Radikalisierung in Niedersachsen

Präventionsstelle erhält mehr Hinweise auf junge Islamisten

Hannover - Bei der Präventionsstelle gegen islamistische Radikalisierung in Niedersachsen ist die Zahl der Hinweise auf gefährdete junge Leute in den vergangenen Monaten stark angestiegen.

Neben einem erheblichen Anteil junger Frauen seien es inzwischen auch die Kinder von Islamisten, die auffällig werden, sagte der Leiter der vor eineinhalb Jahren gestarteten Beratungsstelle, Christian Hantel. "Wir haben eine große Dynamik und ein ungemeines Fallaufkommen." Inzwischen sei die Präventionsstelle um einen auf fünf Berater aufgestockt worden, auch um auf die steigende Nachfrage von Schulen nach Präventionsarbeit einzugehen. Weitere Verstärkung sei geplant.

Bei knapp der Hälfte der Beratungsfälle gehe es um junge Leute von 12 bis 18 Jahren, sagte Hantel. 85 Prozent der Betroffenen seien nicht älter als 24 Jahre. Der Frauenanteil pendele von Monat zu Monat zwischen 24 und 28 Prozent. Dabei verlaufe die Radikalisierung junger Frauen schneller und anders als bei Männern. Sie geschehe verstärkt über das Internet und die Jugendlichen isolierten sich dabei stärker. Da auch radikalisierte Familien Nachwuchs hätten, gebe es teils bereits in der Grundschule Auffälligkeiten.

24 Fälle allein im August

Nachdem die Beratungsstelle im ersten Jahr ihres Bestehens bis April in 74 Fällen drohender Radikalisierung Hilfe geboten hatte, gingen alleine im August 24 Fälle über eine bundesweite Hotline ein. Zusätzliche Hinweise gab es von Schulen sowie im Bereich unbegleiteter, minderjähriger Flüchtlinge. Die Beratungsstelle wurde auf Initiative des Sozialministeriums gegründet und wird mit Beteiligung der muslimischen Verbände in Niedersachsen betrieben.

Ein möglicher Zerfall der Terrormiliz Islamischer Staat werde die Radikalisierungsgefahr junger Leute hierzulande nicht beenden, warnte Hantel. "Der gedankliche Zufluchtsort und die Problematik bleibt erhalten."

Hantel ist an diesem Montagabend Teilnehmer eines Expertenforums des Niedersächsischen Verfassungsschutzes in Hannover zum Umgang mit der Radikalisierung Jugendlicher und junger Erwachsener. Neben Verfassungsschutzpräsidentin Maren Brandenburger werden dort der Kriminologe Christian Pfeiffer und der Psychologe Ahmad Mansour erwartet.

dpa

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