Lüneburger Lehrer-Urteil beendet Klassenfahrt-Boykott

Hannover - Gute Nachrichten für Niedersachsens Gymnasiasten: Nach dem Urteil des Oberverwaltungsgerichtes wollen die meisten Gymnasiallehrer ihren Boykott von Klassenfahren beenden.

Die Lehrer nähmen die Entscheidung zum Anlass, Klassenfahrten wieder zu machen, sagte der Vorsitzende des niedersächsischen Philologenverbandes, Horst Audritz, am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur in Hannover. Letztlich bleibe die Entscheidung - wie bislang auch - aber jedem Lehrer im Land freigestellt. „Ich muss dazu sagen, dass die Kollegen damit rechnen, dass das Urteil zügig umgesetzt wird“, betonte Audritz.

Generell habe das Urteil, so Audritz weiter, für viel Jubel in den Lehrerzimmern gesorgt. „Für Lehrer ist das sicherlich ein Feiertag gewesen. Und ganz spontan haben ganz viele gesagt: Jetzt gehen wir wieder mit Freude zur Schule, jetzt machen wir wieder unsere freiwilligen Leistungen, und dazu gehören auch die Klassenfahrten.“

Die Richter in Lüneburg hatten am Dienstag entschieden, dass die von SPDund Grünen eingeführte einstündige Erhöhung der Unterrichtszeit verfassungswidrig ist. Als Reaktion auf die Erhöhung hatten viele Lehrer im Land beschlossen, zunächst keine Klassenfahrten mehr betreuen zu wollen.

Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) kündigte zudem an, das Gespräch mit den Pädagogen suchen zu wollen. „Die Ministerin wird auf die Verbände zugehen“, sagte ihre Sprecherin. Ungeachtet dessen werde die Landesregierung nun prüfen, ob und wie gegen das Urteil vorgegangen werden kann und welche Konsequenzen sich daraus ableiten.

Von der Erhöhung der Unterrichtsverpflichtung sind landesweit rund 17 000 Lehrer betroffen, bis Ende des Schuljahres würden sie rund 680 000 Schulstunden zusätzlich leisten. Müsste das Land nun diese Stunden nachträglich bezahlen, würde dies eine zusätzliche Belastung von etwa 40 Millionen Euro pro Jahr bedeuten. Woher das Geld dafür kommen soll, ist offen. Denkbar sind neue Schulden oder Umlagerungen. Die CDU-Fraktion forderte für den Fall, dass die Landesregierung nicht zeitnah einen Nachtragshaushalt vorlegt, eine Sondersitzung des Landtags.

Die Landesregierung schloss ferner eine unabhängige Arbeitszeiterfassung der Lehrer nicht aus. Eine Umsetzung des Urteils sei frühestens aber im nächsten Schuljahr zu erwarten. Die zwischenzeitlich geleistete Mehrarbeit der Lehrer werde wahrscheinlich über Zeitarbeitskonten „abgebummelt“, hieß es.

Die am Vortag gegen Heiligenstadt erhobenen Rücktrittsforderungen der Opposition wies Regierungssprecherin Anke Pörksen auch mit Hinweis auf die von der Landesregierung gemeinschaftlich getragenen Beschlüsse zurück. „Der Ministerpräsident sieht keine Veranlassung dafür“, sagte sie.

Rubriklistenbild: © dpa-avis

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