Kirchen in Osnabrück kümmern sich um Trauerfeiern

Ein würdiger Abschied für Menschen ohne Angehörige

Osnabrück - von Elmar Stephan. Für Menschen, deren Angehörigen keine Bestattung bezahlen können, muss die Stadt die Kosten übernehmen - und oft sind die Beisetzungen anonym. In Osnabrück kümmern sich Protestanten, Katholiken und der Humanistische Verband gemeinsam um eine würdevolle Beerdigung.

Vier Urnen stehen auf einem kleinen mit einer dunklen Samtdecke abgedeckten Tisch. Links und rechts davon sind Blumengestecke aufgebaut. Rechts ein kleines Pult, linker Hand steht ein Kreuz. Der Organist spielt die Air von Johann Sebastian Bach. Vielleicht zwanzig Menschen sitzen in der Trauerkapelle des Heger Friedhofs in Osnabrück, und nehmen Abschied. Bei den Verstorbenen handelt es sich um Menschen, die keine Angehörigen mehr haben oder deren Familienmitglieder die Bestattung nicht selber übernehmen können oder wollen.

In einem Fall wie diesem muss die Stadt die Bestattung bezahlen. Die Kosten liegen bei rund 2500 Euro, sagt Rolf Brall vom Ordnungsamt der Stadt Osnabrück. In vielen Kommunen läuft das auf eine anonyme Beisetzung hinaus. In Osnabrück hat man sich davon verabschiedet: Seit gut zwei Jahren kooperiert die Stadt mit der katholischen und evangelischen Kirche sowie dem Humanistischen Verband, um einmal im Monat eine Trauerfeier auszurichten.

Dass die Stadt keine Angehörigen finden kann, die die Kosten der Beisetzung übernehmen, heißt nicht, dass niemand zur Trauerfeier kommt, sagt Brall. „Ein paar Tage vor der Beisetzung werden die Namen der Verstorbenen in der Zeitung veröffentlicht“, erzählt er. In den meisten Fällen melden sich Bekannte und Freunde, die doch noch kommen, um Abschied zu nehmen. Etwa Mitbewohner aus Altenheimen oder Nachbarn. „Wir hatten hier auch schon einmal 80 Gäste in der Kapelle.“

Einmal sei ein ganzer Motorradclub in die Friedhofskapelle gekommen, berichtet der evangelische Pastor Thomas Herzberg. Er habe es noch nicht erlebt, dass ein Mensch vollkommen ohne Begleitung seiner Freunde und Bekannte beigesetzt worden sei. „Ich finde das wirklich tröstlich. Offenbar ist Osnabrück doch nicht eine so anonyme Großstadt, wo die Menschen von anderen unbemerkt sterben“, sagt er.

An diesem Tag werden zwei Frauen und zwei Männer bestattet. Sie lebten im Altersheim, waren verwitwet oder alleinstehend. Einer der Männer hatte schon seit Jahren keinen Kontakt mehr zu seinen Eltern, die noch leben. Drogen, Suizid -„eine tragische Geschichte“, sagt Brall.

Das Trauerritual ist eine Mischung aus christlichen und humanistischen Elementen. Gleichberechtigt haben sich die evangelische und katholische Seite sowie die Humanisten auf eine Zeremonie geeinigt, erzählt Reinhard Brune vom Humanistischen Verband. Auch die Konfessionslosen sollen eine würdige Beisetzung erfahren. „Es sollen alle zu Wort kommen.“ So werde zwar das christliche Kreuz auch mit aufgestellt, aber es stehe eher am Rande und solle das Trauerritual nicht dominieren. „Ich wüsste nicht, dass es eine solche Zusammenarbeit zwischen Humanisten und den beiden christlichen Kirchen noch irgendwo sonst gäbe“, sagt Brune. In dieser Form sei die Trauerfeier für Verstorbene ohne Angehörige in Deutschland sicher einmalig.

An diesem Tag übernehmen Diakon Gerrit Schulte für die Katholiken und Anne Hilligsberg für den Humanistischen Verband die Trauerfeier. Schulte spricht von der Hoffnung, dass das Leben nicht mit dem Tod endet. Hilligsberg spricht davon, dass manche mit Absicht alleine leben, andere unfreiwillig von allen Kontakten abgeschnitten sind: „Mancher lebte allein, bei anderen ging der soziale Tod dem physischen Tod voraus.“

Nach der Andacht in der Kapelle bringen Träger die Urnen zu der Begräbnisstätte in einem kleinen Wald auf dem Friedhof. Diakon Schulte spricht das Vaterunser, viele der Trauergäste beten mit. dpa

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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