Eine Trendwende?

Rechte Straftaten in Niedersachsen gingen im ersten Quartal zurück

Osnabrück - Seit Anfang des Jahres ist die Zahl rechter Straftaten in Niedersachsen rückläufig. Die Zahlen belegen vor allem auch einen deutlichen Rückgang der Übergriffe gegen Flüchtlingsunterkünfte. Der Anfang einer Trendwende oder doch nur ein vorläufiges Phänomen?

Die Zahl der rechten Straftaten in Niedersachsen ist im ersten Quartal 2017 auf den niedrigsten Wert seit 2015 gefallen. Das geht aus einer Antwort des Landesinnenministeriums auf eine Anfrage der Grünen hervor, über die am Mittwoch auch die "Neue Osnabrücker Zeitung" berichtete. Demnach registrierten die Landespolizeibehörden im Zeitraum von Januar bis März 291 Delikte mit mutmaßlich rechtem Hintergrund. Neben dem allgemeinen Rückgang ist vor allem ein starker Rückgang bei der Anzahl der Übergriffe auf Flüchtlingsunterkünfte festzustellen, so das Innenministerium. Wurden im Jahr 2016 noch 71 Delikte in diesem Zusammenhang erfasst, verringerte sich die Anzahl im ersten Halbjahr auf acht Straftaten.

Das Ministerium warnte zudem, dass Quartalszahlen einer großen Schwankungsbreite unterliegen. Taten würden meist relativ nah zum Tatzeitpunkt mit der ersten Bewertung erfasst, wo die Ermittlungen am Anfang stehen. Es könne dazu führen, dass diese Einschätzung im Verlauf der Ermittlungen korrigiert werden muss. "Daher ist der Vergleich von Quartalszahlen nur bedingt aussagekräftig", hieß es aus dem Ministerium. Ob es sich bei dem Rückgang um einen langfristigen Trend handelt, bleibe daher abzuwarten.

Hannover und Göttingen bleiben Schwerpunkt 

In den Jahren 2015 und 2016 verzeichnete die Polizei jeweils rund 1600 Straftaten - in keinem Quartal jedoch weniger als 300. Im ersten Quartal 2017 blieben die Stadt und Region Hannover, aber auch die Stadt Göttingen ein räumlicher Schwerpunkt. In der Landeshauptstadt und im Umland ereignete sich den Angaben zufolge jede fünfte mutmaßlich rechte Straftat.

Die Landtagsabgeordnete Julia Willie Hamburg (Grüne) warnte ebenfalls: "Der Rückgang ist erfreulich, darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir in einigen Regionen des Landes noch immer ein handfestes Problem mit Nazi-Strukturen haben." Als Ursache für den Rückgang sieht sie vor allem auch eine Verschiebung der Debatten-Schwerpunkte. Die rechtsextreme Szene habe sich zuletzt sehr stark über die Themen Flüchtlinge und Migration definiert. "Der öffentliche Fokus geht weg von der Flüchtlingsdebatte", sagte sie.

Rubriklistenbild: © dpa/dpaweb

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Sportwerbewoche des TSV Süstedt

Sportwerbewoche des TSV Süstedt

Die Waffen sind weg: Farc-Krieg ist endgültig Geschichte

Die Waffen sind weg: Farc-Krieg ist endgültig Geschichte

Bund und Niedersachsen streiten über Zahl der Fipronil-Eier

Bund und Niedersachsen streiten über Zahl der Fipronil-Eier

Vorsicht: Im Straßenverkehr dieser Länder geht es gefährlich zu

Vorsicht: Im Straßenverkehr dieser Länder geht es gefährlich zu

Meistgelesene Artikel

Elterntaxis können der Kindes-Entwicklung schaden

Elterntaxis können der Kindes-Entwicklung schaden

Extravagant gegen Regen und Stromausfall

Extravagant gegen Regen und Stromausfall

Nach Tod eines 28-Jährigen: Mann stellt sich der Polizei

Nach Tod eines 28-Jährigen: Mann stellt sich der Polizei

Stadion-Revolution? Aufhebung von Pyro-Verbot ins Gespräch gebracht

Stadion-Revolution? Aufhebung von Pyro-Verbot ins Gespräch gebracht

Kommentare