Prozess um 100-fachen Mord

Ex-Pfleger Niels H.: Keine Erinnerung an mutmaßlich ersten Mord

Prozess gegen Krankenpfleger Niels Högel
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Niels H., angeklagt wegen Mordes an 100 Patienten an den Kliniken in Delmenhorst und Oldenburg, sitzt beim zweiten Prozesstag neben seiner Anwältin Kirsten Hüfken im Gerichtssaal.

Oldenburg - Wieso spritzt jemand reihenweise wehrlose Menschen zu Tode? Der frühere Pfleger Niels H. hat sich zu seinen Taten vor Gericht geäußert.

Der wegen 100-fachen Mordes angeklagte Ex-Pfleger Niels H. hat vor Gericht ausgesagt, sich an seine mutmaßlich erste Tat nicht erinnern zu können. Er könne zu dem Tod einer Patientin im Februar 2000 auf einer Intensivstation in Oldenburg nichts sagen, sagte der 41-Jährige.

Die Tötung eines Patienten im Juli 2000 bestritt er vor dem Landgericht Oldenburg. "Das ist einer der wenigen Patienten, bei denen ich sagen kann, dass ich da keine Manipulation vorgenommen habe." Einen dritten Fall gestand er.

Wegen sechs Taten auf der Delmenhorster Intensivstation sitzt er bereits lebenslang in Haft.

Am ersten Prozesstag vor drei Wochen hatte H. die Vorwürfe größtenteils eingeräumt. Von diesem Mittwoch an wollen ihn die Richter in Oldenburg ausführlich zu jeder einzelnen Tat befragen. Zunächst soll es dabei um den Tod von 30 Patienten am Klinikum Oldenburg gehen, wo der Krankenpfleger seit Juni 1999 arbeitete.

Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft ermordete er dort erstmals im Februar 2000 eine Patientin. In den nächsten Jahren soll er immer wieder kranke Menschen eine tödliche Medikamentendosis gespritzt haben, um diese anschließend wiederbeleben zu können. Die Ermittler gehen davon aus, dass er das aus Langeweile tat und um vor Kollegen sein Können zu beweisen.

Später wechselte H. ans Klinikum Delmenhorst und tötete dort erneut Patienten. Die wohl größte Mordserie in der deutschen Nachkriegsgeschichte nahm erst ein Ende, nachdem eine Krankenschwester H. im Sommer 2005 auf frischer Tat erwischte. Dennoch dauerte es Jahre und zwei Gerichtsverfahren, bis das gesamte Ausmaß der Verbrechen ans Licht kam.

Rund 120 Nebenkläger wollen in dem neuen Prozess erfahren, was mit ihren Verwandten geschehen ist und warum diese sterben mussten. Wegen des großen Andrangs hat das Landgericht die Verhandlung in eine Kongresshalle nahe des Bahnhofs verlegt. Für die Aussage von H. haben die Richter vier Prozesstage eingeplant. Ab Januar wollen sie dann die ersten Zeugen hören.

dpa

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