Umfragen zeigen Trends

Nach Bundes-Notbremse: Quo vadis Homeoffice?

Zum 1. Juli fällt die Homeoffice-Pflicht. Die Wirtschaft jubelt. Die Gewerkschaften fordern eine dauerhafte Lösung. Ein zurück in die Vor-Corona-Zeit kann es nicht geben.

Hannover – Während der Corona-Pandemie führte die Bundesregierung die Bundes-Notbremse ein. Arbeitnehmer, die von zu Hause aus arbeiten konnten, mussten dies auch. Inzwischen können sich viele Arbeitnehmer auch in Niedersachsen gut vorstellen, auch weiterhin ihren Job aus den eigenen vier Wänden zu erledigen. Dies ergaben diverse Umfragen. Der Bundesverband der Deutschen Industrie fordert eine Aufhebung der Homeoffice-Pflicht sowie der Corona-Testpflicht in Betrieben – auch angesichts von Impffortschritten.

Welche Berufsklassen arbeitet zu Hause?2019
Wissenschaftler33,5 Prozent
Führungskräfte30,3 Prozent
Techniker und nichttechnische Berufe10,6 Prozent

Eine Befragung der Krankenkasse DAK-Gesundheit in Niedersachsen ergab, dass 41 Prozent der Menschen sich vorstellen können, künftig mindestens die Hälfte der Zeit zu Hause zu arbeiten. Hinzu kommen zehn Prozent, die fast gar nicht mehr ins Büro möchten. „Das Homeoffice ist mittlerweile bei den Arbeitnehmern fest etabliert. Sie haben gemerkt, wie gut es sich in den eigenen vier Wänden arbeiten lässt“, sagte DAK-Landeschef Dirk Vennekold. 

Ein ähnliches Ergebnis legte der Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) vor. Viele Beschäftigte wünschten sich einen gesunden Mix aus Präsenzarbeit und der Möglichkeit, mobil arbeiten zu können. „Zu diesem gesunden Mix gehören aber klare Spielregeln, denn spätestens die Pandemie hat die schwerwiegenden Probleme im Homeoffice sichtbar gemacht: Überlange Arbeitszeiten und unbezahlte Mehrarbeit, permanente Verfügbarkeitserwartungen, eine wackelige Ausstattung oder digitale Überwachung“, sagte DGB-Chef Reiner Hoffmann.

Mobiles Arbeiten bedeutet, an beliebigen Orten arbeiten zu können – auch im Freien.

Damit diese Form der Arbeit keine Grauzone des Arbeitsschutzes wird, fordert der DGB einen Rechtsanspruch auf Homeoffice oder mobiles Arbeiten und einen angemessenen Arbeitsschutz. 46 Prozent die im Homeoffice oder mobil arbeiteten, gaben bei einer Umfrage an, es komme „sehr häufig“ oder „oft“ vor, dass sie während der arbeitsfreien Zeit nicht richtig abschalten könnten. Von den Beschäftigten mit einem festen Arbeitsplatz sagten das nur 34 Prozent. 

Vor der Pandemie waren in Niedersachsen knapp elf Prozent der Beschäftigten mehrmals pro Woche im Homeoffice. Doch in der ersten Corona-Welle verdreifachte sich ihr Anteil: Im April und Mai 2020 waren 39 Prozent regelmäßig von zu Hause aus tätig. Vor der dritten Pandemie-Welle änderte sich dann trotz Homeoffice-Pflicht kaum noch etwas daran.

Arbeiten im Homeoffice: Mehrheit sieht sich produktiver

82 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass sich im Homeoffice dafür geeignete Aufgaben genauso gut erledigen lassen wie am normalen Arbeitsplatz in der Firma. Auch nach Monaten zu Hause sind sie mit diesem Modell weiterhin sehr zufrieden: Fast sechs von zehn empfinden sich sogar als produktiver und nehmen die Arbeit angenehmer wahr als im Büro.

Was die Beschäftigten vor allem schätzen, ist der Zeitgewinn, weil der Weg zur Arbeit wegfällt (68 Prozent). Die Aufgaben lassen sich nach Ansicht vieler auch gezielter über den Tag verteilen (60 Prozent), und sehr viele sind der Auffassung, dass sie Beruf und Familie besser miteinander vereinbaren können (76 Prozent).

Für viele Arbeitnehmer, auch in Niedersachsen, stellt sich die Frage: Möchte ich auch nach Corona mehr von zu Hause aus arbeiten? Oder sogar von dort aus, wo andere Urlaub machen? Die Lösung lautet Workation.

Bürokratische Aktionismus

Steffen Kampeter, Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände

Das die Arbeitgeber eine andere Sicht auf das Homeoffice haben als der DGB, dürfte klar sein. Dieser „bürokratische Aktionismus“ sei ein überflüssiges Einmischen der Politik gewesen, sagte der Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, Steffen Kampeter. Und weiter: „Wir Arbeitgeber haben beim Homeoffice geliefert und das werden wir auch weiterhin tun, da wo es interne wie externe Betriebsprozesse zulassen. Dafür brauchen wir keine Verordnung.“

„Eine Homeoffice-Regulierung ist weder nötig noch sinnvoll“, sagte Steffen Kampeter. „Damit die Wirtschaft wieder in Fahrt kommt, braucht sie die richtigen Rahmenbedingungen: Flexibilität und Freiräume für Innovationen statt weiterer Regulierungen.“

Schattenseiten von Homeoffice

Das Arbeiten von zu Hause hat auch Schattenseiten. So gaben 39 Prozent der Homeoffice-Beschäftigte an, von ihnen werde „sehr häufig“ oder „oft“ erwartet, außerhalb der Arbeitszeit per E-Mail oder Telefon erreichbar zu sein. 72 Prozent sagten, dass sie sich im Homeoffice weniger bewegen, 37 Prozent sogar deutlich weniger.

Um im Homeoffice arbeiten zu können, muss der Job geeignet sein. Ein weiteres Hindernis ist oft noch eine langsame Internetverbindung, also die Infrastruktur. Der Breitbandausbau hinkt in vielen Orten den Bedürfnissen hinterher. Inzwischen planen Firmen das Homeoffice mit ein. Etliche Unternehmen haben ihren Mitarbeitern schon flexiblere Arbeitsmodelle für die Zukunft zugesichert – einige gehen noch weiter und wollen das Homeoffice dauerhaft als neue Normalität etablieren.

Anmerkung der Redaktion: In diesem Text verwenden wir die Begriffe „Homeoffice“ und „mobiles Arbeiten“ als Synonym für „von zu Hause arbeiten“. (mit Material von der dpa)

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