Einfluss nicht messbar

Kommunalwahlkampf: Plakatekleben bleibt unverzichtbar

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Ein Mann klebt in Lehrte (Niedersachsen) ein Wahlkampfplakat der SPD für die Kommunalwahl in Niedersachsen. 

Hannover - Schlagworte, Gesichter und Versprechen: Vor der Kommunalwahl in Niedersachsen am 11. September werben die Parteien in etlichen Städten bereits mit Plakaten für sich und ihre Kandidaten. In anderen Kommunen wollen die Politiker erst nach den Sommerferien Plakate kleben.

Bei der Frage, was die Plakatwerbung mit mehr oder weniger inspirierenden Botschaften in Zeiten von Internet und sozialen Medien noch bringt, gehen die Meinungen auseinander, wie eine dpa-Umfrage ergab.

"Es gibt keine messbaren Werte, ob Plakate etwas bringen oder nicht", räumt die Geschäftsführerin der CDU in Hannover, Magdalena Matyja, ein. "Wenn wir nicht plakatieren, würden die Menschen nicht wissen, dass die Wahl stattfindet." 7000 Plakate hängen CDU-Wahlhelfer in der Landeshauptstadt auf, zunächst geht es um Themen wie Sicherheit und Sauberkeit, später folgen noch die Köpfe der Kandidaten.

"Wir wollten den anderen Parteien vorschlagen, auf das Plakatieren zu verzichten, weil wir da nicht viel Sinn drin sehen", meint die scheidende Ratsfrau der Grünen in Rinteln, die Ex-Landtagsabgeordnete Ursula Helmhold. Die CDU hatte zu dem Zeitpunkt aber bereits erste Wahlwerbung aufgehängt. "In Zeiten sozialer Medien hat das Plakat an Bedeutung verloren." Ohnehin vermittelten die Plakate häufig nur "dusselige Allgemeinplätze". Die Grünen setzen in Rinteln daher auf einen Haus-zu-Haus-Wahlkampf.

Die SPD in Bückeburg beginne erst im August mit dem Plakatieren, meint der Stadtverbandsvorsitzende Jens Meier. Je früher Plakate hingen, desto eher würden sie "künstlerisch bearbeitet" oder schlicht entwendet. Ziel der Werbung seien knappe Botschaften, die man im Vorbeifahren lesen könne. Soziale Medien seien für die Vermittlung von Argumenten besser geeignet, erreichten aber nur eine Minderheit.

In Wolfsburg beginnen CDU und SPD erst Ende Juli mit dem Plakatieren. "Wir wollen den Menschen nicht während der Ferien damit auf den Geist gehen", sagt CDU-Kreisvorsitzende Angelika Jahns. Die CDU wird in einer ersten Runde mit Porträts ihrer Kandidaten werben, in einer zweiten sollen dann Slogans folgen. "Das Plakatieren schafft Aufmerksamkeit - für alle Generationen. Nur über das Internet erreicht man dagegen nicht alle", meint Jahns.

"Es bringt heute nichts mehr, wenn man nur Plakate mit einem Gesicht darauf hat. Das finden die Menschen langweilig", meint der Braunschweiger SPD-Vorsitzenden Christos Pantazis. "Man braucht einen Eyecatcher und einen einprägsamen Spruch." Auch in Braunschweig wollen SPD und CDU erst zum Ende der Ferien anfangen, Plakate aufzuhängen. "Ich halte das sonst für zu früh. Der Aha-Effekt ist irgendwann völlig vergeben."

Der SPD-Landesverband hat eine Gestaltungslinie für die Wahlplakate entworfen, die er seinen örtlichen Verbänden anbietet. Sie kann übernommen werden, muss aber nicht. In Göttingen beispielsweise hat man darauf verzichtet, das vom Landesverband vorgeschlagene durchgängige Pferdemotiv aufzugreifen. "Das Thema Pferde ist bei uns in der Region nicht so präsent" sagte Gregor Motzer, Wahlkampfleiter im Unterbezirk Göttingen. Statt dessen setze man auf eine stark personalisierte Kampagne um den Landrat Bernhard Reuter. "Man muss bei solchen Plakaten sehen: In der Regel fährt man an ihnen vorbei", so Motzer. Da seien Bild und Name des Kandidaten die beste Botschaft.

In der Region Hannover wirbt die SPD mit Fotos von Bürgern in verschiedenen Lebenslagen. "Sie soll immer gut versorgt sein" steht etwa unter dem Bild einer älteren Dame. "Es geht um sozialen Zusammenhalt und gegenseitige Fürsorge", sagt dazu Geschäftsführerin Uta Biermann. Die Menschen kämen auf sehr unterschiedliche Weise zu ihrer Wahlentscheidung. "Plakate machen neugierig und treffen die emotionale Ebene."

3000 bis 4000 Plakate will die AfD im Raum Osterholz-Verden aufhängen. Außer mit bundesweiten Themen etwa zu Wirtschaft, Steuern und Einwanderung wolle man auch auf kommunale Sonderthemen setzen, meint der AfD-Kreisvorsitzende Thorben Freese.

Der SPD-Unterbezirk Cuxhaven setzt ausschließlich auf Plakate in Großformat von zwei Meter mal 3,50 Meter. Davon sind 14 in der Stadt und 24 im Landkreis zu sehen mit unterschiedlichen Motiven. Im Endspurt werden dann sogenannte "Störer" über die Plakate geklebt mit inhaltlichen Botschaften etwa zum Arbeitsmarkt, zur Verkehrssituation und zur prekären Lage der Milchwirtschaft.

dpa

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