Betreuung wird gekürzt

Kita-Personalmangel in Niedersachsen: Ausfälle am laufenden Band

Ein kleines Mädchen rollt mit ihrem Laufrad zum Eingang einer städtischen Kindertagesstätte.
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Das neue Kita-Gesetz, das seit diesem Sommer in Niedersachsen gilt, stellt die Verantwortlichen vor fast unlösbare Aufgaben: Es fehlen aktuell 4000 Erzieherinnen im ganzen Bundesland. Bundesweit sollen es sogar 230.000 sein. (Symbolbild)

Mit dem Kita-Gesetz kommen Probleme in Niedersachsen: In fast allen Kindertagesstätten fehlt es an Personal. Eine schnelle Lösung des Problems ist nicht in Sicht.

Hannover/Sottrum – Die Hoffnungen waren groß, dass sich in niedersächsischen Kindertagesstätten mit dem neuen Kita-Gesetz etwas zum Guten wendet. Überfällig sei die Reform des Gesetzes gewesen, das seit 27 Jahren galt, ist man sich auch in Sottrum sicher, wie Kita-Koordinatorin Nina Pohl und Erzieherin Anika Peters der Kreiszeitung im Sommer berichteten. Seit dem Sommer 2021 nun gilt das neue Gesetz über Tageseinrichtungen für Kinder, aber die gewünschten Verbesserungen treten nicht ein. Das Problem: Für den gewünschten Personalschlüssel fehlen schlicht Erzieherinnen. Rund 4000 sind es an der Zahl, wie der NDR unter Berufung auf den Niedersächsischen Städte- und Gemeindetag berichtet.

Bundesland:Niedersachsen
Hauptstadt:Hannover
Einwohner:8.003.421 (Stand: 31. Dezember 2020)
Ministerpräsident:Stephan Weil (SPD)

Das Problem dabei: sind nicht genügend Erzieherinnen vor Ort in einer Kindertagesstätte – pro Gruppe sollen es mindestens zwei sein – müssen die Betreuungszeiten beschnitten werden. Bedeutet konkret: Die Kitas müssen in den Notbetrieb wechseln. Sehr zum Ärger der Eltern, die von den Umständen, beispielsweise wenn eine Erzieherin krank wird, erst morgens erfahren. Wer dann nicht maximal flexibel ist, der schaut in die Röhre. Auch bundesweit besteht ein Problem mit Personalmangel an Kitas*, hat jüngst eine Studie herausgefunden.

Betreuung in Niedersachsens Kitas gekürzt: Probleme wegen Personalschlüssel

„Wir begrüßen im Grundsatz die Initiative der Landesregierung als einen wichtigen ersten Schritt zu einer besseren personellen Ausstattung in allen Kindergartengruppen. Die landesweiten, andauernden Proteste, angeregt durch ein breites Aktionsbündnis von Kirchen, Verbänden und Gewerkschaft haben deutlich gezeigt, wie notwendig verbesserte Rahmenbedingungen in den Kindertagesstätten sind“, sagte Hans-Jochaim Lenke, Vorstandssprecher der Diakonie in Niedersachsen noch im Sommer.

Doch inzwischen hat auch Lenke die Realität eingeholt, wie er gegenüber dem NDR zugeben musste: „In manchen Regionen ist es ein eklatantes Problem für alle Träger.“ Die Arbeitswirklichkeit in den Kitas habe sich komplett verändert. Diese Veränderungen habe das 27 Jahre alte Gesetz lange schon nicht mehr abgebildet. „Und die nun vorliegende Novelle wird von vielen Akteuren als komplett unzureichend wahrgenommen.“

Kern des Problems sind die Standards, die im Zuge des Gesetzes beim Kita-Personal festgelegt worden sind. Eigentlich sollte damit die frühkindliche Bildung einen neuen Qualitätsstandard erreichen. So müssen auch in den Randzeiten morgens und abends zwei Erzieherinnen je Kita-Gruppe verfügbar sein. Das gilt auch für Kleingruppen mit bis zu zehn Kindern. Ein Blick ins alte Gesetz verrät: Früher hätte hier eine Fachkraft gereicht, um den Kita-Betrieb zu sichern.

Da die Personaldecke aber in den Kindertagesstätten sowieso sehr dünn ist, reicht schon eine Krankmeldung am Morgen aus, um das ganze System zum Umfallen zu bringen. Laut dem neuen Kita-Gesetz bleibt den Verantwortlichen nicht viel mehr, als in solchen Fällen schließlich die Betreuungszeit zu kürzen und damit die Qualität der frühkindklichen Erziehung.

Betreuungszeiten in Niedersachsens Kitas werden gekürzt: Neue Probleme im Herbst und Winter

Aber nicht nur der ländliche Raum – wie etwa in Sottrum – ist von dem Problem des Personalmangels betroffen. In Hannover hat die Stadt jüngst mit einem Brief die Eltern auf bevorstehende Einschnitte vorbereitet. „Die Leitungen der Kindertagesstätten werden hierzu das Gespräch mit Ihnen suchen und im Falle von Einschränkungen versuchen, frühestmöglich zu informieren“, schreibt die Stadt an die Eltern laut einem Bericht im NDR.

Gerade mit Blick auf die Pandemie und die erste Grippe-Welle der Saison könnten Eltern und Kita-Verantwortliche schon im Herbst und Winter vor riesige Betreuungsprobleme gestellt werden. Das bestätigt auch Diakonie-Landesvorstand Lenke: „Die Mitarbeitenden sind wegen der Pandemie erschöpft“, zitiert der NDR. Viel Luft nach oben scheint nicht mehr zu sein.

Im zuständigen Kultusministerium ist die schlechte Lage in den Kitas durchaus bekannt, trotzdem will man in Hannover an den eingesetzten Personalstandards weiter festhalten. Schließlich rücke das neue Gesetz mit höherem Personalschlüssel das Kindeswohl in den Mittelpunkt.

Betreuungszeiten in Niedersachsens Kitas werden gekürzt: 4000 Fachkräfte fehlen in Niedersachsen

Doch all das Jammern hilft in der aktuellen Situation nicht viel. Denn wie der NDR berichtet, fehlen laut dem Niedersächsischen Städtetag im ganzen Land rund 4000 Fachkräfte für die Kindertagesstätten – bundesweit sollen es laut einer Bertelsmann-Studie sogar 230.000 fehlende Erzieherinnen sein*. Gleichzeitig sind aber während der Corona-Pandemie die Geburtenzahlen nach oben geschossen. Der Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz kommt da nur noch obendrauf, der Zuzug von Flüchtlingen verschärft das Problem weiter. Auch der kostenlose Kindergarten, den Niedersachsen inzwischen eingeführt hat, treibt mehr Eltern dazu, ihre Kinder in einer Kita betreuen zu lassen.

Um dem Problem ansatzweise Herr zu werden, hat das Land inzwischen die Ausbildungskapazitäten massiv ausgeweitet. So würden sich nun jedes Jahr etwa 500 Personen mehr an den Fachschulen im Land zur Erzieherin oder zum Erzieher ausbilden. Dabei ist auch der Beruf der Sozialassistentin gefragt. Bis die aber fertig sind und in den Kitas ihre Arbeit aufnehmen können, wird noch einige Zeit ins Land gehen. * kreiszeitung.de, 24hamburg.de und merkur.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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