„Einfach nur noch weg“

Ebrahim H. B. erklärt Ausreise nach Syrien

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Die Bundesanwaltschaft befragt einen IS-Rückkehrer zur Ausreise. Der Prozess findet vor dem Oberlandesgericht Celle statt.

Celle - Sie sollen für den IS in Syrien und im Irak gekämpft haben. Zwei junge Männer stehen in Celle vor Gericht. Wussten sie bei ihrer Ausreise, auf was sie sich einließen?

Im Prozess um zwei mutmaßliche IS-Terroristen aus Wolfsburg hat sich nun auch der zweite Angeklagte für seine Ausreise nach Syrien und den Irak gerechtfertigt. Er sei zu dem Zeitpunkt persönlich sehr gekränkt gewesen, ließ Ebrahim H. B. am Montag in einer Erklärung vor dem Oberlandesgericht Celle wissen. Im Frühjahr 2014 habe die Familie seiner Verlobten die bereits organisierte Hochzeit platzen lassen. „Ich fühlte mich dadurch total erniedrigt“, sagte der 26-Jährige. Er habe sich für die abgesagte Hochzeit überall rechtfertigen müssen. „Ich wollte einfach nur noch weg.“

Er schloss sich einer Gruppe radikaler Islamisten in Wolfsburg an und reiste zusammen mit anderen zum IS nach Syrien aus. Warum? Der Grund sei in erster Linie gewesen, „dass auch alle anderen gegangen sind“. Er habe zwar gewusst, dass es in Syrien Kampfhandlungen gibt, „wobei ich aber gehofft habe, in eine der Städte zu kommen, wo man keinen einzigen Patronenschuss hört“.

Die Bundesanwaltschaft wirft ihm und seinem Mitangeklagten Ayoub B. (27) vor, sich im Sommer 2014 der Terrororganisation Islamischer Staat angeschlossen zu haben und nach Syrien und in den Irak gereist zu sein. Ayoub B. soll sich an Kämpfen beteiligt haben, Ebrahim H. B. soll sich bereiterklärt haben, in Bagdad ein Selbstmordattentat zu verüben. Das gab H. B. vor Gericht zwar zu. Aber: „Hierfür habe ich mich dann gemeldet, weil ich ohnehin versuchen wollte, über den Irak zu flüchten.“ Der Anschlag wurde abgeblasen, weil einige IS-Leute verhaftet wurden.

Ebrahim H. B. reiste kurze Zeit später unter einem Vorwand in die Türkei aus und flüchtete von dort nach Tunesien und später nach Deutschland. Dort wurde er festgenommen. Er bezeichnete vor Gericht seine Zeit beim IS als „großen Fehler“.

Am dritten Prozesstag wurde auch der ältere Angeklagte, Ayoub B., nochmal intensiv befragt. Der 27-Jährige blieb dabei, nur um Koran-Unterricht zu bekommen und um humanitäre Hilfe zu leisten, nach Syrien gegangen zu sein. Hat er sich über die angebliche Koran-Schule informiert, wollte die Bundesanwaltschaft wissen? „Ich habe nicht recherchiert, ich habe O. vertraut“. O. war der in Wolfsburg agierende IS-Anwerber, von dem auch Ebrahim H. B. berichtet hatte.

dpa

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