Segler verärgert

Ostfriesland: Scheuer will Wassersport im Watt drastisch einschränken

Segelboote im Yachthafen von Baltrum
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Scheuers Naturschutzpläne: ist das Segeln im Watt bald verboten?

Verkehrsminister Scheuer will das Segeln im Wattenmeer einschränken. Vereine und Segelclubs reagieren entsetzt und wollen sich gegen die Pläne wehren.

Ostfriesland – Seit Juni 2009 ist das ostfriesische Wattenmeer in der UNESCO-Liste als Weltnaturerbe eingetragen. Die Ostfriesen sind stolz auf ihr Paradies im Norden. Doch seit ein Referenten-Entwurf von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) bekannt wurde, scheinen sich die Wogen in Niedersachsen nicht mehr zu glätten.

In dem 259 Seiten langen Entwurf, der der BILD vorliegt, ist die Rede davon, dass der CSU-Politiker durch übertriebene Naturschutzerweiterungen den Wassersport im Nationalpark drastisch einschränken will. Viele Vereine und Segelclubs reagieren darauf mit Entsetzen und wollen sich dagegen wehren. Doch die Zeit wird knapp: nur noch bis zum 13. September können Betroffene dazu Stellung nehmen.

Scheuers Pläne für den Naturschutz: Ostfriesen sind entsetzt

Minister Scheuers Plan sieht vor, viele bereits geschützte Bereiche noch deutlich zu erweitern. Im Extremfall wird es sogar Verbote geben. Auf mehreren Karten wird das Ausmaß der geplanten Änderungen deutlich. Würde dieser Plan umgesetzt, ständen den Seglern etwa auf Baltrum nur noch winzige Wasserstraßen zur Verfügung. Bei Hochwasser wäre das Überqueren des Watts sogar verboten. Heiko Sauer vom Baltrumer Bootsclub zeigt sich gegenüber der BILD entsetzt: „Wir fühlen uns eiskalt überrumpelt. Wenn dieser Entwurf auch nur ansatzweise durchgeht, sind wir endgültig im Reservat angekommen“.

Alleine die Tatsache, dass man das Watt nicht mehr überqueren dürfe, hätte drastische Auswirkungen auf alle Anwohner der Nordsee. Für die Einwohner Baltrums etwa würde die Strecke nach Nessmersiel wesentlich länger und gefährlicher werden. Das Gleiche gilt für die Einwohner Juists für die Strecke nach Norddeich. Denn dann müssten alle Seefahrer auf das offene Meer fahren. „Das wird insbesondere für kleinere Boote gefährlich. Familien mit Kindern haben da draußen bei Wind nichts zu suchen, sagt man hier bei uns“, erklärt Sauer.

Scheuers Naturschutzpläne verbieten traditionelles Trockenfallen

Die Pläne würden das sogenannte Trockenfallen ebenfalls zunichtemachen. Bei der Technik wird das Boot an eine flache Stelle im Wattenmeer gefahren, wodurch es bei Ebbe auf dem Grund aufsetzt und liegenbleibt. Trockenfallen kann verschiedene Gründe haben: zum einen werden Reparaturarbeiten am „gestrandeten“ Boot durchgeführt, oder das Boot auf dem Trockenen be- und entladen. Manche Einwohner lassen ihr Boot aber auch nur zum Spaß trockenfallen, um an der Stelle eine entspannte Wattwanderung zu machen.

Peter Janßen vom Baltrumer Bootsclub sieht bei der Technik keine Gefahr für die Natur. „Wir reden hier von wenigen Booten, die sowas seemännisch machen. Die hinterlassen eine Delle im Sand, die mit dem Hochwasser verschwindet. „Wo ist das Problem?“, fragt Janßen kritisch. Auch beliebte Events wie das Duhner Wattenrennen* könnten schon bald Geschichte sein.

Übertriebener Naturschutz: Niedersachsens Segelsportler melden sich zu Wort

Scheuers kommenden Naturschutzerweiterungen bereiten sehr vielen Freizeitsportlern und Segelclubs Kopfzerbrechen. Olaf Büscher vom Nordsee-Yachtclub in Nessmersiel sieht die Existenz der Clubs bedroht: „Machen wir uns nichts vor. Es wird jeden Wassersportverein treffen – auf den Inseln wie auf dem Festland. Die gesamte niedersächsische Küste ist ja Wattenmeer.“

Peter Janßen findet, dass die Naturschutzbestimmungen weit über das Ziel hinausschießen. Er zeigt sich um die Zukunft seines Clubs besorgt. Die Belastung der Natur sieht auch er als sehr gering an. Deshalb hält er weitere Beschränkungen für unnötig, vor allem da sie Steuergelder kosten würden, die woanders besser eingesetzt werden könnten. „Es ist ein glatter Todesstoß für den Wassersport. Wo soll denn der Nachwuchs trainieren? [...] Hier wird mit Kanonen auf Spatzen geschossen.“, fasst er alle Bedenken über die Maßnahmen zusammen.

Dieser Meinung ist auch der Ihlower Tierarzt Dr. Hansjörg Heeren vom Friesischen Verband für Naturschutz und Ökologische Jagd (FVNJ e.V.). Er sieht Nordfriesens Segler als Naturschützer, die ihre Umwelt bewusst erleben und bewahren. „Segler sind nur im Sommer unterwegs, sie stören keinen Zugvogel und keinen Wattwurm“, attestiert der Veterinärmediziner. * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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