Tier und Mensch in Gefahr

Pestizid-Alarm: Mehr als zwei Drittel der deutschen Wälder vergiftet

Der Einsatz von Pestiziden hat vor allem in Niedersachsen in den letzten Jahren dramatisch zugenommen. Das Gift soll Borkenkäfer in den heimischen Wäldern bekämpfen.

Hannover - Borkenkäfer und ihre Bekämpfung bedrohen die deutschen Wälder immer drastischer. In den letzten acht Jahren erhöhte sich der Einsatz von Pestiziden um das Vierzehnfache. Experten schlagen Alarm: das gesamte Ökosystem ist in Gefahr.

Bundesland:Niedersachsen
Fläche:47.614 km²
Bevölkerung:7,982 Millionen (2019)
Hauptstadt:Hannover

Die Folgen des Pestizid-Einsatzes haben größere Auswirkungen auf Flora und Fauna als vorerst angenommen. Nicht nur die Schädlinge, allen voran der Borkenkäfer, sind davon betroffen. Auch andere Insekten, die für das Ökosystem wichtig sind, fallen dem Gift zum Opfer.

Der schonungslose Einsatz von Pestiziden hat einen Einfluss auf die gesamte Nahrungskette in den deutschen Wäldern. Die betroffenen Insekten sind die Nahrungsquelle für viele Vögel, Fledermäuse und andere Waldbewohner. Das Umweltbundesamt ist besorgt.

Schädlinge und Pestizide gefährden deutsche Wälder

Die Mehrheit der Deutschen ist gegen den Einsatz von Pestiziden

Eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts forsa aus dem letzten Jahr zeigt ganz deutlich, dass die Umwelt den Deutschen am Herzen liegt. Von über eintausend Befragten in allen Bundesländern sprechen sich 77 Prozent gegen den Einsatz von Pestiziden aus. Das Risiko für die eigene Gesundheit wird von 57 Prozent der Befragten als groß bis sehr groß eingestuft.

Fehlende Studien und gute Alternativen - dennoch werden Pestizide weitergesprüht

Im Kreuzfeuer steht vor allem das Insektizid „Karate Forst flüssig“ des Konzerns Syngenta. Dem schon im Vorjahr vom Umweltbundesamt geforderten Einreichen von Studien über die Wirkung des Mittels wurde bisher nicht nachgekommen. Die Folgen sind unabsehbar. Trotzdem darf es weiterhin verwendet werden. Anlass zur Sorge gibt es beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) keinen. Man sähe keine gute Alternative zur Schädlingsbekämpfung.

Dass eine umweltfreundliche Alternative allerdings sehr wohl existiert, zeigte das Bundesland Rheinland-Pfalz in den letzten beiden Jahren eindeutig: befallene Baumstämme wurden entrindet und einen halben Kilometer entfernt von den angrenzenden Wäldern gelagert. Da Borkenkäfer nur in diesem Radius aktiv sind, können sie sich durch diese Maßnahmen nicht auf weitere Bäume ausbreiten.

Profite sind wichtiger als das Wohl heimischer Wälder

Laut dem ndr-Magazin Panorama sind der Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) und andere Umweltverbände von diesen Maßnahmen allerdings nicht überzeugt. Sie kritisieren, dass der Transport und die Lagerung teurer sind als der Einsatz von Pestiziden. Man wolle den Baumbestand kurzfristig vor dem Borkenkäfer schützen. Studien über die Langzeitfolgen für Flora und Fauna fehlen noch. (Mit Material von dpa) *kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Rubriklistenbild: © dpa/Ulrich Perrey/Daniel Karmann/Uwe Anspach/Matthias Udwardi

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