Teure Rohstoffe

Preise für Holz, Gas und Stahl steigen weiter – Erholung nicht in Sicht

Die Rohstoffpreise gehen durch die Decke. Während sich Aktionäre und Anleger die Hände reiben, leidet die verarbeitende Industrie unter dem Preisdruck.

Hannover – Wirtschaftsfaktor Holz: Neben der Corona-Pandemie treibt kein Thema die deutsche Wirtschaft derzeit so um wie die steigenden Preise für Rohstoffe und Vorprodukte. Denn die Materialknappheit ist eklatant und an allen Ecken und Enden spürbar.

Holz+ 38,4 Prozent
Mineralölerzeugnisse+ 36,8 Prozent
Roheisen, Stahl+ 33,6 Prozent
Metalle:+ 23,1 Prozent
Energie:+ 14,9 Prozent
Strom+ 13,0 Prozent
Wellpapier/-pappe+ 12,8 Prozent
Erzeugerpreise+ 7,2 Prozent
Baukies und natürliche Sande+ 5,9 Prozent

Schlimmer noch: Es fehlt überall. Denn noch vor wenigen Wochen hatten besonders die produzierenden Firmen auf eine Entspannung auf dem Rohstoffmarkt spekuliert, ja sie sich förmlich erhofft. Stattdessen bewahrheitet sich mal wieder das alte Sprichwort: erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Denn von einer Entspannung kann nun wirklich keine Rede sein.

Rohstoffpreise für Holz, Gas, Stahl oder Kunststoff: Kein Ende der Preisspirale in Sicht

Ganz im Gegenteil: Laut einer Umfrage von der Stuttgarter Beratungsgesellschaft Horvath von Anfang Juli rechnen die meisten Firmen keineswegs mit einer Erholung. Stattdessen gehen viele Industriebetriebe davon aus, dass ein Ende der Preisspirale noch längst nicht in Sicht ist. Somit könnte sich der Preiskampf auf dem europäischen Markt um beliebte Rohstoffe wie Holz, Gas oder Stahl sowie Kunststoff oder Methanol möglicherweise noch weiter zuspitzen.

Die rund 1000 europäischen Unternehmen, die an der Studie teilgenommen haben, befürchten gar eine Preissteigerung im zweistelligen Prozentbereich.

Gründe für die stabil hohen Preise sind: Leere Lager und eine eingeschränkte Angebotslandschaft. Die hohe Nachfrage trägt ebenfalls zur Preisentwicklung bei. Allein die Preise für Kunststoffe und Chemikalien befinden sich weiterhin auf allerhöchstem Niveau. Geschuldet ist diese Entwicklung immer noch den Nachwirkungen und Entwicklungen der Corona-Pandemie. Diese hatte zur Folge, dass internationale Lieferketten massiv gestört worden waren und nur langsam wieder in Gang kamen.

Rohstoffpreise: Holz so teuer wie nie

Besonders beim Rohstoff Holz gehen Preise sprichwörtlich wie bei Heizöl, Saatgut und Benzin durch die Decke. Im Vergleich zum September 2020 ist Holz mittlerweile gar doppelt so teuer. „Alle zwei bis drei Tage werden die Rohstoffpreise nach oben angepasst. Den Trend geben Nordamerika und China vor, wo die Preise bereits um ein Drittel höher sind als in Europa“, erklärt der Horvath-Pricing-Experte Danilo Zatta gegenüber dem Handelsblatt.

Rohstoffpreise: Gas, Kunststoff und vor allem Holz wird wieder teurer.

Aus diesem Grund erwarten die Experten noch einen weiteren Anstieg bis Jahresende. Hier stehen Preissteigerungen bis zu 33 Prozent im Raum. Verantwortlich dafür sind die hohe Nachfrage nach Möbeln und das kontinuierliche Niveau beim Bauen und Renovieren, was während der Pandemie zu einer der beliebtesten Freizeitbeschäftigungen der Deutschen avancierte.

Des Weiteren befürchten die Holzlieferanten Lieferengpässe und führen die zunehmende Ausbreitung der hochansteckenden Delta-Variante als Begründung an. Die sibirische Lärche, die hierzulande ungemein populär ist, bleibt auf dem deutschen Markt infolge der früheren Lockdowns bis heute Mangelware. Eine Problematik, die die das schwedische Möbelhaus Ikea durch Holzimport mehr oder minder legal umgeht.

Stahl ist knapp: Lagerbestände gleiche gähnender Leere

Noch schlechter sieht tatsächlich beim Stahl aus: Der Rohstoff Warmstahl verzeichnete seit Jahresbeginn einen Anstieg um 60 Prozent. Auch sind sich Experten einig, dass auch hier das Ende des Preisanstiegs noch nicht in Sicht ist. Die Branche geht von einem weiteren Hoch und einem Anstieg von bis zu 18 Prozent aus.

Die neuen Preise sind auch mit der explodierenden Nachfrage nach Stahl zu erklären, die auf dem Weltmarkt besteht. Zu allem Überfluss schauen die Anbieter auf leere Lager, da sie aufgrund der hohen Nachfrage ihre Bestände nahezu aufgebraucht haben. Auch ein Blick nach China verspricht keine Besserung.

Denn die Volksrepublik, die de facto rund die Hälfte der weltweiten Stahlproduktion auf sich vereint, hat sich vom größten Stahlexporteur quasi zu Importeur gewandelt. Die Verantwortung für diese Entwicklung trägt die hohe Nachfrage auf dem Binnenmarkt, die selbst die außerordentliche Stahlindustrie im Reich der Mitte kaum nachzukommen vermag.

Autobranche geht am Stock: Hohe Rohstoffpreise und der Mangel an Halbleitern setzt Konzernen wie VW zu

Zu Beginn des Jahres hatten die Autokonzerne noch zaghafte Hoffnung gehegt, dass der Mangel an Halbleitern in der zweiten Jahreshälfte sich nicht mehr so aufreibend darstellen würde. Tatsächlich ist diese Hoffnung aber nicht eingetreten. Stattdessen sorgt der Halbleitermangel weiterhin dafür, dass die Produktion wie im VW-Werk nicht so reibungslos läuft wie sich die Aktionäre aber auch der Vorstand es sich vorstellt.

Mittlerweile hat die Branche die Erwartungen für das laufende Geschäftsjahr deutlich zurückstuft und schaut nicht mehr ganz so positiv auf die Zahlen. Ursprünglich hatte Deutschlands wichtigster Industriezweig mit einem soliden Plus von acht Prozent geplant. Nun gehen die Zahlenjongleure bei einem PKW-Absatz von drei Millionen Fahrzeugen nur noch von einem Plus von drei Prozent aus.

Halbleiterkrise sorgt für Einschnitte in der Halbjahresbilanz bei VW, BMW und Daimler

Vor allem in Malaysia lässt die Autokonzerne kritisch auf das zweite Halbjahr blicken. Zunehmende Corona-Ausbrüche sorgen für massive Einschränkungen bei der Produktion. Das asiatische Land ist einer der wichtigsten Standorte in der Endproduktion von Halbleiter-Chips.

Volkswagen hat bereits angekündigt, dass sich die Halbleiterkrise auch in der zweiten Halbjahresbilanz niederschlagen wird. Ähnliche Äußerungen waren auch von BMW und aus dem Hause Daimler zu vernehmen.

Chemie: Hersteller fahren wohl Rekordgewinne ein

Während einige Branchen also ganz schön unter der Krise zu kämpfen haben, kann und will sich die Chemieindustrie momentan nicht beschweren. Reihenweise passten Hersteller ihre Prognosen in den vergangenen Tagen und Wochen an. Die anhaltende Nachfrage und die gute Auftragslage seien aber nur die eine Seite der Medaille. Vielmehr sind es wohl die kontinuierlich hohen Preise, die ihre Spuren in den Bilanzen der Anbieter hinterlassen.

Bei BASF führt die Entwicklung auf dem Weltmarkt geradewegs zu einer Gewinnexplosion. Allein im zweiten Quartal sind die Preise des größten Chemiekonzerns der Welt noch einmal durchschnittlich um 35 Prozent gestiegen. Ein Trend, der sich laut BASF auch bis zum Jahresende nicht wandeln wird, sodass die Gewinnprognose für das Jahr 2021 nochmals vom Unternehmen angepasst wurde.

Des einen Freud ist ja bekanntlich des anderen Leid. Denn während sich die Aktionäre über ein traumhaftes Geschäftsjahr freuen, kommt die verarbeitende Industrie ganz schön ins Schwitzen. Schließlich sorgt der Preisanstieg für einiges an Mehrkosten, die die Firmen nicht so einfach aus der Portokasse zahlen können.

Die Chemieexperten der Baader Bank zweifeln daran, dass sich an diesem Umstand im dritten Quartal 2021 etwas ändern wird. Die logistischen Probleme in Kombination mit den Angebotsengpässen werden bis dato nicht aus der Welt zu schaffen sein. Stattdessen prognostizieren vorsichtig für das vierte Quartal eine leichte Entspannung der Lage.

Das heißt für die verarbeitende Industrie, dass sie sich bis dato warm anziehen muss – und das ist keineswegs aufs Wetter bezogen. * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Philipp von Ditfurth/Ina Fassbender/Volkswagen/dpa & McPHOTO/IMAGO

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