Pinkelfahrten, Harzer Roller und Bullenschluck

Mit einer Überhangmarke von 2,43 Metern steht im ostfriesischen Suurhusen (Kreis Aurich) die Kirche mit dem schiefsten Kirchturm der Welt

Hannover - Von Sigrun Stock. Was wird eigentlich bei einer „Pinkelfahrt“ gemacht? Für viele Süddeutsche ist das eine leicht befremdlich klingende Veranstaltung. Sie gehört zu den Besonderheiten Niedersachsens, genauso wie der schiefste Turm der Welt, der Harzer Roller und die ostfriesische Palme.

Doch es gibt auch viele Halbwahrheiten rund um Leben zwischen Küste, Harz und Heide. In einem neuen Buch, das in dieser Woche erschienen ist, hat Fernsehmoderator Ludger Abeln nun aufgelistet, warum die Niedersachsen stolz auf ihr Land sein können, auch wenn die Bayern ihnen beispielsweise bei der Zahl der Schützenvereine locker den ersten Rang ablaufen.

Der Moderator, gebürtiger Emsländer, hat „Populäre Niedersachsen-Irrtümer“ erforscht und dabei festgestellt:„Vieles von dem, was man sicher zu wissen glaubt, entpuppt sich bei genauem Hinsehen als Irrtum oder Missverständnis.“ So sei selbst im Norden vielen Menschen nicht klar, das „Moin“ nicht „Guten Morgen“ bedeutet, sondern zu jeder Tages- und Nachtzeit gesagt und genauso gut mit „Guten Tag“ oder „Guten Abend“ übersetzt werden kann.

 „Wenn ich im Land unterwegs bin, erlebe ich oft, dass man im Süden Niedersachsens die ein oder andere falsche Vorstellung vom Norden hat - und umgekehrt“, sagt Moderator Abeln. Der „Harzer Roller“ ist so ein Beispiel. Das Wort ist zwar auch als Spitzname für einen bekannten SPD-Politiker gebräuchlich, die meisten Menschen verbinden damit aber den Käse mit intensiv-kernigem Geschmack. Ursprünglich jedoch waren Harzer Roller Kanarienvögel, die die Bergleute im Harz mit unter Tage nahmen. „Wurde die Luft knapp, fingen die Roller an zu singen und die Kumpel verließen den Schacht“, erläutert Ludger Abeln.

Auch die „ostfriesische Palme“ ist in ganz Niedersachsen bekannt, dort allerdings vor allem unter dem Namen Grünkohl. Der Kohl wird vor allem in Vereinen gerne gemeinsam verspeist - doch die Einladung zu einer „Pinkelfahrt“ löst bei manch einem Bayern zunächst befremdetes Kopfschütteln aus. Dass mit „Pinkel“ die Wurst zum Kohl gemeint ist, das wissen nur die wenigsten Lederhosen.

Rätselhaft ist noch der genaue Hintergrund des Namens „Bullenschluck“ - das Kultgetränk aus Sulingen im Kreis Diepholz hat weder mit Polizisten noch mit Rindviechern etwas zu tun. Zwar steht auf dem Etikett, dass sich die Flüssigkeit besonders „bei Lahmheit der Pferde, Rinder und Zugochsen“ empfiehlt. Die Mär besagt jedoch, so berichtet Ludger Abeln, dass der umtriebige Erfinder des Getränks, ein Apotheker, mit einer Deklaration als Heilmittel die hohe Alkoholsteuer umgehen wollte.

Amtlich hingegen ist seit dem Jahr 2007, dass in Niedersachsen der schiefste Turm der Welt steht. Im ostfriesischen Suurhusen nördlich von Emden hat der über 500 Jahre alte Turm der örtlichen Kirche eine Neigung von 5,19 Grad - damit ist er schiefer als der Turm von Pisa, wie sogar das Guinness Buch der Rekorde 2007 offiziell bestätigte.

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