Notrufsäulen am Strand

Per Buzzer Leben retten an Badeseen

Badeseen sind eine Alternative zum Freibad. Doch wenn eine Person am Ertrinken ist, zählt jede Sekunde. An einigen Badeseen gibt es nun Notrufsäulen. Doch Wachmannschaften können sie nicht ersetzen.

Hannover – Man kennt sie von Autobahnen. Künftig könnten sie vermehrt auch an Badestellen in Niedersachsen zum Einsatz kommen: Über Notrufsäulen sollen Ersthelfer bei Unfällen an Seen und Flüssen zügig Rettungskräfte alarmieren können. Handys würden von Ausflüglern oft nicht mit zum Baden an Seen oder Flüsse genommen, sagte Andreas Mihm von der Björn-Steiger-Stiftung, auf deren Initiative die Notrufsäulen zurückgehen. Die Alarmmelder könnten im Notfall wertvolle Zeit sparen und so Leben retten.

Gründung DLRG1913
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Das Prinzip sei ähnlich wie bei den Notrufsäulen an Fernstraßen, erklärte Mihm. Per Knopfdruck kann ein Notruf an die örtliche Rettungsleitstelle übermittelt werden. „Das funktioniert sogar da, wo es nur ein schwaches Handynetz gibt“, sagte Mihm. Alle Säulen seien mit einer speziellen Mobilfunk-Technik ausgerüstet. Strom aus einem eingebauten Solarpanel halte die Säule rund um die Uhr einsatzbereit. Bei einem Notruf wird der Standort der Säule der Leitstelle unmittelbar bekannt. „Die Rettungskräfte wissen da schon auf den Meter genau, wo sie hin müssen“, erklärte Mihm. Partner des Projektes ist die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG).

Bislang gibt es in Niedersachsen sechs solcher rot-weißen Alarmmelder an Badestellen. Die erste wurde 2019 kurz nach dem bundesweiten Projektstart in Stuhr bei Bremen aufgebaut. Weitere sind an Badestellen in der Gemeinde Südbrookmerland (Kreis Aurich) und in Quakenbrück (Kreis Osnabrück). Drei weitere Melder wurden in den vergangenen Monaten in der Gemeinde Moormerland im Kreis Leer installiert. Deutschlandweit stehen rund 200 Säulen. Die Kosten werden von der Stiftung oder den Gemeinden getragen.

Erste Notrufsäule am Steller See

Die erste Säule befindet sich am Steller See in Stuhr-Groß Mackenstedt. An den Sommerwochenenden übernimmt die DLRG Weyhe dort den ehrenamtlichen Wachdienst. Die Notrufsäule ist eine Ergänzung und prominent platziert: Direkt gegenüber vom Eingangsbereich zwischen dem Spielplatz und Strand. Auch am nicht weit entfernten Silbersee sollen zwei Notrufsäulen aufgestellt werden.

Gerade in der Vor- und Nachsaison ist die Wachstation am Steller See nicht immer besetzt. Mithilfe der Säule kann nun rund um die Uhr der Rettungsdienst alarmiert werden. Die Notrufsäule ist optisch in den Farben rot und weiß gehalten und sticht damit farblich hervor. Die Bedienung der Säule erfolgt per Knopfdruck und ist einfach gehalten. 

Wie genau die Notrufsäulen genutzt werden, kann die Björn-Steiger-Stiftung nicht sagen. Es wurde beispielsweise registriert, dass etwa von der Säule in Quakenbrück, schon mehrfach ein Notruf abgesetzt wurde. Der Inhalt werde nicht erfasst, sagte Mihm.

Unfallübung: Mitglieder der DLRG trainieren für den Notfall.

Weitere Melder könnten laut dem Sprecher schon bald folgen, denn die Einsatzmöglichkeiten seien groß. Beispielsweise gebe es auch Interesse, Notrufsäulen an den Nordseestränden etwa in Cuxhaven zu installieren. Nicht nur bei Badeunfällen werde schnelle Hilfe benötigt, auch bei Unfällen von Wassersportlern oder im Winter bei Einbrüchen auf einer halb-gefrorenen Eisdecke könnten die Melder lebensrettend sein, sagte Mihm.

Die DLRG in Niedersachsen bewertet die Notrufsäulen zwar grundsätzlich positiv, favorisiert aber eine andere Strategie. „Eine Notrufsäule kann eine Bewachung der Badestelle nicht ersetzen“, sagte Verbandssprecher Christoph Penning. An bewachten Badestellen seien Retter sofort zur Stelle. Die Hilfsorganisation befürwortet daher, so viele Badeseen wie möglich mit Rettungsschwimmern auszustatten – auch wenn diese Wachstationen teurer wären als die Notrufsäulen.

Im Nachbarbundesland Bremen gab es im Juni zwei tödliche Badeunfälle.

Merkmale des Ertrinkens

Menschen ertrinken anders als es oft (im Film) dargestellt wird. Das Ertrinken ist ein stiller Tod: Man wedelt nicht mit den Armen oder spritzt mit Wasser. Der Grund: Ein Ertrinkender ist erschöpft, hat also keine Kraft mehr, er ist bewegungsunfähig. Denn der Körper konzentriert sich im Überlebensmodus nur auf eins: das Atmen. Ein Ertrinkender kann deshalb auch nicht um Hilfe rufen. Denn die Atmungsfunktion ist der Sprechfunktion übergeordnet.

Wenn man einen Ertrinkenden sieht, ist sofort Hilfe zu rufen. Dies kann der Notruf (Telefon 112) sein, die Wachmannschaft informieren oder die Notrufsäule betätigen. Selber ins Wasser gehen und zum Ertrinken schwimmen, ist nur eine gute Idee, wenn man weiß, was man tut.

Rubriklistenbild: © Julian Stratenschulte/dpa

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