Priester bittet Missbrauchsopfer um Vergebung

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Der Angeklagte Andreas L. (r) sitzt am Donnerstag (19.01.2012) im Landgericht in Braunschweig mit seinem Anwalt Andreas Zott. Wegen sexuellen Missbrauchs in 280 Fällen muss sich der katholische Pfarrer vor dem Landgericht verantworten.

Braunschweig - Ein katholischer Priester aus Salzgitter hat seine Opfer um Verzeihung gebeten. Der 46-Jährige muss sich wegen hundertfachen sexuellen Missbrauchs von drei Jungen verantworten.

Das Verfahren im Landgericht Braunschweig ging heute in die Schlussrunde: Am Nachmittag wollten Staatsanwaltschaft, Verteidigung und Nebenkläger ihre Plädoyers halten. Wann es ein Urteil gibt, ist noch offen. Der katholische Pfarrer hatte zu Prozessbeginn gestanden, die Jungen im Alter zwischen neun und 15 Jahren insgesamt 280 Mal missbraucht zu haben - teilweise sogar kurz vor der Messe. Für sein umfassendes Geständnis bot das Gericht dem Geistlichen einen Deal an: Er muss maximal sechseinhalb Jahren ins Gefängnis.

Solche Absprachen zwischen Richter, Staatsanwalt und Verteidigung gibt es immer wieder, um Verfahren abzukürzen oder Opfern eine Aussage zu ersparen. Nach der Aussage einer weinenden Mutter, deren zwei Kinder von dem Mann missbraucht worden waren, sagte der Priester: „Ich möchte Dich und Deinen Sohn um Vergebung bitten.“ Die Frau arbeitete ehrenamtlich in der Gemeinde, wo der Geistliche tätig war, sie sagte am Donnerstag als Zeugin gegen ihn aus. Die Mutter betonte, ihre Familie sei arglos gewesen und habe dem Pfarrer vertraut. Der Geistliche sei sowohl zusammen mit ihrer ganzen Familie als auch nur mit den beiden Söhnen allein im Urlaub gewesen. „Ich habe das Gefühl, ich habe es mit einem Menschen mit zwei Gesichtern zu tun“, sagte die Frau.

Der Pfarrer war bei seiner Gemeinde sehr beliebt. Die Mutter erzählte, sie werde inzwischen von einigen Gemeindemitgliedern gemieden. Auch die Aussage des ersten Opfers wurde am Donnerstag im Gericht verlesen. Der heute 17-Jährige war im Alter von neun Jahren zum ersten Mal missbraucht worden. „Anfangs wusste ich nicht, dass es nicht in Ordnung war, was Andreas mit mir machte“, heißt es in der Aussage. Nach jahrelangem Schweigen brachte der Jugendliche den Prozess im vergangenen Sommer mit seiner Anzeige ins Rollen, nachdem der Priester erneut Kontakt zu ihm gesucht hatte. „Er hat mir das Gefühl gegeben, dass ich etwas Besonderes bin“, schilderte der Junge.

Mit Geschenken, Geld und einem Handy habe der Priester versucht, ihn zu beeindrucken. „Ich fühle mich furchtbar ausgenutzt und möchte nichts mehr mit ihm zu tun haben“, betont er heute. Auch eine Erziehungsberaterin sagte aus - sie war von der Mutter des 17-Jährigen 2006 um Hilfe gebeten worden, weil ihr Kind auffällig geworden war. Die Beraterin fand das Verhalten des katholischen Pfarrers damals überheblich. Er habe massiv Grenzen überschritten und sich in die Familie eingemischt, sagte sie. Von sexuellem Missbrauch hatte der Junge damals aber noch nicht gesprochen. dpa

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