Delta-Welle

Anreize für Geimpfte: So wird weltweit die Impfmüdigkeit bekämpft

Eine Corona-Impfung wird verabreicht.
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Mit Privilegien versuchen derzeit viele Regierungen, ihre Bürger zum Impfen zu animieren. (Symbolbild)

In vielen Ländern steigen derzeit wieder die Corona-Infektionszahlen und die Furcht vor einer vierten Welle ist groß. Weltweit wird versucht, dass Impftempo zu steigern.

Hannover – In England macht sie bereits 97 Prozent aller Neuinfektionen mit dem Corona-Virus aus: Die deutlich ansteckendere Delta-Variante ist europaweit auf dem Vormarsch. Auch in Israel, wo bereits 56 Prozent aller Erwachsenen voll durchgeimpft sind, zogen zuletzt die Infektionszahlen wieder an. Mit jüngst 320 Neuinfektionen innerhalb von 24 Stunden war die Zahl der Erkrankten dort so hoch wie seit einem Vierteljahr nicht mehr.

Corona-ImpfstoffImpfstoff-Typ
Biontech/Pfizer (Comirnaty)mRNA
ModernamRNA
Astrazeneca (Vaxzevira)Vektor
Johnson & JohnsonVektor

So wie in Israel sieht es derzeit in vielen Ländern in Europa und weltweit aus. Die Infektionszahlen steigen zwar nur leicht, aber sie steigen zunehmend. Herr über diesen Trend will man werden, indem das Impftempo weltweit gesteigert werden soll. US-Präsident Joe Biden erklärte anlässlich des amerikanischen Unabhängigkeitstages am vergangenen Sonntag, 4. Juli 2021, das Impfen zu einer „patriotischen Pflicht“. Aber, diese Appelle scheinen nicht viel zu nutzen, denn fast überall lässt das Impftempo nach.

Privilegien für Geimpfte: So will Griechenland die vierte Corona-Welle brechen

Beispielsweise in Griechenland. Wurden dort vor einigen Wochen noch rund 120.000 Impfdosen am Tag verabreicht, sind es inzwischen mit nur noch rund 90.000 Dosen gut ein Viertel weniger. Das Fatale: In dem Ferienland sind erst 38 Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft, 48 Prozent haben immerhin bisher die erste Dosis erhalten.

Das sorgt vor allen Dingen bei Experten für Sorge, denn jüngst stieg die 7-Tage-Inzidenz*, also die Anzahl der Neuinfektionen hochgerechnet auf 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen, von 25 auf aktuell 48,5. Sobald die 50er-Marke geknackt wird, wird Griechenland durch das Robert-Koch-Institut als Risikogebiet ausgewiesen – mit allen dazugehörigen Reiseeinschränkungen.

Um die Bürgerinnen und Bürger nun wieder vermehrt in die Impfzentren zu locken, bieten die Griechen ihren geimpften Bürgern wesentliche Erleichterungen und Privilegien, Ungeimpfte hingegen müssen mit Einschränkungen rechnen, berichtet das Handelsblatt. Größtes Problem in Griechenland: 18- bis 25-Jährige. Von dieser Personengruppe sind nur 13 Prozent das erste Mal geimpft. Und so bekommt derzeit jeder Bürger zwischen 18 und 25, der sich impfen lässt, ein Guthaben über 150 Euro auf sein Smartphone. Das kann für Reisen und kulturelle Veranstaltungen ausgegeben werden. Mit Erfolg: Die Anmeldungen zur Impfung aus dieser Altersgruppe steigen enorm.

Wer hingegen nicht geimpft ist, muss sich in Zukunft in Griechenland wohl auf Erschwernisse einstellen. Laut Wirtschaftsminister Adonis Georgiadis könnte deren Testpflicht enorm ausgeweitet werden, etwa auf Reisen mit der Bahn, dem Überlandbus oder bei öffentlichen Veranstaltungen. Die Rechnung dahinter ist ziemlich simpel: Da die Tests selber bezahlt werden müssen, ziemlich teuer sind und nur 72 Stunden gültig, hofft man in Athen, dass die Helenen sich zur Impfung durchringen.

Eine weitere Überlegung an der Ägäis ist, im Falle eines weiteren Lockdowns beispielsweise die Restaurants nur noch für Geimpfte zu öffnen. Ministerpräsident Mitsotakis formulierte es sehr harsch: „Die Zeche werden nicht die Geimpften bezahlen.“

Langsames Impftempo: Frankreich denkt über Impfpflicht nach

In Frankreich hingegen ist die Regierung mit dem momentanen Impftempo noch zufrieden. Doch auch hier kündigt sich die Delta-Variante und eine mögliche vierte Welle ab Ende Juli an. Derzeit ist eine Impfpflicht in Frankreich deshalb zumindest im Gespräch. Laut Präsident Emmanuel Macron sei dies zwar momentan noch nicht notwendig, wenn aber eine Rate von 80 bis 90 Prozent nicht erreicht werde, müsse man zumindest darüber nachdenken.

Allerdings ist derzeit ganz konkret eine Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen, wie etwa Altenpfleger oder Lehrer, im Gespräch.

Trotz Impfmüdigkeit ist eine allgemeine Pflicht in der Schweiz nicht möglich

In der Schweiz hingegen, hat das Impftempo wieder etwas nachgelassen, berichtet das Handelsblatt. Doch: Im Alpenstaat ist eine generelle Impfpflicht tabu, weil gesetzlich nicht machbar. Aber: Wer sich in der Schweiz nicht impfen lassen will, der muss mit Einschränkungen rechnen; etwa bei Großveranstaltungen. Wer keine Impfung hat, der muss sich dort eben testen lassen.

Der schweizerische Gesundheitsminister Alain Berset schließt eine allgemeine Impfpflicht aus. Dies gilt allerdings nicht für einzelne Berufsgruppen.

Auch wenn in der Schweiz keine allgemeine Impfpflicht möglich ist, so wird laut Gesundheitsminister Alain Berset zumindest darüber nachgedacht, diese für bestimmte Berufsgruppen einzuführen. Da beispielsweise die Impfbereitschaft bei Pflegepersonal in der Schweiz nachlässt, könnte diese Berufsgruppe demnächst betroffen sein. Zumindest ein regelmäßiger Test müsse verpflichtend sein, kündigte Berset an.

Delta-Variante: Israel kämpft mit extrem steigenden Infektionszahlen

Die vierte Welle kündigt sich derzeit auch in Israel an, obwohl hier bereits 56 Prozent der Erwachsenen vollständig geimpft sind. Doch hier macht die Delta-Variante Probleme*. Die John-Hopkins-University registrierte jüngst 320 Neuinfektionen innerhalb von 24 Stunden. So viele wie seit einem Vierteljahr nicht mehr. Das Fatale daran: neun von zehn Infektionen beruhen auf der Delta-Variante. Allerdings: Aufgrund der hohen Impfquote sind kaum schwere Verläufe in Israel zu beobachten. Trotzdem macht der Regierung hier vor allen Dingen eine Gruppe zu schaffen: die 12- bis 15-Jährigen. Erst zehn Prozent aus dieser Gruppe sind bis jetzt geimpft.

Um hier die Impfbereitschaft zu erhöhen, wird in Israel wieder darüber nachgedacht, den sogenannten „Grünen Pass“ wieder zu aktivieren. Dann wären bei Veranstaltungen nur noch Geimpfte zugelassen, Eltern von infizierten Kindern müssten dann wieder in Quarantäne.

Anreize für Geimpfte: So will Russland die vierte Corona-Welle brechen

In Russland geht in Sachen Impfung hingegen so gut wie nichts. Präsident Vladimir Putin schloss in einer TV-Ansprache zwar eine landesweite Impfpflicht aus. Dies gilt allerdings nicht auf regionaler Ebene. Bei einer entsprechenden Lage wären Zwangsmaßnahmen also durchaus möglich.

In der Hauptstadt Moskau wird dies bereits so praktiziert, weil die Ansteckungszahlen enorm sind. Wer sich in einem Moskauer Krankenhaus behandeln lassen möchte, der erhält eine medizinische Versorgung seit Juli nur noch mit einem Impfausweis. Das Gleiche gilt auch für Behördentermine, wenn man sich nicht vorher anmeldet. Ältere Bürger ab 60 Jahren lockt die Stadtverwaltung in Moskau mit Warengutscheinen zum Impftermin.

Der russische Präsident Vladimir Putin schloss in einer TV-Ansprache eine landesweite Impfpflicht aus.

In mehreren Regionen gilt zudem der Impfausweis als Alternative zu einem PCR-Test bei einem Restaurantbesuch. Selbst der bei den Russen so beliebte Schwarzmeer-Urlaub ist nun nur noch mit einem Impfnachweis möglich. Zudem machen die Behörden Vorgaben zu den Impfquoten bei bestimmten Berufsgruppen. So sollen 60 Prozent der Angestellten im Dienstleistungssektor bis Mitte Juli zumindest einmal geimpft sein. Wer sich weigere, müsse sich eben eine andere Arbeit suchen, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow. * kreiszeitung.de, merkur.de und hna.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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