Konzertsaal oder Kneipe? - Neue Nutzung für Kirchen gesucht

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Organist Meyer-Moortgat in der ehemaligen Kirche von Peine

Peine - Viele Gotteshäuser sind nur Weihnachten gut gefüllt. Wegen der hohen Unterhaltskosten wurden in Niedersachsen bereits dutzende Kirchen geschlossen. Die ehemaligen Sakralbauten beherbergen heute Kitas oder Kulturzentren.

Angesichts sinkender Mitgliederzahlen geben die großen Kirchen in Niedersachsen eine Vielzahl an Gebäuden auf. Nur wenige werden abgerissen, die meisten erhalten eine neue Funktion. So kommen unter anderem Kindergärten und Kulturzentren in den einst sakralen Bauten unter. Die Stadt Peine zum Beispiel erhält einen neuen Konzertsaal in einem früheren Gotteshaus. Am kommenden Sonntag (28.) will der Pianist und Organist Hans-Dieter Meyer-Moortgat das erste Konzert in der ehemaligen Neuapostolischen Kirche geben.

„Es ist eine tolle Atmosphäre. Die bunten Fenster sorgen für traumhafte Lichteffekte“, sagte der 61 Jahre alte Besitzer, der künftig im Anbau der Kirche wohnen wird. Der Umbau des rund 190 Quadratmeter großen und neun Meter hohen Gottesdienstraumes dauerte anderthalb Jahre.

Im Bistum Hildesheim wurden seit 2002 insgesamt 54 Kirchen geschlossen. Aktuell sind hier nur noch zwölf Prozent der Bevölkerung Katholiken. Gründe für die Schließungen seien die Abwanderung vieler Menschen aus früheren Wohngebieten, der Mitgliederrückgang und der damit einhergehende rückläufige Gottesdienstbesuch, sagte Bistumssprecher Volker Röpke. „Auch wird es wegen des Priestermangels zunehmend schwieriger, regelmäßig heilige Messen in jeder Kirche anzubieten.“ Zugleich sei die Erhaltung der Gebäude mit enormen Kosten verbunden.

Im Bistum Osnabrück wurden in den vergangenen zehn Jahren vier Kirchen aufgegeben und drei abgerissen. In zahlreichen Gebäuden sei der Gottesdienstraum verkleinert worden, beispielsweise um im hinteren Bereich das Pfarrheim zu integrieren, sagte Bistumssprecher Hermann Haarmann. In einer Kirche habe man zusätzlich ein Kolumbarium, also eine Begräbnisstätte für Urnen, eingerichtet. Obwohl kaum noch jemand regelmäßig sonntags einen Gottesdienst besucht, bewegt die drohende Schließung einer Kirche die Gefühle der Anwohner. Bei einem Verkauf achtet die Kirche darauf, dass die neue Nutzung der bisherigen nicht widerspricht. „Auf keinen Fall infrage kommt für uns eine gewerbliche Nutzung, zum Beispiel als Restaurant, Boutique oder Disco“, sagte Haarmann.

Im zum Bistum Hildesheim gehörenden Groß Munzel bei Hannover wurde eine Ausnahme gemacht: Eine ehemalige Kirche dient einem Speditionsunternehmen als Fahrzeug-Unterstand. Im südniedersächsischen Hann.Münden ist ein Café in einer früheren evangelischen Kirche untergebracht. „Trinkpartys“ gebe es hier aber nicht, heißt es auf der Internetseite des Café Aegidius. Die Landeskirche Hannovers hat seit 2004 etwa 17 Kirchen und Kapellen aufgegeben. Im Fall der Corvinuskirche in der niedersächsischen Landeshauptstadt führte dies zu Protesten und einem zwei Jahre dauernden Rechtsstreit.

Anfang Dezember urteilte das Oberverwaltungsgericht Lüneburg, dass die 1962 errichtete Corvinuskirche ein Baudenkmal darstellt. Damit wird der geplante Abriss erschwert. Wie es weitergeht, hat die Landeskirche noch nicht entschieden. „Wir müssen diskutieren, was das Urteil des OVG bedeutet“, sagte Kirchensprecher Johannes Neukirch.
dpa

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