Zu Prozessbeginn

Mediziner widerlegt Totschlagsvorwurf der Anklage

Hannover - Überraschende Wendung in einem Totschlagsprozess vor dem Landgericht Hannover: Gleich an erstem Verhandlungstag hat das Gericht die Untersuchungshaft für die 47-jährige Angeklagte aufgehoben, die ihre 67 Jahre alte Ex-Freundin im Streit getötet haben soll.

Das Gutachten, das der medizinische Sachverständige im Laufe des ersten Prozesstages vorlegte, ergab, dass nicht die Verletzungen vom Tattag zum Tode geführt haben, sondern Verletzungen, die sich das Opfer drei Tage zuvor zugezogen hat. Der dringende Tatverdacht eines Tötungsdelikts sei damit nicht mehr gegeben, entschied das Gericht. Der Prozess wegen der Gewaltattacke wird dennoch weitergeführt, wobei die Angeklagte nun mit einer geringeren Strafe rechnen kann. Nach der ursprünglichen Anklage war die Staatsanwaltschaft davon ausgegangen, dass die Angeklagte in ihrer Wohnung in Hannover auf Kopf und Oberkörper der 67 Jahre alten Ex-Freundin eingetreten hat. Außerdem soll sie auf den Brustkorb ihrer früheren Partnerin gesprungen sein, um sie zu töten. Auch Brüche von Schlüsselbein, Schulter und Rippen wurden später beim Opfer festgestellt.

Nachbarinnen riefen in der Nacht zum Ostersamstag dieses Jahres den Notarzt, doch dieser konnte nur noch den Tod der 67-Jährigen feststellen. Hintergrund der Tat waren nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft durch Eifersucht motivierte Streitigkeiten. Beide Frauen hatten vorher zusammen Bier und Schnaps getrunken.

Die Angeklagte mit den hellrot gefärbten, kurzen Haaren ließ zum Auftakt des Totschlags-Prozesses von ihrem Verteidiger eine Erklärung verlesen. Sie habe um nichts auf der Welt versucht, die 67-Jährige zu töten, heißt es darin. „Ihr Tod trifft mich sehr“, erklärte die langjährige Alkoholikerin. Seit ihrer Festnahme am 4. April habe sie keinen Alkohol mehr angerührt. Nach Darstellung der 47-Jährigen gab es am Karfreitag 2015 wie in der Vergangenheit „sporadische tätliche Auseinandersetzungen“ zwischen dem ehemaligen Paar. Von Verletzungen habe sie nichts gemerkt. In der Nacht habe sie die 67-Jährige dann plötzlich regungslos auf dem Balkon liegen gesehen. Sie habe Nachbarinnen gebeten, den Notarzt zu rufen und eine Herzdruckmassage versucht. Der Prozess wird am kommenden Montag fortgesetzt, Dienstag soll dann das Urteil gesprochen werden. dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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