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Autokorso in Hannover mit Pferdemist beworfen

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Ein Autokorso in Hannover wurde wegen vermeintlich prorussischer Ausrichtung von Gegendemonstranten blockiert – und mit Pferdemist beworfen.

Hannover – Ein Autokorso in Hannover wurde am Sonntag, 10.04.2022, von Gegendemonstranten mit Pferdemist beworfen und blockiert. Grund hierfür war die Annahme, die Teilnehmer seien Befürworter des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine. Auf wie große Teile des Autokorsos der Vorwurf tatsächlich zutrifft, ist schwer zu sagen – ähnliches gilt für weitere Veranstaltungen im Bundesgebiet.

Vermeintlich prorussischer Autokorso in Hannover mit Pferdemist beworfen

Der Vorwurf der Gegendemonstranten war klar: Der Autokorso in Hannover am Sonntag, 10. April 2022, war Ausdruck Kriegs-befürwortender Gesinnung. Als Reaktion blockierten mehrere Gegendemonstranten die Demonstration mit einer Sitzblockade, andere bewarfen eines der Fahrzeuge mit Pferdemist. Die Demonstration verlief unter strengen Auflagen, zuvor hatte Niedersachsen bereits das „Z“ Symbol verboten.

Autokorso in Kaufbeuren.
Demonstranten sammeln sich in Kaufbeuren für einen Autokorso. Auch dort hatte es Demonstrationen gegen die Diskriminierung von Russen in Deutschland gegeben. © Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Der Autokorso selbst war unter dem Motto „Gegen Volksverhetzung, Mobbing, und Diskriminierung der russischen Bevölkerung“ angemeldet worden. Tatsächlich hatte es seit Kriegsbeginn immer wieder Schilderungen russophober Übergriffe in Deutschland gegeben. Welcher Teil der Demonstration tatsächlich Kriegs-befürwortende Inhalte vertrat und das Motto als Vorwand dafür nahm, und welcher nicht, lässt sich von außen nur schwer sagen.

Ähnliche Autokorsos auch in Stuttgart und Frankfurt

Autokorsos unter ähnlichen Mottos hatte es in den vergangenen Tagen nicht nur in Niedersachsen, sondern auch in anderen Städten gegeben, darunter Frankfurt und Stuttgart. In Stuttgart etwa hatte sich Autokorso gegen die Diskriminierung russischsprachiger Menschen formiert, das Motto der Veranstaltung lautete „Gegen die Diskriminierung russisch sprechender Menschen“. Bevor die Kolonne mit etwa 200 Fahrzeugen sich in Bewegung setzte, wurde unter anderem die russische Nationalhymne abgespielt. Die stellvertretende Sprecherin der Mitorganisation, Sana Schenke, erklärte laut SWR, man solle aufhören, russischsprachige Menschen in Deutschland zu diskriminieren, zumal es allen um ein friedliches Miteinander ginge.

Ein sich formierender Autokorso in Frankfurt wurde hingegen von den Behörden verhindert. Sie erklärten, der Aufzug durch Frankfurt sei für den Sonntag nicht gestattet. Einige Teilnehmer sollen laut Behördenangaben Botschaften wie „Donbass gehört zu Russland“ verbreitet haben. Die Stadt hatte sich entschieden, den ursprünglich für rund 700 Fahrzeuge angemeldeten Demonstrationsaufzug nicht zuzulassen. Auf dem Frankfurter Opernplatz versammelten sich derweil mehrere hundert Demonstranten unter dem Motto „Gegen Hetze und Diskriminierung der russischsprachigen Mitbürger/Gegen Krieg – Für Frieden“. Auch an weiteren Orten, wie Kaufbeuren, hatte es in den letzten Tagen Autokorsos gegeben.

Strenge Auflagen für Autokorsos und deutliche Forderungen des umstrittenen Ukraine-Botschafters

Die Autokorsos in den verschiedenen Städten hatten unter strengen Auflagen der Behörden stattgefunden. In Stuttgart etwa gab es wie auch andernorts die Auflage, keinerlei Bezüge zum Krieg in der Ukraine herzustellen. Im Zuge der Demonstrationen in verschiedenen deutschen Städten hatte es innenpolitische Diskussionen gegeben. Innenministerin Nancy Faeser (SPD) etwa erklärte, „Das Zeigen des ‚Z‘ verherrlicht Kriegsverbrechen und kann deshalb unserer Ansicht nach strafrechtlich verfolgt werden“

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Der umstrittene Botschafter der Ukraine in Deutschland, Andrij Melnyk, formulierte weitaus drastischere Forderungen: Melnyk erklärte, russische Fahnen und andere staatliche Symbole auf Demonstrationen sollten verboten werden. Der Botschafter sagte der dpa: „Das Tragen aller offiziellen Symbole eines Aggressor-Staates - wie der russischen Fahne - müsste per Gesetz verboten werden, solange Russland diesen Vernichtungskrieg gegen die ukrainische Nation führt“. Melnyk selbst ist umstritten: Erst kürzlich hatte der Ukraine-Botschafter das rechtsradikale Asow-Bataillon als „mutige Kämpfer“ bezeichnet.*kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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