eissel (Landkreis Verden) sind über eine Million Euro als Kaufpreis aufgerufen.

2016 kosteten Wohnungen und Häuser laut dem Verband Deutscher Pfandbriefbanken rund 30 Prozent mehr als im Jahr 2010. In den Großstädten ging es noch deutlich stärker nach oben. Die Nullzinspolitik der EZB (Europäische Zentralbank) mache zum einen die Finanzierung günstiger. Zum anderen würden durch die niedrigen Zinsen andere Anlagemöglichkeiten weniger attraktiv. Die Folge: Es wird mehr in Immobilien investiert. Ein Trend der immer noch anhält. Und Resthöfe sind auch Häuser die dann auf der allgemeinen Preissteigerungswelle mitschwimmen.

Ein Auslöser für die Nullzinspolitik der EZB war das Platzen der Immobilienblase und der folgenden Wirtschaftskrise. In den 1990er- und Anfang der 2000-Jahre gab es Phasen, in denen man einen Resthof für sprichwörtlich „einen Apfel und Ei“ hätte bekommen können. Damals waren Stadtwohnungen oder Häuser in sogenannten „Speckgürteln“ beliebt und auch finanzierbar. Wenn man sich die vergangenen 40 Jahre anschaut, gab es Wellenbewegungen auf dem Immobilienmarkt. Aktuell befindet sich der Markt eben oben auf der Welle und nicht im Wellental.

Corona treibt Preise für Resthöfe

Dass Resthöfe angesagt sind, hat auch mit Corona zu tun. Denn die eigenen vier Wände sind mehr als nur der Schlafplatz. Seit Homeoffice nicht nur was für Nerds ist, hat sich der Raumbedarf geändert. „Garten und ein Büro haben einen höheren Stellenwert bekommen“, sagte Peter-Georg Wagner, Geschäftsführer IVD Nord, der Berufs- und Interessenverband für Makler und Verwalter. Eine entsprechende Zahl an Zimmern muss das Haus haben. Und mit dem Laptop im Garten sitzen und arbeiten ist auch eine Art Lebensqualität. Verstärkt wird das Preistreiben noch vom Trend „Auf dem Land wohnen“.

Resthöfe waren oft lange in Familienbesitz. Ihr Ursprung liegt in der Landwirtschaft. Haus und Hof wurden an den Nachwuchs weitergegeben. Doch immer mehr landwirtschaftliche Betriebe verschwinden und die Stallungen stehen leer. Ein Verkauf mit Umnutzung ist eine Option. Doch die Umnutzung, beispielsweise als weiterer Wohnraum ist nicht so einfach. Denn die Stallungen sind auch nur als solche zugelassen. Für eine Umnutzung muss das zuständige Bauamt sein OK geben. Im Vorfeld sollten sich Kaufinteressenten informieren, so der Tipp von Ludger Haskamp, Geschäftsführer von Haskamp-Immobilien.

Zwangsversteigerungen sind ebenfalls ein Preistreiber

Laut dem Immobilienexperten sind auch Zwangsversteigerungen ein Preistreiber. Wer auf ein Haus bietet, muss zehn Prozent vom Verkehrswert als Sicherheit hinterlegen. Dies kann ein gedeckter Scheck sein. Früher war es so, dass zehn Prozent vom Kaufpreis hinterlegt werden mussten. Ludger Haskamp empfiehlt weiter, sich nur an zertifizierte Makler zu wenden. Diese können den Markt realistisch einschätzen und verfügen über das nötige Knowhow rund um den Immobilienkauf - egal ob klassischer Kauf oder Versteigerung.

Ludger Haskamp sieht im Moment auch keine Anzeichen, dass die Preise stagnieren oder sogar fallen könnten. „Erst wenn der Zinssatz auf fünf Prozent wieder steigt, ist eine Umkehr möglich.“

Einen anderen Weg, seinen Hof an die nächste Generation weiterzugeben hat Helmut Waltring gefunden. Der 79-Jährige, der ein halbes Jahrhundert lang mit seinen eigenen Händen ein Fachwerkensemble geschaffen hat, bot es für null Euro an.

Rubriklistenbild: © Kracke

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