26-Jähriger in Braunschweig vor Gericht

Prozessauftakt nach vereiteltem Sprengstoffanschlag

Braunschweig - Der Vorwurf ist drastisch: Sascha L. soll geplant haben, Polizisten in eine selbstgebaute Sprengfalle zu locken und zu töten. Dafür geprobt hatte er schon, doch dann wurde er festgenommen. Nun steht der Mann ab Mittwoch in Braunschweig vor Gericht.

Mit einem Sprengsatz wollte er nach Überzeugung der Anklage Polizisten töten: Ein 26 Jahre alter mutmaßlicher Sympathisant der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) steht von Mittwoch an wegen der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat in Braunschweig vor Gericht. Auch drei Unterstützer sind angeklagt.

Sascha L. soll sich Ende 2016 Materialien für einen fernzündbaren Sprengsatz besorgt haben. Im Januar dieses Jahres soll er so eine Bombe sogar schon zweimal erfolgreich in Northeim getestet haben, so zumindest geht es aus der Anklage der Generalstaatsanwaltschaft in Celle hervor.

Im Februar wurde der 26-Jährige dann aber festgenommen. Seine dschihadistische Überzeugung sei mit einem ausgeprägten Antisemitismus und massiven Vorbehalten gegen westliche Demokratien, insbesondere gegen die USA verbunden, hieß es von der Generalstaatsanwalt. Dort wird die Festnahme als „großer Erfolg bei der Terrorismusbekämpfung“ bezeichnet.

Die Probesprengungen seien zum Zeitpunkt des Zugriffs noch gar nicht bekannt gewesen, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. In der Vernehmung habe der Mann den Plan eingeräumt, Polizisten oder Soldaten in der selbstgebauten Sprengfalle zu töten.

In der Wohnung von Sascha L. fand die Polizei damals unter anderem die hochexplosive Chemikalie Acetonperoxid, weitere Chemikalien und elektronische Bauteile zur Herstellung einer Fernzündung. Nach den Ermittlungen wollte der mutmaßlihe Islamist aus etwa 15 Metern Entfernung töten.

14 Verhandlungstage sind geplant

Die drei mitangeklagten Männer sind 21, 27 und 28 Jahre alt. Sie sollen den Hauptangeklagten bestärkt und ihm teils auch Geld überwiesen haben. Nach dem Anschlag sollten zwei Bekennervideos veröffentlicht werden. Die Mitangeklagten wurden im April und Mai im Kreis Northeim, in Köln und im westfälischen Bünde festgesetzt.

Sascha L. und zwei der anderen Männer sitzen in Untersuchungshaft, nur der 21-Jährige ist noch auf freiem Fuß. Er kam nicht in U-Haft, weil bei ihm weder Flucht- noch Verdunkelungsgefahr besteht. Auch eine 25 Jahre alte Frau aus Hildesheim wurde zwischenzeitlich der Mittäterschaft verdächtigt, diese Vermutung erhärtete sich aber nicht.

Aus Sicht der Generalstaatsanwaltschaft hat das Verfahren gegen Sascha L. durchaus herausgehobenem Charakter. Ob der Mann weitere Kontakten zu anderen Islamisten in Niedersachsen hat, dazu wollte sich die Generalstaatsanwaltschaft nicht äußern.

Für das Verfahren hat die Kammer bisher 14 Verhandlungstage bis Ende Dezember geplant. Etwa 30 Zeugen und Sachverständige sind geladen.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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