Zwei Milliarden Jahre alt, jetzt das

„Rassistischer Stein“: Uni in den USA schafft 70-Tonnen-Felsbrocken ab

Wegen rassistischer Assoziationen setzten sich Studenten in Wisconsin, USA für die Entfernung eines riesigen Gletscher-Steins ein. Sie hatten tatsächlich Erfolg.

Madison, USA – Bereits im letzten Jahr löste er zahlreiche Proteste aus, nun ist er weg. Am vergangenen Freitag, dem 6. August, wurde ein zwei Milliarden alter Gletscher-Stein von seinem Platz, den er seit 1925 innehatte, entfernt. Rund 50.000 Dollar zahlte die Universität in Wisconsin für die Versetzung des 70 Tonnen schweren Steines. Der Grund: Studenten berichten, dass der Stein rassistisch sei.

Öffentliche Universität in Madison, Wisconsin:University of Wisconsin-Madison
Adresse:Madison, WI, Vereinigte Staaten
Studentenzahl:43.820 (2017)
Maskottchen:Bucky Badger

Wahrzeichen der Universität Wisconsin wird entsorgt – wegen rassistischer Assoziationen

Für Geologen ist es ein einzigartiges Relikt der Vergangenheit. Rund zwei Milliarden Jahre soll der 70-Tonnen-Brocken alt sein. Seit 1925 stand der „Chamberlin Rock“ auf dem höchsten Punkt des Campus – ein Wahrzeichen der Universität Wisconsin, das nun entfernt wurde. Zufolge des „Wisconsin State Journal“ soll der Brocken Assoziationen mit Grausamkeiten des Ku-Klux-Klans geweckt haben.

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhundert versetzten die Rechtsextremisten die Uni-Stadt Madison in Angst und Schrecken. Wie die Homepage der Universität Wisconsin berichtet, sei auch die Bildungsstätte nicht freizusprechen von der rassistischen Propaganda. Immer wieder habe es in jener Zeit auch rassistische Vorführungen und Schriften gegeben. Als Studenten der Universität dann einen Zeitungsartikel aus dem Jahre 1925 entdecken, geriet auch der 70-Tonnen-Brocken in die Kritik.

Universität Wisconsin: Ein 70-Tonnen Felsbrocken wurde wegen rassistischer Vorwürfe entfernt.

Sein offizieller Name leitet sich vom Nachnamen des Geologen und ehemaligen Universitätspräsidenten, Thomas Crowder Chamberlin, ab. Doch schon früh musste der Felsen für einen abfälligen Spitznamen herhalten. Geprägt vom Einfluss des Ku-Klux-Klans erhielt der Stein ein rassistisches Schimpfwort als Namen, der sich gezielt gegen schwarze Menschen richtete.

Studenten der „Black Student Union“ setzten sich für ein Entfernen des 70-Tonnen Brockens ein

Bereits im letzten Jahr forderte die „Black Student Union“ die Uni vehement auf, den Stein zu entfernen. Ein Jahr später folgte die Universität nun den Forderungen der aufgebrachten Studenten. Mit einem Bagger wurde der Felsen für umgerechnet 42.500 Euro versetzt, was durch private Spenden finanziert wurde.

„Den Stein als Monument von seinem prominenten Platz wegzubringen, schützt unsere Gemeinschaft vor weiteren Verletzungen, wobei gleichzeitig sein Wert für Bildungs- und Forschungszwecke für die Studenten erhalten bleiben kann“, sagte die Universität in einer Stellungnahme.

Abschaffen und Umbenennen, weil es diskrimiert: Ein Trend

Auch in Deutschland greift die Rassismus-Debatte um sich: Wissenschaftler haben schon über 1000 Vögeln aus Rassismus-Gründen umbenannt, auch der Wunsch alle Mohren-Apotheken in Deutschland umzubenennen hat längst eine Aktionsgruppe gefunden. Selbst der Keks-Hersteller Bahlsen hat nach Druck im Internet seine „Afrika-Waffeln“ umbenannt – dem Beispiel folgte Nestlé und gab dem „Negrita“-Keks einen neuen Namen: Den ursprünglichen Namen war Diskriminierung und rassistische Motivation vorgeworfen worden. Um sich genau dessen nicht weiter „schuldig“ zu machen, streicht der Hamburger HVV nun den Begriff „Schwarzfahrer“*– in Hamburg findet man nun alternative Bezeichnungen, andere Städte machen es ebenso.

Erleichterung in den USA über Abtransport des rassistischen Steins

In Madison macht sich Erleichterung breit, dass mit der Entfernung des Steins auch die Spuren des Ku-Klux-Klans verschwinden. Es sei nicht die Schuld des Felsens, dass er diesen schrecklichen und unglücklichen Spitznamen bekommen hat, stellt Kenneth Owens, ein Bewohner von Madison fest. „Aber die Tatsache, dass es verschoben wird, zeigt, dass die Welt heute ein bisschen besser wird.“ *24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Kayla Wolf/AP

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