Niedersachsen modernisiert 

Pistorius: Polizei bei der Ausrüstung gut aufgestellt

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Auch Schlagstöcke gehören zur neuen Ausrüstung der Polizei Niedersachsen.

Hannover - Schnellere Auswertung von Tatort-Daten, besserer Selbstschutz der Beamten: Niedersachsens Polizei rüstet auf. Die Basis hat dabei ein gewichtiges Wörtchen mitzureden. Probleme gibt es aber bei den Einsatzwagen: sie platzen wegen der Ausrüstung nun aus allen Nähten.

Neue Hightech-Schlagstöcke, mobile Labore, 3D-Scanner - Niedersachsens Polizei steckt unter Einbindung seiner Basis gerade in einer umfassenden Modernisierung ihrer Ausrüstung. Sie wird auch unter dem Eindruck der jüngsten Terroranschläge angepasst und legt den Akzent auf den Selbstschutz der Beamten sowie eine optimierte Arbeit an Tat- und Unfallorten. 

Dazu zählen auch neuartige Abreißfolien vor den Visieren der Polizeihelme, wie sie erstmals beim G20-Einsatz in Hamburg erprobt wurden. Sie sollen den Beamten auch dann klare Sicht unter dem Schutzvisier erlauben, wenn sie von Demonstranten mit schwarzer Farbe besprüht worden sind.

Auch verbesserte Visiere gehören zur neuen Ausrüstung der Polizei in Niedersachsen.
Neue Ausrüstung der Polizei Niedersachsen

Die Beteiligung von Einsatzkräften bei Beschaffung und Auswahl der anzuschaffenden Materialien hat nach Angaben von Innenminister Boris Pistorius (SPD) bundesweiten Modellcharakter. "Das verkürzt nicht nur die teilweise sehr langwierigen Auswahlverfahren deutlich, sondern verhindert schon frühzeitig, dass womöglich Ausstattungsgegenstände angeschafft werden, die später einem Praxistest nicht standhalten", sagte er am Montag in der Zentralen Polizeidirektion Niedersachsen (ZPD) in Hannover. Ein dritter Workshop ist für Ende des Monats geplant. Auch die Gewerkschaft der Polizei (GdP) äußerte sich positiv - dieses Verfahren komme bei den Beamten an der Basis sehr gut an.

Eine Arbeitsgruppe der Polizei prüft angesichts der umfangreicher werdenden Ausrüstung zur Zeit, welche bisher mitgeführten Materialien künftig wegfallen können. Beamte hatten nach GdP-Angaben geklagt, dass in den Einsatzfahrzeugen kaum noch Platz sei angesichts der immer voluminöser werdenden Ausrüstung. 

"Die Kollegen sagen uns immer wieder: Wir brauchen mehr Platz, um unter Einsatzbedingungen zu den Orten des Geschehens fahren zu können", so der GdP-Landesvorsitzende Dietmar Schilff. Die Ausrüstung mit Schutzanzügen, schusssicheren Westen und Helmen sowie anderen Selbstschutz-Materialien habe enorm zugenommen. Dadurch sei deutlich mehr Platz in den Fahrzeugen nötig.

Mehr Geld für Polizei-Ausrüstung 

Niedersachsens Innenministerium hat seit 2015 die Mittel für die Ausstattung der Polizei von 28 Millionen Euro jährlich auf über 33 Millionen Euro aufgestockt. Zu den getesteten Gegenständen gehören neben schusssicheren Helmen auch ein modernes Lasermessverfahren, das eine zehnmal schnellere und detailliertere Tatort-Auswertung als bisher ermöglicht. Markierungen sind damit nicht mehr nötig. 

Es wurde bereits bei 65 Einsätzen - darunter 48 Unfällen erfolgreich getestet. Ein laut Pistorius bundesweit einmaliges mobiles Polizeilabor im Wert von einer halben Millionen Euro soll zudem schnelle Analysen sichern.

Die mehr als 1000 Streifenwagen im Land sind mittlerweile mit ballistischen Platten für die schusssicheren Westen ausgestattet, die auch aus Gewehren verschossene Hartkerngeschosse aufhalten. Die Anschaffung von 5000 dieser Platten schlug mit rund 1,5 Millionen Euro zu Buche. Weitere neue Ausrüstungsmaterialien im Test sind Übergangswesten in gelber Signalfarbe oder reißfeste Handschuhe, mit denen auch Tastbildschirme bedient werden können.

Neue Ausrüstung der Polizei Niedersachsen.

Probleme gab es beim Nachrüsten von Maschinenpistolen des Typs MP5, da der Hersteller in den vergangenen Jahrzehnten bei jeder Baureihe geringfügige Abweichungen hatte. Rund 300 MP's müssen daher angepasst werden. Das verursache aber wenig Aufwand und Kosten: "Das sehen wir sehr unaufgeregt", sagte Alfred Soetbeer vom Landespolizeipräsidium.

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