Gemeinde im „Schockzustand“

„Papa schläft so lange“: Töchter warten drei Tage, dass toter Vater wieder aufwacht

Drei Tage lang verharrten seine Töchter an der Seite ihres verstorben Vaters. Sie dachten, er würde nur schlafen – bis ihre Tante den leblosen Vater auffand.

Altötting – Für Bianca F. brach eine Welt zusammen, als sie ihren toten Bruder Marco in seiner Dachgeschosswohnung auffand. Am 17. September entdeckte sie ihren leblosen Bruder auf dem Sofa. Medienberichten zufolge sei er bereits in der Nacht auf Dienstag, dem 14. September, gestorben. Eines natürlichen Todes, wie ein Rosenheimer Polizeisprecher bestätigt. Ein Herzinfarkt ließ ihn für immer einschlafen. Die Trauer um den alleinerziehenden Familienvater wiegt schwer in der bayrischen Kreisstadt Altötting. Besonders für seine drei Töchter: Drei Tage verharrten sie an der Seite des Vater. Sie dachten, ihr Vater würde bloß schlafen.

Kreisstadt in Bayern:Altötting
Fläche:23,43 km²
Bevölkerung:12.650 (Stand: 31. Dez. 2008)
Postleitzahl:84503

Oberbayern: Töchter bleiben drei Tagen lang an der Seite ihres toten Vaters

Am Montag, dem 13. September, startete die Woche noch wie gewohnt: Morgens ging es für Johanna (4), Paula (3) und Isabella (2) in den Kindergarten, danach wieder zurück zu ihrem geliebten Vater. Wie Marcos Schwester gegenüber der „Passauer Neuen Presse“ bestätigt, sei Marco ein liebevoller Vater gewesen. Er habe alles für seine Töchter getan. Sollten sie mal im Kindergarten fehlten, dann deshalb, weil ihr Vater mit den Kindern etwas unternahm.

Trotz unentschuldigtem Fehlen dürften sich die Sorgen der Kindergarten-Mitarbeiter also zunächst in Grenzen gehalten haben. Schließlich nahm spätestens am folgenden Tag alles wieder seinen gewohnten Lauf. Doch nicht am 14. September. Es war die Nacht, aus der ihr Vater nie wieder erwachen sollte. Im Gegensatz zu einer Tragödie, als ein Toter stundenlang unbemerkt mit der Straßenbahn fuhr, spürten Marcos Töchter, dass etwas anders war. Unaufhörlich verharrten sie an der Seite des toten Vaters. Die Töchter dachten, ihr Vater würde bloß länger schlafen – bis ihre Tante die traurige Gewissheit brachte.

„Johanna hat geschaut, dass sie durchkommen“: Älteste Tochter versorgte ihre Geschwister mit Essen und Trinken

Am 17. September machte sich Bianca auf den Weg Richtung Halsbach, einer kleinen Gemeinde im bayrischen Landkreis Altötting. Sie wollte mit ihrem Bruder über die Pflege der Mutter reden, die im gleichen Haus wie Marco lebt. Ein ungutes Gefühl könnte Bianca bereits beschlichen haben, als Marco ihr nicht die Tür öffnete. Stattdessen waren es seine Töchter, die ihr entgegenkamen. „Papa schläft schon so lange“, waren die Worte der Kinder, die Marcos Schwester erneut mulmig werden ließ.

Familiendrama in Oberbayern: Töchter verharrten tagelang an der Seite ihres toten Vaters. (Symbolbild)

Sie vergewisserte sich, ob alles ok war. Doch statt eines schlafenden Bruders entdeckte sie nur dessen Leichnam. Die Töchter wussten nichts von der Tragödie. Sie dachten, er würde bloß länger schlafen und legten sich zu ihm auf das Sofa. „Johanna hat geschaut, dass sie durchkommen“, sagte Bianca F. gegenüber der „Passauer Neuen Presse“.

Sie war die Älteste der Geschwister und versorgte sich und ihre Geschwister mit Essen und Trinken. Auch die Oma erfuhr erst Tage später von der Schreckensmeldung. Oft ging Marco tagelang nicht runter in ihre Erdgeschosswohnung. „Er wollte die Mama nicht anstecken“, sagte Bianca, die sich fortan um Marcos Kinder kümmert.

„Das tragische Schicksal der Kinder hat die gesamte Gemeinde berührt“: Gemeinde ist im „Schockzustand“ nach Familiendrama

Im Zuge eines solchen Familiendramas ist es hart für Angehörige, Hoffnung zu schüren und wieder zur Tagesnormalität zurückzukehren. Es ist nur allzu nachvollziehbar, wie herzzerreißend es ist, von einer geliebten Person Abschied zu nehmen. Ein australischer Bauer tat dies auf eine kreative Art und Weise und formte für seine tote Tante ein Herz aus Schafen. Dass Schicksalsschläge jedoch auch den Zusammenhalt einer Gemeinde stärken können, zeigte zuletzt nicht nur ein Ort in Kentucky, wo eine neunjährige Tochter Geld für die Beerdigung ihres verstorbenen Vaters sammelte: Indem sie Kekse verkaufte, die ihr die Gemeindemitglieder zu rührend großzügigen Preisen abkauften – betteln wollte die kleine nicht.

Auch in Oberbayern ist die Anteilnahme riesengroß. Erste Gelder gingen bereits auf das für Marco errichtete Spendenkonto ein. Die Menschen wollen seine Töchter und Schwester unterstützen. Gegenüber innsalzach24.de sprach Pfarrgemeinderatsvorsitzender Martin Winklbauer seine Anteilnahme aus: „Das tragische Schicksal der Kinder hat die gesamte Gemeinde berührt, hier sind alle etwas im Schockzustand“. Ein Schicksal, das den Alltag der bayrischen Gemeinde wohl noch lange überschatten wird. *24hamburg.de und kreiszeitung.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © IMAGO/photothek

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