Montag ein Thema im Umweltausschuss

Paraffin an der Nordsee: Greenpeace widerspricht Schifffahrtsamt

Immer wieder fanden sich zuletzt an den Stränden der Nordsee Wachsreste, genauer: Klumpen aus Paraffin. Das berichtet Greenpeace und widerspricht damit Angaben der zuständigen Behörde.

Wangerooge/Butjadingen/Hamburg – Laut Greenpeace sind die wiederholten Anspülungen von wachsartigen Klumpen an der Nordseeküste Ende April und Mitte Mai überwiegend auf Paraffin-Wachs zurückzuführen. Einige der weißlichen Brocken stammen demnach wohl aus Tankauswaschungen von Schiffen. „Nachdem die ihre Ladung im Hafen gelöscht haben, werden die Tanks erst auf See gründlich gereinigt, durch die Strömung gelangen die Stoffe bis ins Wattenmeer“, berichten die Umweltschützer.

Tankwaschungen außerhalb der Zwölf-Seemeilen-Zone seien laut Greenpeace unter bestimmten Voraussetzungen noch immer erlaubt – und dennoch riskant.  Ähnliche Funde mit scharfen Abbruchkanten stammen laut der Umweltschützer wahrscheinlich von zerbrochenen Paraffin-Platten, die in Containern transportiert werden. Die Schiffe verlören bei Seegang immer wieder Teile ihrer Ladung in der Nordsee.

Tiere könnten wegen Paraffin mit vollem Magen verhungern

Das Problem dabei sei nicht die unmittelbare Verschmutzung der Strände – Paraffin gelte laut EU-Vorordnung als ungefährlich und sei vielen beispielsweise als Kerzenwachs bekannt. Allerdings berichtet Daniela Herrmann, Umweltwissenschaftlerin bei Greenpeace: „Wenn Paraffin an den Küsten rumliegt, bröseln sich diese kleinen Stücke auf und Tiere nehmen diese dann zu sich.“ „Dadurch entsteht zum Beispiel bei Vögeln ein Sättigungsgefühl im Magen, was wiederum gefährlich sein kann.“ Es sei ähnlich wie beim Plastikmüll: Tiere verwechseln die unverdaulichen Stoffe mit Nahrung und verhungern dann letztlich mit vollem Magen. 

Die Umweltschützer von Greenpeace hatten nach eigenen Angaben Ende April bei Butjadingen in Niedersachsen Proben der wachsartigen Klumpen gesammelt. „Diese Proben haben wir ausgewertet und festgestellt, dass alle Paraffin-Wachse sind“, sagte Daniela Herrmann der Deutschen Presse-Agentur. Diese zehn Proben seien nur wenige Tage nach ersten Anspülungen anderer wachsartiger Klumpen auf den Ostfriesischen Inseln genommen worden.

Infolge mehrerer Medienberichte, nach denen auf den ostfriesischen Inseln Langeoog, Spiekeroog und Borkum eine ungewöhnlich große Menge weißer Klumpen angespült wurde, habe ein Greenpeace-Team an der Nordseeküste eigene Proben genommen: am 30. April in Butjadingen – wenige Tage nach den ersten Meldungen über Funde auf den Ostfriesischen Inseln – und am 14. Mai bei St. Peter-Ording und Friedrichskoog.

Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) in Hamburg kam in einer Analyse von den kurz zuvor auf den Ostfriesischen Inseln eingesammelten Proben zu einem anderen Schluss: „Die Proben von den Inseln Wangerooge, Langeoog und Norderney weisen keinerlei Charakteristika auf, die auf Paraffin oder andere bekannte Pflanzenöle hindeuten“, teilte der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Enak Ferlemann (CDU), auf eine Grünen-Anfrage vergangene Woche mit. Lediglich zwei Proben mit Gewichten zwischen 150 und 200 Kilogramm seien als Paraffinwachs einzustufen gewesen – darunter eine Probe von Borkum.

Greenpeace mit Experten-Einschätzung nicht einverstanden

Greenpeace stellten die Erkenntnisse des Bundesamts nicht zufrieden. Es müsse stattdessen zusätzlich geklärt werden, woher diese Einleitungen in die Nordsee stammen. „Das Wattenmeer ist ein weltweit einzigartiges Ökosystem und es sollte nicht durch Industrieprodukte verschmutzt werden“, sagte Daniela Herrmann. Die bestehenden Regelungen müssten deutlich nachgeschärft werden: „Solche Tankwaschungen, die unter bestimmten Voraussetzungen noch möglich sind, sollten nicht mehr auf See gemacht werden dürfen. Die Paraffinreste müssen kontrolliert bereits in den Häfen entsorgt werden.“

Das niedersächsische Umweltministerium teilte auf Anfrage der Deutschen Presseagentur mit, nach den vorliegenden Ergebnissen des BSH liege es nahe, dass es sich bei den Ende April auf den Inseln angelandeten Stoffen überwiegend um Fett-Alkohole handelte, die nicht wassergefährdend seien. Woher diese stammen und wofür sie verwendet werden könnten, sei noch nicht geklärt, sagte ein Sprecher.

Auf Antrag der Grünen im niedersächsischen Landtag soll sich der Umweltausschuss an diesem Montag mit den Anspülungen beschäftigen – dann soll die Landesregierung Stellung nehmen. (Mit Material der dpa)

Rubriklistenbild: © Bjoern Jettka/Greenpeace Germany/dpa

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