„Pferde werden zu Tode geritten“

Pferde-Einschläferung bei Olympia: Heftige Kritik an Reitsport

Das Pferd „Jet Set“ musste nach einem Sturz bei den Olympischen Spielen in Tokyo eingeschläfert werden. Stimmen von Reitsport-Kritikern werden immer lauter.

Tokyo - Das Schweizer Olympia-Vielseitigkeitspferd „Jet Set“ von Reiter Robin Godel ist eingeschläfert worden. Nach einem Geländeritt bei den olympischen Spielen in Tokyo hatte sich das 14-jährige Pferd bei einer Landung in einer Wasserkombination einen Bänderriss im rechten Bein zugezogen, so der Dachverband Swiss Olympic am Sonntag. „Aufgrund der Schwere der Verletzung und den damit einhergehenden Schmerzen musste das Pferd kurz darauf eingeschläfert werden“, hieß es in einer Mitteilung. Die Verletzung sei zu schwer und irreparabel gewesen.

TierrechtsorganisationPeople for the Ethical Treatment of Animals (Peta)
Gründung22. März 1980
HauptsitzNorfolk, Virginia, Vereinigte Staaten
GründerIngrid Newkirk, Alex Pacheco

Dass Pferde nach Reitsportveranstaltungen eingeschläfert werden müssen, ist längst kein Einzelfall. Erst Ende Juni fand auf der Galopprennbahn „Neue Bult“ in Langenhagen bei Hannover das erste Pferderennen seit der Corona-Pause statt. Dabei stürzte ein Rennpferd vor den Augen von 500 Zuschauern und musste noch auf der Rennbahn eingeschläfert werden.

Das Vielseitigkeitspferd Jet Set wurde nach einem Sturz bei Olympia eingeschläfert.

Von 2015 bis zum Sommer 2019 wurden laut PETA allein bei Galopprennen mindestens 50 Pferde noch auf den Rennbahnen getötet. Die Dunkelziffer liege nach Schätzungen der Organisation deutlich drüber. PETA übte nach dem Pferdesturz in Langenhagen erneut Kritik an der Situation von Pferden im Reitsport.

Tierrechtsorganisation Peta kritisiert Vielseitigkeits-Reiten

So wurde auch nach dem Sturz von Pferd „Jet Set“ bei Olympia erneut Kritik am Vielseitigkeitsreiten laut. „Der Tod von ‚Jet Set‘ war weder ein Unfall, noch ist es ein Einzelfall. Bei der Vielseitigkeit werden immer wieder Pferde zu Tode geritten“, so Peta-Fachreferent Peter Höffken gegenüber dem Sender Eurosport. Eine Disziplin bei denen bestimmte Teilnehmer mit Gewalt über einen lebensgefährlichen Parcour gezwungen werden, entehre den olympischen Geist, ergänzte Höffken.

Peta: „Ausbildung nicht ohne Schmerzen zu erreichen“

Bereits vor den beiden Vorfällen geriet Pferdesport immer wieder auf das Radar der weltweit größten Tierrechtsorganisation. Auf der Internetseite von Peta ist zu lesen: „Die Ausbildung des Pferdes ist nicht ohne Schmerzen zu erreichen. Die Ausbildung gewinnt deshalb eine moralische Dimension, weil sie einem artifiziellen und insofern auch verzichtbaren Anliegen des Menschen entspricht“. Hochrechnungen der Deutschen Reiterlichen Vereinigung hatten ergeben, dass etwa 1,3 Millionen Pferde in Deutschland leben. Über 6000 Tiere würden jedes Jahr aufgrund von „Sportverletzungen“ oder zu Fleischgewinnung getötet werden.

Im Vielseitigkeitsreiten sind höchste Konzentration von Pferd und Reiter gefragt.

Vielseitigkeits-Reiten als „Krone der Reiterei“

Reitsport-Fans bezeichnen das Vielseitigkeits-Reiten gerne als die „Krone der Reiterei“. Bei der Disziplin würden Elemente aus der Dressur, dem Springen und Geländeritt miteinander verbunden werden. Dabei müssen Pferd und Reiter über Gräben und Holzhindernisse springen. Überschreitet ein Reiter die vorgegebene Zeit, bekommt er Strafpunkte. Bei schweren Unfällen sei es üblich, das Tier einschläfern zu lassen. Vergangenes Jahr gewann ein 13-jähriger Reiter aus dem Landkreis Diepholz bei dem Bundesnachwuchschampionat Vielseitigkeit Gold und Bronze – sein Pferd ist glücklicher Weise wohl auf.

Turnier in Valencia: Reitsport-Pferde sterben an Herpes

Bereits am Anfang des Jahres kam es zu einem Pferdesterben im Reitsport zu einem mehrfachen Tiersterben. Im spanischen Valencia kämpften Hilmar Meyer mit zahlreichen Mitstreitern um das Leben vieler Pferde. Damals sind die Tiere in einer Turnier-Serie plötzlich an Herpes EHV 1 erkrankt. Mindestens sechs seien daran gestorben, 83 Tiere hätten klinische Anzeichen des Virus gezeigt.

Dass es Reitpferden auch gut haben können, zeigt das Rennpferdegestüt „Hof Castanea“ in Holtorf im Landkreis Oldenburg regelmäßig bei einem Tag der offenen Tür. Dort gewährt das Gestüt Einblicke hinter die Kulisse der Pferdezucht. .* kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA. (Artikel aktualisiert am 05. August, 9.53 Uhr)

Rubriklistenbild: © dpa/Friso Gentsch

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